Spektakel am Hochablass – Tiefbauamt leitet Lech um

Bauarbeiten am Hochablass.

Arbeiten im Flussbett.

Damit die Stromturbine der Stadtwerke am Augsburger Hochablass nicht trocken läuft und abgeschaltet werden muss, sind zur Wasserversorgung gewaltige Kiesarbeiten notwendig. Ansonsten müsste der Turbinenbetrieb unterbrochen und durch Strom aus Gaskraftwerken ersetzt werden. In Zeiten der ökologischen Energieerzeugung eine unerfreuliche Alternative.

Artefakte vom alten Hochablass.

Lärm statt Idylle


Im Oktobernebel entfaltet der Lech am Hochablass einen besonderen Reiz. Vor allem dann, wenn mit der halbjährlichen Stadtkanalreinigung und -nachschau die ansonsten den Hauptstadtbach einfließenden 50 cbm/Sekunde Wassermassen über das Wehr donnern. Es ist ein Grollen und Brausen, wie man es sonst nur bei Hochwasser hört. Gischt und Dunst hüllen Spaziergänger und Radler in ein feuchtes Tuch.


Wunderwelt der Maschinen


Zwei Großbagger mit fünf Tonnen Schaufelvolumen und ein Dreißigtonner Muldenkipper bewegen das gewaltige Kiesgeschiebe des Lechs von der Hochzoller in Richtung der Siebentischwald Seite. Während bis zur Flussmitte die eine Seite wie eine gigantische Kiesbank aussieht, stürzen sich westlich der Mitte die Ströme die Sperrwalzen hinunter.


Maschinenhalle des Kraftwerks im Hochablass.

Der verantwortliche Bauleiter des Tiefbauamtes der Stadt Augsburg, Sebastian Jurka, erklärt warum: „Das Frühjahrshochwasser des Lechs brachte riesige Mengen an Gesteinsmassen aus den Lechtaler Alpen und setzte sich trotz der 23 Staustufen mittels Grundeintrag im Oberwasser des Hochablasses fest“. 

Hochablass im Herbstnebel.

Turbine braucht Wassertiefe 


Diese Massen verstopfen den Zufluss zur Turbine in neuneinhalb Meter Tiefe. "Nur aufgrund der Tiefe", so erklärt es der freundliche Herr Jurka, der gleichzeitig der städtische Schleusenwärter für den Hochablass ist, "kommen wir auf die 11 Mio KW/h Stromerzeugung". Die reicht für ca. zwei Drittel der Haushalte in Hochzoll Süd. Im Vergleich zu einem Kohlekraftwerk (gegenwärtige Energie-Lebensretter der Bundesregierung) werden jährlich 5.500 t weniger Kohlendioxid ausgestoßen.

Neues und Historisches im Kraftwerk


Steigt man eine nicht sichtbare Treppe an einem der beiden Zuflussbetonmauern hinunter, dann steht man in einer Kathedrale der Ingenieurskunst. In sechs Meter Tiefe befinden sich die beiden Kaplan- Turbinen zusammen mit den angeflanschten Generatoren. Auf einer Stegbrücke überwacht Sebastian Jurka an der Steuerungstafel Erzeugung und Fluss des Stroms.


Turbine und Generator des Kraftwerks.

Ebenso spannend sind die Artefakte des vom Hochwasser 1911 zerstörten alten Hochablass. Ein mit Eisenspitze umdengelter Holzpfahl, der als Fundamentverstärkung diente und ein Teil der Schiene einer Lorenbahn die zum Abtransport von Gesteinsmaterial benutzt wurde. Teile des alten Holzwehres sind bei niedrigem Lechwasser noch im Flussbett beim Hochablasss sichtbar. So ganz nebenbei dient der knapp zehn Meter tiefe Einflussgraben auch der Augsburger Feuerwehr als Tachbecken.

Schleusenwärter Sebastian Jurka an der Schalttafel des Kraftwerks.

Eine Menge Kies Wie lange die Arbeiten noch dauern hängt auch von der Wiederinbetriebnahme der Kanalflutung ab, die meist nach zwei Wochen erfolgt. Was die Freilegung der Turbinen kostet konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. In jedem Fall eine Menge Kies.


Bericht und Bilder: Michael Ehrmanntraut

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