ROCKHIMMEL ODER ROCKHÖLLE FÜR UNSREN HUGO?

Hugo als DJ CC Dynamite in den Armen einer heißen Rocklady.



Werden ihm seine Augsburger Fans ein Denkmal stiften?

Leider wurde unser Hugo zum Schluss seines Lebens immer mehr ein spezieller Einzelgänger, der es nicht mehr verstand Freundschaften zu pflegen ... natürlich hat jeder Ecken und Kanten, doch Hugo war nun mal ein spezieller Fall, vielleicht schon ein Autist?
 
Es war bedauerlicherweise unmöglich, mit Hugo ein echtes Gespräch zu führen. Das war ihm nicht gegeben. Nur seine Dinge waren ihm wichtig, was andere dachten und sagten, ging ihn nichts an.
Schade, er hätte viel zu erzählen gehabt ...
 
Ja, er steckte sein ganzes Geld, das er als Lackierer verdiente, wohl in seine Liebe zur Rockmusik und in grelles Outfit. Manche Kleidungsstücke schneiderte er auch selber. Als es in Augsburg eine Punk&Wave-Boutique unterhalb des Judenbergs gab, war er dort Stammgast und die Höhe eines Preises hielt ihn nicht vom Kauf eines verrückten Kleidungsteils ab.



Allerdings war Hugo auch ein richtiger Schwabe, es soll keine Bedienung in Augsburg geben, der er jemals ein Trinkgeld gegeben hat. Dafür war er bei Mädels sehr großzügig und spendierte einen Piccolo nach dem anderen, wenn er vielleicht gewisse Absichten hatte ...

Ja, Hugo war der absolute Rockfan. Er besuchte viele Konzerte von Rockbands. Seine absoluten Favoriten waren die Bands Hanoi Rocks und Girlschool. Allerdings habe ich auch erlebt, wie ihn Rockmusikerinnen wie Ina Deter und Vera K. ihn im Musikklub Metro wegen Aufdringlichkeit aus ihrem Backstageraum warfen oder erst garnicht hineinließen. Da konnte er schon nervig sein.
Leider war es Hugo nicht vergönnt, selbst Musik zu machen. Er konnte kein Instrument spielen, aber versuchte es immer wieder. Allein sein Rhythmusgefühl war total daneben. Doch sprang er gelegentlich bei Club-Konzerten auf die Bühne und gab mit Fotzenhobel die Vorgruppe. Es war nicht leicht, ihn da wieder vom Mikro wegzubringen.

 
Auch bei einem Mundharmonika-Auftritt von unserer damals frisch wiederbelebten Combo Impotenz machte er im Club Kerosin ungefragt den Support. Ich fands ja ein paar Minuten lang witzig. War sicher eine gut gemeinte Show von Hugo für uns und das Publikum. Ich musste ihn von der Bühne zur Theke tragen und mit einem Freibier ruhig stellen, damit wir unser Konzert durchziehen konnten.
 
Seine Auftritte als DJ CC Dynamite, dafür hatte er diesen Namen erfunden, sind legendär, oft gingen sie im Alkohol unter, wenn er mit blonder Langhaarperücke und seinem Teufels-Dreizack hinterm Plattenteller stand. Nachdem seine Eltern gestorben waren, bei denen er bis zu ihrem Tod immer lebte und versorgt wurden, musste er von seiner angestammten Wohnung im Bismarckviertel ins Ulrichsviertel ziehen. Immer mehr wurde der Alkohol zu seinem Begleiter, der nix Gutes mit ihm anstellte.
 
Ich gebs zu, ich mochte Hugo, auch wenn ich mich öfter über ihn richtig ärgerte, wenn er beleidigend zu mir oder zu jemand anders war. Oft grundlos. Nur aus einer Laune heraus, so hatte ich den Eindruck.
Mir war klar, dass ihn sein giftiger Job als Lackierer, seine Leben ohne Eltern und Frau, ohne wahre Freunde, sehr sonderbar machten. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass ich für ihn irgendwie wichtig war, obwohl ich ihm schon 1979 bei der Zeitschrift Lueginsland einen Mini-Job als Musik-Redakteur verschaffte. Gut, er musste mir nicht dankbar sein, schließlich haben wir seine Bekanntheit und sein Rockwissen genutzt.

Kennengelernt hatte ich Hugo wahrscheinlich über den Schlagersänger und Sweet-Fan Sweety im Ice-Club, wo Hugo mit seinem grellen Outfit mit pink Hotpants und Netzstümpfen öfter zum "Mr. oder Mrs. Ice" gewählt wurde. Da eiferte er nicht nur dem blonden DJ Rudi und dessen heiße Klamotten nach, der schon in den 1970ern mit Minirock durch Augsburg lief, sondern übertraf ihn noch. Peinlich war ihm das nicht, sondern er genoss den Applaus dafür.


Unvergessen bleibt mir die Fahrt mit Stone und Hugo zum ersten Augsburger Punkfestival 1979 in einem Dorfgasthaus in Bachern. Wir fuhren dorthin, um eine Reportage zu machen. Wenn ich mir jetzt die genialen Fotos von Stone anschaue, dann sehe ich im Hintergrund Hugo und mich herumstehen. Mein Text zu den Fotos von Stone hatte die Überschrift "Gott sein Punk!" und Hugo spielte als Punkrock-Experte darin auch eine Rolle. Mal schauen, ob ich diesen Text wiederfinde, dann veröffentliche ich ihn.

Im Ice, dem Club am Eissadion, war Hugo auch der beste Weizenbier-Trinker. Nicht umsonst wurde er dort auch nach dem Genuss von 10 oder mehr Weizenbiere zum "Weizenkönig" gewählt, wobei er dann sein berühmtes Posing mit gespreizten Beinen einnahm. Was ja auch besser für seinen Halt mit 2,5 Promille war.

Später in den Wave- und Punkclubs Subway und Metro von Nono war ich mit Hugo und dem General und den anderen Wave- und Punkmusikern zusammen. Hugo erzählte mir dabei, dass er nicht nur Lackierer sei, sonden auch Holz für die Inneneinrichtung von Kneipen mit einem kleinen Flammenwerfer rustikal gestaltete. Gesund war dieser Job sicher nicht. Vielleicht war es für Hugos Leber und Leben daher gut, dass er viel Flüssigkeit in sich hineinpumpte?

 
Komischerweise besaß Hugo keinen Humor. Ich habe ihn nie herzhaft lachen sehen. Doch dafür besaß er einen untrüglichen Sinn für den besten Auftritt. Das konnte keiner wie Hugo. Wenn er in den Club kam, dann war das für einige Minuten sein Club und wir seine Untertanen. Das war dann seine Bühne.
Und er besaß Schnupftabak. In Unmengen. Hatte er immer dabei. Leider färbten sich durch sein dauerndes Geschnupfe mit dem dunklen Pulver aus der Dose seine Nasenlöcher und ein Stück darunter immer schwärzer. Kaum vorstellbar, dass eine Frau, da ihre Lippen draufdrücken wollte.
Natürlich tat Hugo mir leid, wenn ich ab 2015 hörte, dass er irgendwo betrunken und versifft herumlag. Oder dass seine Lebensmittel im Kühlschrank zu schimmeln begannen und dass er sich nur noch mit seiner Katze Muschi beschäftigte.
 
Was sollte ich tun?
 
Sein Umzug vom Bismarckviertel an den Ulrichsplatz war eine Katastrophe. Dabei hat er alles mitgenommen, was in seiner elterlichen Wohnung war. Er konnte nichts entsorgen. Das war dramatisch. Das füllte einige Lastwägen und verbrauchte einige Wohlmeinende. Als wolle er sein geliebtes, altes Leben mitnehmen. Nie habe ich von ihm ein schlechtes Wort über seine Eltern gehört und nie habe ich von seinen Eltern ein schlechtes Wort über ihren - aus ihrer Sicht sicher kauzigen Sohn - ein böses Wort gehört.

Der General, mit dem er früher in einem Kegelclub war, war dabei seine große Hilfe. Ein paar Kaertons habe ich auch schwitzend runtergeschleppt. Ich wusste nicht mal genau, wo er am Schluss wohnte. Laut dem General irgendwo am Ulrichsplatz. So wirds einigen anderen Bekannten von Hugo auch gegangen sein. Anscheinend sogar allen, sonst wäre sein Tod nicht so lange unentdeckt geblieben.

Hatte er mich früher noch mitgenommen in sein Zimmer bei seinen Eltern und mir dort stundenlang Musik seiner Lieblingsbands vorgespielt, damit ich in seinem Namen in unserer Zeitschrift Lueginsland drüber schreiben konnte, so traf ich ihn zum Schluss nur noch zufällig in der Gaststätte Rheingold. Er hatte mir sogar gezeigt, wie er glitzernde Pailletten ans T-Shirt näht und wie er auf seine Flying-V-Gitarre eindrischt, allerdings war ich leicht schockiert, als ich sein fehlendes Taktgefühl bemerkte. Ich weiß auch nicht, ob ich Hugo jemals beim Tanzen gesehen habe. Ihr?

Um die 2000er habe ich ihn auch noch im Arkadas am Ulrichsplatz gesehen, aber dort bekam er Hausverbot, weil er nicht aufhörte, die Bedienung anzubaggern. Das ist ihm auch noch bei einigen anderen Lokalen gelungen.
 
Hugo hatte übrigens nix dagegen ein Getränk spendiert zu bekommen, allerdings ist mir nicht bekannt, dass er jemals einem männlichen Wesen etwas ausgegeben hat, oder?
Auf jeden Fall hat Hugo mir nicht gezeigt, dass er mich als Freund betrachtete. Es war ihm wohl lieber möglichst als der "Hugo aka CC Dynamite" huldvoll gegrüßt zu werden. Stand ihm ja auch zu. Er hatte sich durch ein extremes Fanleben ein tolles Rock-Image geschaffen. Insofern wollte ich mich nicht aufdrängen.
 
Gut aufgelegt war Hugo meistens, war die Vorfreude, wenn er mit seinem Radl zur Bahnhofsbuchandlung fuhr, um dort die neuesten Rockmusik-Magazine zu holen. Da konnte es schon passieren, dass er einem gönnerhaft zuwinkte.

Schon 2020 fragte ich per Facebook rum, ob jemand Hugo gesehen hat. War mir irgendwie unwohl, dass er nicht mehr in meinem Augsburg-Leben auftauchte. Hugo gehört zu Augsburg wie der Perlachturm.
 
Hugo hätte als Augsburger Original auch ein Denkmal verdient, wie die Taubenmarie. Darüber sollten wir uns als seine Fans mal Gedanken machen.

Nun ist unser Hugo wohl in einem anderen Universum und ich kann nur hoffen, dass er dort mal eine tolle Traum-Frau bekommt, die ihn nicht nur abzocken will, sondern ihn mit all seinen Macken, seinem Schnupftabak und seinem Rock'n'roll-Leben liebt!


Arno Löb
für Hugo!
(CC Dynamite)

Gehts no?
Rock'n'Roll!

P.S.: Am besten gefiel ihm schon um 1980 unser Impotenz-Song "Nr 1 in der Provinz"!
Das war er auch - der Rockfan Nr. 1 in Augsburg!

Meine Fotos zeigen Hugo als Teufels-DJ bei einer Rolling-Stones-Party im Bistro Brecht's von Papiermacher Klaus.

Schlimmes Zerwürfnis zwischen den Fuggern und dem Augsburger Touri-Management?

Satirische Collage in der Augsburger Skandal-Zeitung.


Deutlicher gehts nicht: Mit ihrem Sondermagazin "500 Jahre Fuggerei - Willkommen Welt - Zum Ausblick des Jahres" zeigt der Fugger-Clan, was sie vom Augsburger Touristen-Management, vertreten durch "Regio Augsburg", wirklich halten: Nichts!


Einst, vor 500 Jahren, wurde die Fuggerei als soziale Siedlung in Augsburg als PR-Gag von Jakob Fugger dem Reichen erbaut, um von seinen Ausbeuter-Machenschaften abzulenken, für die er damals angeklagt war. Damals scheute diese Familie nicht zurück, auch Kriege zu finanzieren, verbotene Zinsgeschäfte zu tätigen oder Leute aus dem Weg zu schaffen, die sie für ihre unlauteren Wirtschafts-Methoden anklagten.

Auf 28 Seiten des Werbe-Magazins für die Fuggerei sind viele Personen zu sehen, die irgendwie zu den angeblichen Wohltaten der Fugger Stellung nehmen. In ihrem Grußwort dankt Augsburgs CSU-Oberbürgermeisterin Eva Weber "der Stifterfamilie für dieses Engagement aus ganzem Herzen." Sie scheint noch nie tiefer in die Geschichte der Fugger-Familie eingedrungen zu sein. Und ob das Kassieren von Eintrittsgeld für die Fuggerei für eine früher offene Örtlichkeit in der Stadt auch das gelobte Engagement ist, bezweifeln viele echte Augsbürger.

Üble Ausbeuter-Methoden

Gerd Müller, Unido-Generalsekretär (Was ist Unido?) , jubelt im Fuggerschen Sondermagazin: "Die Fuggerei hat den Weg für viele weitere Stiftungen geebnet und soll als Inspiration für die Schaffung ähnlicher Initiativen dienen." Dabei spricht Müller auch von 880 Millionen extrem armer Menschen und 100 Millionen Obdachlosen und vergisst völlig, dass es genau die üblen Ausbeuter-Methoden der alten Fugger waren, die Menschen in die Armut trieben. 

Augsburgs Touri-Chef, Götz Beck, wird für kritische Äußerungen zu Fugger gedemütigt:
Kein Zutritt in die Sonderzeitung zu 500 Jahre Fuggerei.

Weiterhin dürfen in der Fugger-Sonderzeitung zum Fugger-Lobhudeln noch antanzen: Rugiatu Neneh Turay und Stella Rothenberger, die "einen sicheren Lebensraum in Sierra Leone schaffen." Ebenso Trutz Rensdorff (Vorstand der Karg-Stiftung), der Sportler Felix Neureuther, Profi-Fussballer Neven Subotic, die Schauspielerin Jutta Speidel, Fotograf Daniel Biskup, Pater Anselm Grün, Rabbi Dr. Rolthschild, der Pädagoge Dervis Hizarci, die Schulleiterin Gül Solgun-Kaps, Dekan Frank Kreiselmeier und natürlich der Leiter des Fugger-Archivs: Profesor Dietmar Schiersner. 

Zynischer gehts kaum

Eenso tauchen Fugger-Claquere wie der Philosoph und Autor Prof. Julian Nida-Rümmelin, der Augsburger Sozialreferent Martin Schenkelberg, Prof. Roland Kaehlbrandt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der Musiker Herr Polaris (Bruno Tenschert), die Musikerin Melli Zech, die Fotografin Frauke Wichmann, Prof. Wolfgang Ischinger und Franz von Metzler als Sicherheits-Diskutanten und Sandra Breka als Expertin für globale Fragen, mit und ohne Bild auf. 

Sogar Karin Lehmann-Martin darf als Vorstand der Münchner PSD-Bank Löbliches zur Fuggerei rausposaunen: "Wie wichtig es ist, Hilfesuchenden mit Solidarität zu begegnen, erleben wir doch gerade in diesen Tagen ganz stark." Zynischer gehts als Bank kaum.

Überall dabei: Claudia Roth vergisst gerne ihr Gewissen und den Slogan "Macht kaputt, was euch kaputt macht", wenn sie die Chance hat, irgendwo irgendwie abgebildet zu werden. 

Die Krönung des fuggerschen Holzhütten-Spektakels auf dem Augsburger Rathausplatz stellte wohl der Besuch von Dr. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, dar, die zum Europa-Tag Augsburg besuchte und selbstverständlich öffentlichkeitswirksam durch den Fugger-PR-Fleischwolf gedreht wurde. Abgebildet wird sie auf Seite 13 des Fugger-Magazins neben einer lachenden Vorzeige-Farbigen mit rotem Kopfputz. Wäre diese farbige Vorzeigefrau früher eine Sklavin einer Augsburger Kaufmanns-Familie geworden, hätte sie keinen Grund zum Lachen gehabt.

Schandschublade 

Nur mal so nebenbei geflüstert: Auch die alten Fugger haben sich finanziell am Sklaven-Geschäft beteiligt und sie können auch in die Schandschublade Sklavenhändler gesteckt werden. Auch zu erkennen bei einem Besuch des Fugger Welser Erlebnis Museums in Augsburg. Betreut von Regio Tourismus. Doch selbst diese schlimme Vergangenheit kann Augsburgs SPD und Linke nicht zur Kritik an den üblen Fugger-Methoden bewegen. Lieber jubeln sie mit über den tollen Sozial-Fugger. Aber in die Sonderzeitung kommen sie auch nicht.  Die Fugger zeigten schon immer den Vertretern der arbeitenden Bevölkerung die kalte Schulter.

Fugger-Darsteller Heinz Schulan machte sich beim Fugger-Clan durch eine kritische
Darstellung in dem Theaterstück "Jakob Fugger Consulting", verfasst von Sebastian Seidel,
öfters aufgeführt im Fugger Welser Erlebnismuseum, äußerst unbeliebt. Er wurde aussortiert.


Ist echt kein Wunder, dass auch unsere grelle und grüne Show-Politikerin Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, die in Augsburg als "kulturelle Sonderwaffe" gilt, bei der Fuggerei-Orgie dabei sein muss. Sie strahlt aus dem Fuggerei-Magazin, als ginge es um eine Sonderzeitung für herrlich weiße Zahn-Implantate. "Ist ihr völlig egal, durch welche Ausbeuter-Methoden einst die Fugger zu ihrem Geld und ihren Immobilien kamen. Dabeisein ist alles! Scheißegal, ob sie mal mit Ton Steine Scherben eine links-anarchische Band betreute, die Leute wie Jakob Fugger der Reiche am liebsten enteignet hätten", meint eine Kritikerin.

Augsburgs Touri-Chef Götz Beck hat es sich mit dem Fugger-Clan
durch zu viel Wahrheit verdorben.


Und jetzt kommts: Nirgends ist auch nur eine Andeutung, ein kleiner Schimmer des Augsburger Touri-Vereins in der Fuggerei-Zeitung zu sehen. Götz Beck, der Chef von Regio Augsburg, ist aktuell bei den Fuggers nicht in und deshalb nicht drin. Er wird von Ihnen durch Nichtbeachtung regelrecht gedemütigt. Denn sie wissen, das Augsburger Tourismus-Büro hat das Thema Fugger ständig mehr auf- und ausgebaut. Jetzt können sie nicht mehr drauf verzichten. Sie sitzen, wie viele früher auch, die sich mit den Fuggers einließen, in der Fugger-Falle. 

Geschichtsexperte Martin Kluger über die alten Fugger: "Ausbeutung, skrupellose
Machtpolitik, Menschenhandel und Völkermord."
Damit ist er bei den heutigen Fugger-Mitgliedern unten durch.
(Foto: a3kultur) 

Klugers Klappentext zU seinem Buch "Die Fugger in Augsburg - Geschäfte mit Kirche und KAISER", der die Fugger in Zusammenhang mit Ausbeutung und Völkermord bringt. 


Es gibt dafür mehrere Gründe: Der Fugger-Clan ist stinksauer über Beck und seine Aktion im Fugger-Welser-Museum, wo der die Welser und Fugger als menschenverachtende Sklavenhändler präsentiert und das mit viel Geld hochgehaltene Wohltäter-Image der Fugger, die einst als Fucker in Augsburg ankamen, so stark beschädigt. Also hat Regio-Beck im Sondermagazin der Fugger Hausverbot! Auch wenn sein Verein zum 500-Jahre-Jubiläum noch so viel Sehenswert-Schleim durch die Gegend schleudert.


Der Augsburger Tourismus-Verein und die Stadt Augsburg vergessen zum Jubiläum sämtliche historische Wahrheiten über den Ausbeuter Jakob Fugger der Reiche und seine Mittäter. Durch diverse Schmeicheleien wollen sie sich bei den heutigen Fugger-Nachfahren beliebt machen. 
(Bild: Doku-Shot bei Regio Augsburg Seite)


Gewalt und Völkermord durch die alten Fugger?

Außerdem haben die Fugger sicher zur Kenntnis genommen, dass der Augsburger Tourismus-, Kultur- und Geschichts-Experte Martin Kluger, der für Regio-Tourismus arbeitet, auf seinem aktuellen Buch "Die Fugger in Augsburg" kritisch geschrieben hat: Nicht nur den Glanz, sondern auch das große Elend der alten Fugger-Zeit muss man erkennen, wobei zu den damaligen Fuggern auch  "Gewalt Glaubensstreit, Ausbeutung, Verarmung weiter Teile der Bevölkerung, Standesdünkel und skrupellose Machtpolitik, Menschenhandel und Völkermord" durchaus gehören.

Von einer Fugger-Expertin ist etwas Spöttisches im Internet zu lesen: "Vielleicht sollten Götz Beck und Martin Kluger möglichst bald, wie die Fuggerei-Bewohner, ein paar Gebete für den Jakob Fugger im Fegefeuer sprechen, das könnte ihnen helfen, ihre Beliebtheit bei der Fugger-Familie zu steigern!"


Text: Irene Schmechel

 

Hochwertige Druckgrafik aus Südtirol: „Vom Vinschgau zum Rosengarten“

Jürgen Rammlmair: Auf See“ – Holzschnitt mit 4 Platten und 5 Farben, die die schönen bunten Segel
in den Mittelpunkt stellen.

Jürgen Rammlmair mit seiner Muse bei der Vernissage
in der Buchhandlung am Obstmarkt.



Ausstellung mit Druckgrafiken von Jürgen Rammlmair in der Buchhandlung am Obstmarkt

Von Zeit zu Zeit sind immer wieder hochwertige Ausstellungen in der Buchhandlung zu sehen, zuletzt Illustrationen von Quint Buchholz und Fotografien (mit Brecht-Texten) von Simone Gabriela Bwalya. Jetzt sind Drucke vom Feinsten ausgestellt: Der Südtiroler Jürgen Rammlmair in seiner ersten Ausstellung überhaupt. Rammlmair, geboren 1954 in Bozen, lebt in Bozen und am Ritten. Er war Chefarzt in Sterzing und Brixen, leitender Notarzt und Präsident der Flugrettung Südtirol. 

Seit 2017 ist er in Pension und kann sich nun intensiv seiner Leidenschaft für Druckgrafik widmen. Begonnen hat er damit 1983, mittlerweile verfügt er über eine vollausgestattete Druckwerkstatt mit 2 Pressen, Absauganlage und Säurebädern.

Jürgen Rammlmair: „Gletscherbruch“ – Aquatintaradierung mit extrem feinen Linien: meisterlich!


Die Techniken, mit denen der Künstler druckt, sind vielfältig: Linoldruck, Holzdruck, Tiefdruck; Strichätzung und Aquatinta-Radierung. Und wie er damit druckt! Da kann man einen sehr aufwändigen Holzschnitt sehen, der in 11 Farben mit bis zu 7 Platten nacheinander gedruckt wurde („Am Meer“). Bewundernswert feine Linien und strukturierte Flächen weisen seine Aquatinta-Radierungen auf („Gletscherbruch“), manch ein Linol- oder Holzschnitt wiederum stellt in großzügigen Strichen die Felder menschengemachter Landschaften dar („Bei Lana“, „St. Magdalena“). Die kräftig deckenden Farben tragen zur starken Wirkung der Bilder bei.

Jürgen Rammlmair: „Am Meer“ – extrem aufwändige Drucktechnik:
Holzschnitt mit 7 Platten und 11 Farben!

Simone Bwalya und Kurt Idrizovic stellen in der Buchhandlung am Obstmarkt
den Künstler Jürgen Rammlmair und seine Bilder den Besuchern vor.


Seine Motive findet Rammlmair beim Skibergsteigen und Segeln, sie zeigen Landschaften, Dörfer, Segelboote. Sehr selten sind Menschen zu sehen: In der Ausstellung nur als anonyme Segler auf den Booten. Er fängt atmosphärische Stimmungen ein: Farben, Licht; mal strahlend bunt (Segelboote), mal düstere Nachtszenen; mal meint man Sonnenlicht auf der Haut zu spüren, dann träumt man sich mit ihm im von Mondlicht beschienen Gebirge davon.

Jürgen Rammlmair: „Unter Segel“ – sehr bewegt, und das einzige Bild mit Menschen.


Dabei ist Jürgen Rammlmair, ein sehr bescheidener Mensch, Autodidakt in der Druckkunst. Lediglich zwei mehrtägige Kurse gibt er in seiner Kurzbiografie an.

Eine wunderbare kleine Ausstellung, gehen Sie hin! Vielleicht geht es Ihnen wie der Rezensentin, die sich gleich in mehrere Bilder verliebt hat. Noch bis Ende Juni 2022 in der Buchhandlung am Obstmarkt.


Text: Sabine Sirach
Fotos: Lima423

Wie macht man Antikapitalismus?

Gospodin: Der Künstler schwatzt ihm den Fernseher ab.



„Genannt Gospodin“ von Philipp Löhle auf der Studiobühne im Sensemble


Zu Anfang steht Gospodin tief schlafend da – er hat sich mal wieder aufgeregt, da schläft er immer ein. Am Ende ist von dieser Schlafsucht nichts mehr übrig, er findet die für ihn ideale Lebensweise. Dazwischen entspinnt sich seine Suche nach einem antikapitalistischen System, mit skurrilen Situationen, zugespitzten Dialogen und satirischem Witz.

Gospodin: Alle wollen ihm dreinreden.


Worüber er sich so aufgeregt hat: Greenpeace hat ihm sein Lama weggenommen – Tierschutz. Mit dem Lama sei er aber unabhängig gewesen; er war mit ihm zum Betteln unterwegs. Den Rat seiner Freundin Annette, sich arbeitslos zu melden und Arbeitslosengeld zu kassieren, schlägt er in den Wind: Er will nicht vom kapitalistischen System abhängig sein. Kapitalismus setzt er mit Spießertum gleich: „Ihr seid alle Spießer, und Greenpeace auch!“

Gospodin: Im Kaufrausch.


Seine Freunde plündern ihn nach und nach aus: Sie schwatzen ihm Kühlschrank, Fernseher und Mikrowelle ab, bis seine Wohnung nur noch ein paar Säcke Heu (zum drauf Schlafen) und Pakete mit Werbezeitungen (zum drauf Sitzen) enthält. Seine Mutter hingegen liebt und bewundert ihn, ohne ihn im Mindesten zu verstehen: „Warum sind nicht alle so wie du?“

Gospodin versucht dem System auf verschiedene ausgefallene Arten ein Schnippchen zu schlagen: Er lädt im Supermarkt für über 500 € Lebensmittel in den Wagen und sagt dann an der Kasse, er habe seinen Geldbeutel nicht dabei – er habe überhaupt keinen Geldbeutel. Er regt sich über die unnütze Warenflut auf: Wer braucht schon Milch in drei Fettstufen? Manchmal findet er für sein Anliegen ganz einfache Lösungen: Er geht zur Tauschwirtschaft über; es gelingt ihm, in der Bäckerei sieben Bücher gegen zwei Brote einzutauschen. Wenn ihm das Wort „Bürgersteig“ nicht passt (spießig), sagt er einfach Gehweg.

Er schreibt sein „Dogma“ an die Wand seiner Wohnung:

Nr. 1: Ein Weggang ist auszuschließen.
Nr. 2: Geld darf nicht nötig sein.
Nr. 3: Jedweder Besitz ist abzulehnen.
Nr. 4: Freiheit ist, keine Entscheidung treffen zu müssen.

Als bekannt wird, dass Gospodin viel Geld hat – die Summe steigert sich gerüchteweise von 50.000€ bis zu einer Million -, „kriechen alle vor mir“ und wollen etwas von dem Reichtum abhaben: Die Freundin will ein Auto, die Mutter eine Kreuzfahrt, er soll endlich seine Schulden in der Kneipe bezahlen…

Dabei gehört ihm das Geld gar nicht: Sein Freund Hajo hat es ihm zur Verwahrung in seiner Wohnung gegeben, holt es aber nicht mehr ab. Gospodin versucht verzweifelt, das Geld auf allen möglichen, auch skurrilen Wegen loszuwerden, aber es kommt immer wieder zu ihm zurück.

Gospodin: Will davonlaufen.


Am Ende findet er die Lösung für seine antikapitalistische Lebensweise (welche, sei hier nicht verraten): Alle seine Prinzipien werden erfüllt, er braucht nichts mehr, er ist frei!

In der Regie von Gianna Formicone entfalten die drei Schauspieler mit viel Witz und Spielfreude die Geschichte vom Aussteiger und den Reaktionen seines sozialen Umfelds. Patrick Schlegel als Gospodin wirkt zu Anfang verwirrt und verzweifelt – findet dann aber zu Leichtigkeit und Freiheit. Sehr zart und einfühlsam gespielt! Marina Lötschert und Martin Schülke spielen insgesamt zwölf Rollen – der schnelle Wechsel jeweils mit einem Accessoire oder Kleidungsstück angedeutet. Marina Lötschert mit ihrer starken, völlig überzogenen und dadurch sehr witzigen Mimik, Martin Schülke in polternder Männlichkeit und Kumpelei gegenüber Gospodin.

Gospodin: Hat sich wieder aufgeregt und schläft dann.


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Philipp Löhle (* 1978 in Ravensburg, aufgewachsen in Baden-Baden) ist Dramatiker und Theaterregisseur. Er studierte in Erlangen Geschichte, Theater- und Medienwissenschaften und Germanistik, schon während des Studiums schrieb er seine ersten Stücke. 2006 nahm er eine Stelle als Regieassistent am Theater Baden-Baden an und ging dann mit einem Stipendium an das renommierte Londoner Royal Court Theatre. Zur Spielzeit 2008/09 wurde er Hausautor am Berliner Maxim-Gorki-Theater, seit der Spielzeit 2018/19 ist er Hausautor am Schauspiel des Staatstheaters Nürnberg. Den Durchbruch schaffte Löhle mit Genannt Gospodin, das 2007 am Schauspielhaus Bochum erstmals zur Aufführung kam und mehrere Auszeichnungen erhielt.


Die nächsten Aufführungstermine für Gospodin im Sensemble Theater Augsburg:
25. Mai, 2. und 3., 24. und 25. Juni 2022


Text und Fotos: Sabine Sirach

Wo ist der kühlende Schatten an heißen Tagen?

Kaum ein Schatten für die spielenden Kinder beim Manzu-Brunnen
an heißen Sonntagen. Bäume wurden abgesägt. Jetzt ein Pflaster-Meer.


In Augsburg ist Pflaster wichtiger als das Grün von Bäumen. Das wissen wir seit dem Stadtbaumeister Gerd Merkle, der jetzt als "Arbeitstier" hingestellt wird. Wo sind die Bäume am Manzu-Brunnen geblieben, die einst an heißen Sommertagen den Entspannungs-Suchenden ein schattiges Plätzchen gönnten? Die Bäume sind weg, das Pflaster ist dort und wird heiß. Wobei noch zu bemerken ist, dass dieses billige graue Pflaster, immer mehr verschmutzt und Augsburgs Stadtmitte leider zu einem eintönigen und langweiligen Stadtzentrum verwandelt hat. Kein Ort, der Besucher anlocken kann. 


Kommentar: K.K.

Manzu-Brunnen: früher ein Platz mit erfrischendem Schatten durch Bäume.
Dieser kleine Manzu-Park am Augsburger Königsplatz wurde mit viel Geld vernichtet.

John-Watts-Konzert im Spectrum: Blutroter Himmel über London

John Watts und seine Gitarre.

Fetzige und sozialkritische
Musik vom Energiebündel
John Watts

„Fischer-Z Solo“ im Spectrum


Über zwei Stunden rockte John Watts ganz allein auf der Bühne im Augsburger Spectrum. Er und seine Gitarre brauchen gar keine Band, um die Musik des legendären Albums „Red Skies over Paradise“ von 1981 wieder aufleben zu lassen! Mit schlappen 68 Jahren ist er immer noch ein einziges Energiebündel. Seine Stimme ist etwas tiefer als früher, und sein berühmter Falsett-Gesang weicht größtenteils einem Rock-Röhren. Er hat sichtbar Spaß an der Musik und mit dem Publikum („You´re a fantastic audience!“) – das begeistert alle Songs mitsingen kann.

Watts hat 32 Alben produziert, seit er 1979 die erste Platte („Word Salad“) mit der Band Fischer-Z herausbrachte. Damals fand sich auf drei Alben eine Mischung aus New Wave, Punk, Ska und Reggae, mit Protestsongs und auch mal Texten aus der Psychiatrie (Watts hat klinische Psychologie studiert). Die erfolgreichste Platte war 1981 „Red Skies over Paradise“ mit den Hit-Singles „Berlin“ und „Marliese“ (Anekdote am Rande: Die Popularität dieses Liedes in den Niederlanden führte dazu, dass Marliese dort zu einem sehr beliebten Mädchennamen wurde – immer wieder wird Watts nach Konzerten von einer Marliese angesprochen!), aber auch einigen politischen Anti-Kriegs- und Anti-Thatcher-Songs.


Man merkt ihm an, wie wichtig ihm seine engagierten Texte sind …
… und dass ihm das Konzert viel Freude macht: Immer wieder schmunzelt John Watts.

 Und dieses Album stand im Mittelpunkt seines „Celebration Tour“-Konzerts diese Woche im Spectrum, er spielte in der ersten Hälfte zum ersten Mal alle Songs des Albums – das er jetzt übrigens als „Berlin Sessions“ neu aufgenommen hat. Auch sein neues Album 'Til The Oceans Overflow' knüpft daran an: Es spielt wieder in Berlin und kontrastiert die persönlichen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen zwischen 1980 und 2020. Befragt, was ihn denn so eng mit Berlin verbindet, erwähnt er musikalische Wurzeln, insbesondere das Musical Cabaret mit seiner Atmosphäre der 1920er/30er-Jahre. Geprägt habe ihn aber das West-Berlin der späten 70er und frühen 80er – die Insellage, die extreme Haltungen hervorbrachte und den Kalten Krieg wie im Brennglas konzentrierte.

Seine Songtexte, samt der Musik alle von John Watts selber geschrieben, sind politisch und sozial engagiert. Auf der „Red Skies over Paradise“ sind es gerade die Lieder „Batallions of Strangers“, „Cruise-Missiles“ und „Song and Dance Brigade“, die die Bedrohung durch Krieg und Atomwaffen zum Inhalt haben und in der heutigen brenzligen Situation des Ukraine-Krieges leider wieder sehr aktuell sind. „Multinationals Bite“ lässt sich 1:1 auf die Oligarchen übertragen, und der Titelsong „Red Skies over Paradise“ imaginiert den blutroten Himmel über London nach einem Angriff. Aber auch sehr zarte, liebevolle Songs sind dabei: „You´ll Never find Brian Here“ beispielsweise thematisiert das Innenleben eines traumatisierten autistischen Jungen, den Watts eine Zeit lang bei sich aufnahm. Oder „Wristcutter´s Lullaby“, das die Schuldgefühle des Freundes eines Selbstmörders eindringlich nachvollziehbar macht.

Da lang zum Merchandising!



Nach der Pause bringt Watts eine Auswahl von Songs anderer Alben – gewünscht vom Publikum. Darunter einige, bei denen die Besucher wieder die Texte auswendig können: „The Worker“, „Destination Paradise“, „Tight Rope“ oder „So Long“. Beim einen oder anderen flicht er kurze Erläuterungen ein: „So Long“ habe er 1979 über die Trennung von seiner ersten Frau geschrieben. An „The Perfect Day“, dem erfolgreichsten Lied von Fischer-Z, habe er zwei Jahre lang geschrieben. „I Smelt Roses in the Underground“ gehe auf eine Zufalls-Begegnung mit der Schriftstellerin Edna O´Brien in der Londoner U-Bahn zurück: „Will You Be There?“, sei über Nelson Mandela. Die Zugabe „Room Service“ mokiert sich über die Behandlung chinesischer Hotel-Zimmermädchen durch arabische Geschäftsleute, und das letzte Lied des Abends, „Further From Love“, stellt wieder den Krieg aus Sicht der Opfer dar. Auch eine Anekdote über Peter Gabriel und Sinead O´Connor im Studio gibt er zum Besten; zwischendurch informiert er über den Zwischenstand im Fußballspiel Liverpool:Southhampton (1:0), das er mit dem Knopf im rechten Ohr hört. Und er scherzt über den Unterschied zwischen einem Superstar und ihm selbst: „Sting makes songs about girls and is hugely successful – I make songs about missiles and Russians, and look where I am!“

Viel Andrang gab es nach dem Konzert, weil …
… John Watts lange seine Alben und T-Shirts signierte, und immer
für ein kurzes Schwätzchen zu haben war.


Wie John Watts im Interview betont, geben seine Songtexte nicht immer seine eigenen Meinungen und Gefühle wieder, Einfühlung in andere Menschen („Brian“), dramatische Szenerien („The Writer“) und auch Ironie („Bathroom Scenario“) spielen eine große Rolle. Im Übrigen habe er sich während des Kalten Krieges sicherer gefühlt als heute! Auf die Frage, welche Kunstform ihm die wichtigste sei – immerhin ist er auch als Dichter, Buchautor, Multimedia-Künstler und im Filmbereich unterwegs –, antwortet er sehr klar: Songwriting! Es sei für ihn die komplexeste und deshalb interessanteste Ausdrucksform, weil hier Text und Musik immer zusammenpassen müssen. Sein persönliches Lieblingsalbum sei übrigens das Soloalbum „Thirteen Stories High“.

Mit der Musik angefangen hat John Watts bereits mit 15 Jahren, damals als Drummer. Er stammt aus einer musikalischen Familie („All my family were singers“): heute lebt er mit seiner Frau und fünf Kindern in Brighton. Fischer-Z als Band in der ursprünglichen Besetzung hatte er schon 1981 aufgelöst, weil sie sich von seinen Idealen als Punk-Band zu weit entfernt hatte. Danach wurde ihm allerdings vorgeworfen, sich zu sehr dem Mainstream-Pop angenähert zu haben. 1987 gründete er die Band in neuer Besetzung und gab immer wieder neue Alben heraus, entweder solo oder unter dem Bandnamen. Im Laufe seiner musikalischen Arbeit hat er immer wieder mit den ganz Großen zusammengearbeitet: mit Peter Gabriel (“what a hugely nice person!”), James Brown, The Police und den Dire Straits.


Nach dem Konzert nahm sich John Watts viel Zeit, um CDs, Vinylplatten und T-Shirts zu signieren, und mit den Zuhörern zu sprechen – was beide Seiten sehr genossen!


Text, Interview, Video und Fotos: Sabine Sirach

Liebesgedichte an der Wertach: Helmut "Jean Paul" Meyer ist verstorben!

 

Helmut Meyer lacht gemeinsam mit dem Augsburger Literatur-Professeror Helmut Koopmann im Goldenen Saal bei der Verleihung des Brecht-Preises. Hier ist zu erkennen, mit welcher Unbändigkeit Jean Paul sein Leben genoss.


Helmut Meyer, den viele in Augsburg unter seinem Künstlernamen "Jean Paul" kannten, schrieb viele Gedichte, Geschichten und Novellen. Oft ironisch, satirisch und manchmal auch knallhart politisch. Heute früh haben wir uns noch über ihn unterhalten. Über seine wilden Eskapaden und das Theaterstück "Trumpelstilzchen", das er geschrieben hat und Arno Loeb als Regisseur mit Heinz Schulan in der Projektschmiede aufführen durfte.

Seine letzten Tage waren erfüllt mit viel Liebe und Lebenslust, mit einer Freundin.

Der Autor Helmut Meyer war auf jeden Fall einer der originellsten und kreativsten Menschen in Augsburg.

Auf einem Foto lacht Helmut Meyer gemeinsam mit dem Augsburger Literatur-Professeror Helmut Koopmann im Goldenen Saal bei der Verleihung des Brecht-Preises.

Pressefoto mit Helmut Meyer für sein Theaterstück "Trumpelstilzchen".

Helmut Meyer beim Lesen.

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Hier liest Helmut Meyer zwei Liebesgedichte an der Wertach.



Liebesgedicht für die Liebe meines Lebens
Für Minouche

Für mich bist du das Glück Minouche
Das einzig Stückchen Erde 
Dein Brombeermund braucht wenig Rouge 
Er ist das grosse Werden 
All meine Herbste frisst du auf 
Spitzbrüstiger Gepard 
Dein flitzend-schlanker Amoklauf 
Zerreisst mein Herz apart 
In deinen Lefzen häng ich munter 
Und zucke noch vor frischem Blut 
In deinem Blicke geh ich unter 
Der zärtlich wie ein Schilfsee ruht 
Gelassen trägst du mich dann fort 
Ins Schlaflied der Savannen 
Und nicht das allerstillste Wort 
Kann diese Liebe bannen

 (Jean Paul Meyer)

Pop-Literatur-Preis erstmals vergeben: Ein ganz spezieller Held! Gewinner wurde Alard von Kittlitz

Die Pop-Preis-Jury Katrin Montiegel, Eckhart Nickel, Polina Lapkovskaja, Dr. Franziska Diller
und Dr. Stefan Bronner.
 


Im Augsburger Hotel "Maximilians" wurde erstmals ein Preis für das beste Pop-Literatur-Buch vergeben. Gestiftet vom Augsburger Literaturhaus. Eine rege Literatur-Gruppe zwischen Lech und Wertach, die aber noch kein passendes Haus für seine Aktivitäten besitzt. Daher gastierte man im Hotel "Maximilians" zur Preisverleihung.

Also, der Abend im Maximilians war laaang. Das Essen war hervorragend, die Getränke leider etwas überteuert (Glas Weißwein 9,50 €!). Nach einer ausführlichen Ansprache mit Vorstellung aller Anwesenden, den Sponsoren, dem Chefkoch und den Jurymitgliedern gab es eine wohltuende Pause, um das Buffet zu stürmen. Die winzigen Portionen waren reichlich vorhanden und schmeckten vorzüglich, es wurde schließlich mit Simon Lang von einem Michelin-Stern-Koch zubereitet.

Zum Start dieses neuen Literatur-Preises teilte das Literaturhaus Augsburg mit:
Popliteratur, yes, but NEW!
Wie sieht Popliteratur heute aus? Wir wissen es nicht genau und das ist das Spannende!

Warum brauchen wir Popliteratur mehr denn je?POP ist ein Lebensgefühl: POP weiß um den Zustand der Welt. Er setzt ihr ein „Wir sind hier!“ entgegen. „Trotz allem!“
POP beschäftigt sich grundlegend mit universellen gesellschaftlichen Themen – Bildern, Gefühlen, Gedanken und Rückschlüssen. Nur nicht so offensichtlich.

POP bedeutet Kritik an den bestehenden Verhältnissen!
POP hat emotionale und intellektuelle Sprengkraft!
POP ist trotzig und lässt sich nicht mobilisieren!
POP ist die schönste Form der Ernsthaftigkeit!
POP ist die schrägste Form des Konservatismus!
POP hat Charme & Stil! Pop ist Können und Komposition!
POP ist nicht moralistisch, sondern moralisch!
POP bedeutet fame. Und den braucht deutsche Literatur heute dringend!

Wir suchen Texte, die viele unterschiedliche Menschen ansprechen, stilistisch schillernde Wege gehen,
subversiv sind (Kritik kann auch affirmativ daherkommen!), knallen und den magic pull haben, chic sind.

Mit diesem literarischen Filter ausgewählt kamen alle 3 Finalistinnen für den "Deutschen Popliteraturpreis für Magic, Pop und Ewigkeit" jeweils mit einem kurzen Gespräch und einer Lesung zu Wort.


Mithu Sanyal mit "Identitti" eine der Finalistinnen, wurde per Video zugeschaltet, und war sehr unterhaltsam. Zwischendurch trug sie ein Vulvahütchen. Der Roman "Identität" ist in vielen Medien bereits ausreichend besprochen worden und sehr populär: Was für ein Skandal: Professorin Saraswati ist WEISS, mehr sag' ich nicht. Die sehr unterhaltsam geschriebene Story über Identität in heutigen Zeiten.


Anais Meier war mit dem Roman "Mit einem Fuß draußen", die 2. Finalistin für den Pop-Literaturpreis 2022. Ihr Protagonist Gerhard ist ein selbst ernannter Kommissar, ein schrulliger und eigenwilliger Erzähler in ihrem Debütroman. Gerhard sieht einen Fuß im See seines geliebten Parks, der seine Welt bedeutet, denn nur dort kann er Kontakt zum Universum aufnehmen. Und nur dort trifft er auch auf Gleichgesinnte, mittel- und perspektivlose Einzelgänger wie er.

 
Alard von Kittlitz mit "Sonder", der 3. Finalist, trug ein weißes, weites Hemd mit schlichtem Schnitt, erinnerte dabei ein wenig an die Bert-Brecht-Kluft. Er las in einem sonoren Ton aus seinem Roman, was sehr berührend und beruhigend wirkte. Alard von Kittlitz schreibt in seinem Roman " Sonder" über Siebert, seinen Helden, den man vor sich selbst warnen möchte. Ein grandioser Trip mit hochwertiger Satire, erzählerischem Feingefühl über Liebe und Existenzphilosophie. 
Der Verlag lobt "Sonder": "Der Roman der Gegenwart: Über die Sehnsucht aller Menschen nach dem Like. Peter Sieberts perfekte Fassade täuscht. Der begehrte Produktdesigner weiß nicht, wer er ist oder was er will. Bis er unversehens den Auftrag seines Lebens landet. Die abenteuerliche Reise, auf die er sich dafür begeben muss, führt ihn in ein Gespinst aus Intrige, Macht und Begehren und lässt ihn die Leben der seltsamsten Menschen berühren."

Alard von Kittlitz ist aufgewachsen in Indien, Äthiopien und Deutschland. Er hat Philosophie und Geschichte studiert und wurde Journalist. Seine Laufbahn begann im Jahr 2009 bei der FAZ, wo er später Redakteur im Politikressort war. Im Jahr 2013 wechselte er zu NEON und ist seit November 2015 bei der Zeit.

Nach einem ausgiebigen Literatur-Abend von zweieinhalb Stunden, erhielt der Autor und Journalist Alard von Kittlitz den mit 3.000 Euro dotierten Preis für Deutsche Popliteratur 2022 in Augsburg. Der Abend klang mit einigen Gesprächen aus und wir gingen erschöpft nach Haus. 

Gewinner des ersten Augsburger Popliteratur-Preis: Alard von Kittlitz.



Die offizielle Vertretung des Literaturhaus Augsburg bestand aus
Dr. Stefan Brenner
Dr. Franziska Diller
Katrin Meyer

Jury: Lina Lapkovskaja, Alexa Hennig von Lange (nicht anwesend) und Eckhart Nickel, Katrin Montiegel und Franziska Diller.

Zusätzlich: Prof. Heinz Drügh von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main führte ein Gespräch mit den anwesenden Jurymitgliedern zum Thema, was ist eigentlich Popliteratur? „Popverdacht als Kriterium literarischer Preiswürdigkeit – interessante Ausnahme von der Regel. Gegenwartscheck bestanden. In Augsburg muss sich zeigen, dass die Zukunft der Literatur weiterhin popförmig ist“, verkündete Drügh vorab.

Dr. Stefan Brenner verkündet zum Schluss noch, wie es mit dem Pop-Literatur-Preis weitergehen soll: Der Preis soll aufgestockt und von nun an alle zwei Jahre in Augsburg verliehen werden."

Fazit: Popliteratur darf alles, jedoch kann sie nicht alles, aber unterhaltsam ist sie allemal.










Text und Fotos: Simone von Aue

Hier mehr Information zum Augsburger Literaturhaus.
Einen Film mit Alard von Kittlitz und sein Buch "Sonder" können wir hier sehen.

Wer ist Dr. Stefan Brenner vom Literaturhaus Augsburg. Hier sehen Sie ein Interview mit auxlitera.