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| Da weint der Baum ... |
Die Augsburger Baum-Allianz berichtet:
Offener Brief an die Oberbürgermeisterin Frau Weber – Aktueller Städte-Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe.
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Weber,
Europa erlebt die schnellste Erwärmung weltweit – mit gravierenden Folgen für Städte, wie der aktuelle Städte-Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe zeigt. Von insgesamt 190 untersuchten deutschen Städten liegt Augsburg mit einem HBI (Hitzebetroffenheitsindex) an 22igster Stelle mit einer Versiegelung von über 50 Prozent seiner Fläche und hat daher auch eine Rote Karte erhalten. Dieses Ergebnis ist für die Stadt Augsburg und seinen Umweltreferenten beschämend, und wir gehen davon aus, dass dies auch nicht in Ihrem Sinne sein kann.
Beton, Asphalt und fehlendes Grün führen dazu, dass Städte sich im Sommer gefährlich aufheizen. Wenn wir unsere städtischen Lebensräume erhalten wollen, sind endlich mutige und konsequent gegangene Schritte erforderlich. Wir fordern daher von Ihnen und der Verwaltung: Setzen Sie endlich umfassende Maßnahmen um. Es braucht dringend mehr Bäume, mehr Grün und eine klimaaktive Infrastruktur mit Speicherkapazitäten für Wasser und Kühleffekte. Allein im Straßenbegleitgrün wurden in den letzten 20-30 Jahren Tausende von Bäumen nicht nachgepflanzt.
1. Bäume schützen, Grün ausbauen, entsiegeln – Kühlung und Schutz vor Extremwetter
Grünflächen und Bäume sind unsere stärksten Verbündeten im Kampf gegen die immer häufiger auftretenden Hitzewellen und Starkregenereignisse. Gerade große, alte Bäume müssen dringend erhalten werden. Abgegangene sofort nachgepflanzt und zudem an allen möglichen Plätzen zusätzliche Bäume neu gepflanzt werden. Es ist spätestens jetzt an der Zeit, mehr Platz für Grün zu schaffen, ungenutzte Flächen zu entsiegeln, bestehende Grünflächen aufzuwerten und neue zu schaffen. Das Verlegen von Glasfaser- oder Wärmeleitungen und andere Tiefbauarbeiten bietet immer auch Gelegenheiten, Flächen von Asphalt zu befreien. Auch die Möglichkeit, öffentliche Parkplätze im Zentrum umzuwidmen und dort stattdessen einen Baum zu pflanzen, besteht jederzeit, man muss es nur tun. Nutzen Sie diese Möglichkeiten und gehen Sie jetzt voran, um unsere Stadt widerstandsfähiger gegenüber Klimaveränderungen zu machen und gleichzeitig die Lebensqualität und Biodiversität zu fördern.
2. „Schwammstadt“ jetzt umsetzen – Regenwasser speichern statt ableiten
Das Ziel muss die „Schwammstadt“ sein. Statt Regenwasser unkontrolliert in die Kanalisation abzuleiten, müssen wir es speichern und für die Kühlung unserer Stadt nutzen. Neubauten und Infrastrukturprojekte müssen dieses Prinzip zwingend integrieren. Wir fordern, dass die Stadt sofort damit beginnt, bei allen Neubauten und Sanierungen die Speicherung von Regenwasser vorzuschreiben. Dieses Prinzip schützt uns nicht nur vor Überschwemmungen, sondern trägt auch aktiv zur Kühlung in Zeiten extremer Hitze bei.
3. Klimafeste Stadtplanung – Handeln Sie jetzt!
Unsere Stadtentwicklung hinkt weit hinter den bestehenden und sich weiter verschärfenden klimatischen Realitäten zurück. Klimaschutz und Klimaanpassung müssen bei allen Bauvorhaben, auch bei denen im Bestand, eine zentrale Rolle spielen. Wohnraum schaffen – ja, aber mit den entsprechenden, verbindlichen Maßnahmen. Die Nachverdichtung bietet neben der Schaffung von Wohnraum auch die Möglichkeit, mehr Grün mitzudenken. Bei Neubau und im Bestand sollte so gebaut werden, dass die bereits vorhandenen Bäume, die unter der Baumschutzverordnung stehen, nicht gefällt, sondern in die Planung miteinbezogen und bewahrt werden müssen. Ist dies nicht möglich muss mindestens im Verhältnis 1:3 nachgepflanzt werden. Doch wo bleiben diesbezüglich die verbindlichen Rahmenbedingungen und Vorgaben für mehr Klimaanpassung? Diese werden bislang weder mitgedacht noch umgesetzt, wie sich an den letzten Beispielen „Paradiesgarten“ in der Frischstraße und „Joe Peña‘s“ in der Müllerstraße 19 zeigt.
Da sind andere große Städte und auch viele kleinere Kommunen bereits viel weiter, wie der Hitzecheck der DUH zeigt. Diese unternehmen damit bereits jetzt Maßnahmen für eine höhere Umwelt- und Lebensqualität und stellen dafür jährlich immer mehr finanzielle Mittel in ihrem Haushalt bereit. 4. Renaturierung von Gewässern – Hochwasserschutz und Artenvielfalt fördern Kommunen müssen mehr Flächengerechtigkeit und mehr Platz für blau-grüne Infrastruktur schaffen. In den Stadtquartieren müssen dafür dringend Flächen entsiegelt und vorhandene Grünflächen qualifiziert, neue, zusätzliche geschaffen werden. Innerstädtische Gewässer müssen so renaturiert werden, dass ihre Funktionen für den Hochwasserschutz, als Naturerlebnisräume und als Lebensraum und Wanderkorridor für die Artenvielfalt wiederhergestellt werden.
Sehr geehrte Frau Weber, wir stehen vor einer der größten Herausforderungen unserer Zeit. Mit enormem Aufwand und Steuergeldeinsatz wurden unsere Städte und Gemeinden einst für den Autoverkehr umgebaut. Spätestens jetzt brauchen wir mehr Platz für Mensch und Natur, und verantwortungsbewusste Politiker, die sich mit aller Kraft dafür einsetzen. Wir hoffen sehr, dass Sie unserem Aufruf folgen. Die vielen Labels wie: Blue City, City of Trees, Schwammstadt, etc. und die Zielsetzung, bis 2035 Klimastadt zu werden, sind Lippenbekenntnisse, bzw. Greenwashing, solange ihnen keine konkreten Maßnahmen und Projekte folgen. Verhindern Sie, dass die Stadt Augsburg die CO2-Vorgaben der EU und der Bundesrepublik Deutschland reißt. Stoppen Sie die Versiegelung jetzt! Schützen Sie die Augsburger Bürger vor den zunehmenden Klimakatastrophen und machen Sie unsere Stadt zur Vorreiterin im Bereich Klimaanpassung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Heike Fischer & Christian Ohlenroth
im Namen des Vorstands
der Baumallianz Augsburg e.V.
| Augsburg bekommt den Hitze-Schock. |
Antwort auf diesen offenen Brief kommt vom Augsburger Umweltreferenten Rainer Erben:
Offener Brief: Handlungsbedarf Klimaanpassung/Hitzecheck DUH;
Ihr Schreiben vom 02.07.2025
Sehr geehrte Frau Dr. Fischer, sehr geehrter Herr Ohlenroth,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Die Oberbürgermeisterin hat mich als Umweltreferent gebeten, Ihnen zu den genannten Thematiken - auch in Abstimmung mit dem Baureferat - zu antworten und eine Einordnung vorzunehmen. Wie Sie wissen, hat jede Stadt in Deutschland spezifische Vorbedingungen aber auch Herangehensweisen, um mit aktuellen Herausforderungen umzugehen. Ein wichtiges Element ist dabei die demokratische Diskussion in und mit der Stadtgesellschaft, um Lösungen für Probleme, die gemeinschaftlich getragen werden, zu erarbeiten. Ich denke, wir haben hier in Augsburg eine gute demokratische Diskussion und Informationspolitik, um mit den verschiedenen vor Ort aktiven Verbänden, Vereinen (so auch mit der Baumallianz zuletzt mit der Einbindung beim Runden Tisch Baumpflege) und Einzelpersonen im Gespräch zu sein und zu bleiben. Das ist uns als Stadtregierung aber auch mir als Umweltreferent der Stadt Augsburg besonders wichtig.
Der Hitzecheck der DUH, mit einer verbesserten Methodik gegenüber 2024, und das Abschneiden der Stadt Augsburg sind uns bekannt. Im Hitzecheck 2024 wurden nur die Versiegelung und das Grünvolumen in die Betrachtung einbezogen, 2025 wurden diese Daten ergänzt durch die Oberflächentemperatur und die Einwohnerverteilung nach Hitzebetroffenheit. Die Methodik des Hitzechecks der DUH wurde zwar überarbeitet, berücksichtigt aber viele weitere spezifische Details einer Stadt nicht ausreichend, so dass eine Vergleichbarkeit der Städte im Bundesgebiet nicht gegeben ist. Stadt Augsburg, Die stadtklimatische Situation in Augsburg ist entgegen Ihrer Darstellung nicht meiner politischen Arbeit in dieser und der vorhergehenden Legislaturperiode zuzuschreiben ist, sondern hat – wie Sie sicherlich wissen - multiple Ursachen.
Einen großen Einfluss auf die Hitzebelastung haben unsere 2.000-jährige Stadtgeschichte, aber auch Weichenstellungen in der Stadtentwicklung, die zunehmende technologische Entwicklung (neben den klassischen Versorgungsleitungen für die Wasserver- und -entsorgung, Strom, Gas und Telefon werden immer mehr Flächen durch Glasfaser-, Fernwärme- und andere Leitungen und deren Abstandsflächen in den Verkehrsräumen in Anspruch genommen) und nicht zuletzt die zunehmende Bedeutung von Flächen für den stehenden / fließenden Verkehr aber auch Wohnungen und Geschäftsgebäude.
In der Stadtverwaltung hat bereits recht früh eine Sensibilisierung für die Themen Klimaschutz und Klimawandelanpassung eingesetzt. Augsburg verfügt über verschiedene Gutachten / Strategien (z.B. Stadtklimaanalyse Stadtklimaanalyse für Augsburg, KASA I und II , Hitzeaktionsplan Klimaanpassung), welche bei noch nicht allen Kommunen vorliegen, und kann nun zielgerichtet in die Umsetzung gehen, da die Maßnahmen auch eine Priorisierung erfahren haben.
Die Bemühungen, Klimaanpassung im Bestand vorzunehmen ist kosten- und personalintensiv. Dies zeigt aktuell beispielsweise das Projekt „Smartes Stadtgrün für ein klimaresilientes Augsburg (SMSA)“, in dessen Rahmen wir u.a. Baumstandorte in der Innenstadt identifizieren, aufwerten und herstellen – und übrigens, wie in der Pilgerhausstr., dafür auch Parkplätze zurückbauen. Dieses Projekt ist eines der Beispiele, wie wir mit Projekten, die bundesweite Aufmerksamkeit generieren, vorangehen. Das Projekt wurde in öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt.
Zu den Forderungen unter 1. (Bäume schützen, Grün ausbauen, entsiegeln) äußerten sich städtische Vertreter in der Vergangenheit verschiedentlich gegenüber Ihrem Verein bzw. Mitgliedern schriftlich und in Gesprächen. Beispielhaft gehe ich an dieser Stelle daher nur auf zwei Punkte ein. In Grünanlagen wird grundsätzlich in der darauffolgenden Pflanzsaison - nach Verbesserung des Baumstandortes – nachgepflanzt oder gezielt natürlicher Jungwuchs von Bäumen ganz im Sinne der Biodiversität gefördert. Im Straßenbegleitgrün kann es auch längere Verzögerungen geben, da dem Amt für Grünordnung in der Regel bekannt ist, wo seitens des Mobilitäts- und Tiefbauamtes Maßnahmen geplant sind. Um einen wirtschaftlichen Einsatz städtischer Mittel sicher zu stellen, wird 3/6 mit den Nachpflanzungen gewartet, bis Maßnahmen im Straßenbau erfolgt sind oder der Standort für neue Bäume nachhaltig bepflanzt werden kann. Aber nicht nur wirtschaftliche Gründe sprechen dafür, so zu handeln, auch verhindern wir dadurch, dass die Bäume während der Baumaßnahmen Schäden davontragen, und können ihnen einen bestmöglichen Start geben.
Die Notwendigkeit der Anwendung von Schwammstadt-Elementen (Punkt 2) wird im KlimawandelAnpassungskonzept (KASA) nicht nur durch die Maßnahme „Schwammstadt“ adressiert, sondern durch weitere KASA-Maßnahmen, bei denen es um Entsiegelung und Begrünung geht. Hierzu gehören z.B. auch die „Klimaoasen“ welche im Zuge des Projektes „Smartes Stadtgrün für ein klimaresilientes Augsburg“ (SMSA) an der Bürgermeister-Miehle-Straße und an den Ladehöfen umgesetzt werden. Rückhalt und Verdunstung von Regenwasser wird so weit wie möglich bei städtischen Neubau- und Sanierungsvorhaben auf öffentlichen Flächen berücksichtigt, wie z.B. in den aktuellen Planungen der Hofackerstraße. Hierbei ist zu bemerken, dass im Bestand Restriktionen wie vorhandene Sparten und häufig beengte Platzverhältnisse bestehen. Zugleich bedeuten SchwammstadtElemente meist höhere Kosten bei Herstellung und Unterhalt. Wenn diese Elemente standardmäßig bei allen Vorhaben auf Verkehrsflächen eingebaut werden sollen, müssen der Verwaltung entsprechende finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung gestellt werden.
Die in diesem Jahr aktualisierten Standardfestsetzungen zur Grünordnung in Bebauungsplänen sehen unter anderem als Standardtiefe für die Mindestüberdeckung 100 cm vor, was in aktuellen Bebauungsplänen so auch festgesetzt wird. Sie bietet damit im Vergleich zu älteren Bebauungsplänen vor einigen Jahren (z.T. nur 60 cm) ein deutlich höheres Volumen für Wurzelraum und zur Wasserspeicherung. In einigen aktuell in Erstellung befindlichen Bebauungsplänen ist zudem vorgesehen, dass über Tiefgaragen die Mindesthöhe der Substratüberdeckung etwas reduziert werden kann, wenn dafür auf der Tiefgaragendecke eine Retentionsdach eingebaut wird. Das Ziel ist es, Anreize für Investoren zu bieten, für eine höhere Wasserspeicherung und eine verbesserte Wasserverfügbar der Vegetation über der Tiefgarage zu sorgen.
In einigen aktuellen stadtplanerischen Projekten werden zudem gesonderte Regenwassermanagementkonzepte erstellt, welche auch Starkregenereignisse berücksichtigen. Beispiele hierfür sind die Wohnbauentwicklung Berliner Allee oder Bebauungsplan Nr. 291 „Nördlich des Kleiberweges und der Rossinistraße“ in Bergheim. Im vergangenen Jahr wurde zudem der Leitfaden „Klima und Stadtplanung Augsburg“ beschlossen, welcher der Verwaltung und externen Planungsbüros als Arbeitshilfe dient. In diesem sind u.a. die Themenbereiche Regenwassermanagement und Stadtklimatologie ausführlich enthalten.
vielen Dank für Ihr Schreiben. Die Oberbürgermeisterin hat mich als Umweltreferent gebeten, Ihnen zu den genannten Thematiken - auch in Abstimmung mit dem Baureferat - zu antworten und eine Einordnung vorzunehmen. Wie Sie wissen, hat jede Stadt in Deutschland spezifische Vorbedingungen aber auch Herangehensweisen, um mit aktuellen Herausforderungen umzugehen. Ein wichtiges Element ist dabei die demokratische Diskussion in und mit der Stadtgesellschaft, um Lösungen für Probleme, die gemeinschaftlich getragen werden, zu erarbeiten. Ich denke, wir haben hier in Augsburg eine gute demokratische Diskussion und Informationspolitik, um mit den verschiedenen vor Ort aktiven Verbänden, Vereinen (so auch mit der Baumallianz zuletzt mit der Einbindung beim Runden Tisch Baumpflege) und Einzelpersonen im Gespräch zu sein und zu bleiben. Das ist uns als Stadtregierung aber auch mir als Umweltreferent der Stadt Augsburg besonders wichtig.
Der Hitzecheck der DUH, mit einer verbesserten Methodik gegenüber 2024, und das Abschneiden der Stadt Augsburg sind uns bekannt. Im Hitzecheck 2024 wurden nur die Versiegelung und das Grünvolumen in die Betrachtung einbezogen, 2025 wurden diese Daten ergänzt durch die Oberflächentemperatur und die Einwohnerverteilung nach Hitzebetroffenheit. Die Methodik des Hitzechecks der DUH wurde zwar überarbeitet, berücksichtigt aber viele weitere spezifische Details einer Stadt nicht ausreichend, so dass eine Vergleichbarkeit der Städte im Bundesgebiet nicht gegeben ist. Stadt Augsburg, Die stadtklimatische Situation in Augsburg ist entgegen Ihrer Darstellung nicht meiner politischen Arbeit in dieser und der vorhergehenden Legislaturperiode zuzuschreiben ist, sondern hat – wie Sie sicherlich wissen - multiple Ursachen.
Einen großen Einfluss auf die Hitzebelastung haben unsere 2.000-jährige Stadtgeschichte, aber auch Weichenstellungen in der Stadtentwicklung, die zunehmende technologische Entwicklung (neben den klassischen Versorgungsleitungen für die Wasserver- und -entsorgung, Strom, Gas und Telefon werden immer mehr Flächen durch Glasfaser-, Fernwärme- und andere Leitungen und deren Abstandsflächen in den Verkehrsräumen in Anspruch genommen) und nicht zuletzt die zunehmende Bedeutung von Flächen für den stehenden / fließenden Verkehr aber auch Wohnungen und Geschäftsgebäude.
In der Stadtverwaltung hat bereits recht früh eine Sensibilisierung für die Themen Klimaschutz und Klimawandelanpassung eingesetzt. Augsburg verfügt über verschiedene Gutachten / Strategien (z.B. Stadtklimaanalyse Stadtklimaanalyse für Augsburg, KASA I und II , Hitzeaktionsplan Klimaanpassung), welche bei noch nicht allen Kommunen vorliegen, und kann nun zielgerichtet in die Umsetzung gehen, da die Maßnahmen auch eine Priorisierung erfahren haben.
Die Bemühungen, Klimaanpassung im Bestand vorzunehmen ist kosten- und personalintensiv. Dies zeigt aktuell beispielsweise das Projekt „Smartes Stadtgrün für ein klimaresilientes Augsburg (SMSA)“, in dessen Rahmen wir u.a. Baumstandorte in der Innenstadt identifizieren, aufwerten und herstellen – und übrigens, wie in der Pilgerhausstr., dafür auch Parkplätze zurückbauen. Dieses Projekt ist eines der Beispiele, wie wir mit Projekten, die bundesweite Aufmerksamkeit generieren, vorangehen. Das Projekt wurde in öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt.
Zu den Forderungen unter 1. (Bäume schützen, Grün ausbauen, entsiegeln) äußerten sich städtische Vertreter in der Vergangenheit verschiedentlich gegenüber Ihrem Verein bzw. Mitgliedern schriftlich und in Gesprächen. Beispielhaft gehe ich an dieser Stelle daher nur auf zwei Punkte ein. In Grünanlagen wird grundsätzlich in der darauffolgenden Pflanzsaison - nach Verbesserung des Baumstandortes – nachgepflanzt oder gezielt natürlicher Jungwuchs von Bäumen ganz im Sinne der Biodiversität gefördert. Im Straßenbegleitgrün kann es auch längere Verzögerungen geben, da dem Amt für Grünordnung in der Regel bekannt ist, wo seitens des Mobilitäts- und Tiefbauamtes Maßnahmen geplant sind. Um einen wirtschaftlichen Einsatz städtischer Mittel sicher zu stellen, wird 3/6 mit den Nachpflanzungen gewartet, bis Maßnahmen im Straßenbau erfolgt sind oder der Standort für neue Bäume nachhaltig bepflanzt werden kann. Aber nicht nur wirtschaftliche Gründe sprechen dafür, so zu handeln, auch verhindern wir dadurch, dass die Bäume während der Baumaßnahmen Schäden davontragen, und können ihnen einen bestmöglichen Start geben.
Die Notwendigkeit der Anwendung von Schwammstadt-Elementen (Punkt 2) wird im KlimawandelAnpassungskonzept (KASA) nicht nur durch die Maßnahme „Schwammstadt“ adressiert, sondern durch weitere KASA-Maßnahmen, bei denen es um Entsiegelung und Begrünung geht. Hierzu gehören z.B. auch die „Klimaoasen“ welche im Zuge des Projektes „Smartes Stadtgrün für ein klimaresilientes Augsburg“ (SMSA) an der Bürgermeister-Miehle-Straße und an den Ladehöfen umgesetzt werden. Rückhalt und Verdunstung von Regenwasser wird so weit wie möglich bei städtischen Neubau- und Sanierungsvorhaben auf öffentlichen Flächen berücksichtigt, wie z.B. in den aktuellen Planungen der Hofackerstraße. Hierbei ist zu bemerken, dass im Bestand Restriktionen wie vorhandene Sparten und häufig beengte Platzverhältnisse bestehen. Zugleich bedeuten SchwammstadtElemente meist höhere Kosten bei Herstellung und Unterhalt. Wenn diese Elemente standardmäßig bei allen Vorhaben auf Verkehrsflächen eingebaut werden sollen, müssen der Verwaltung entsprechende finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung gestellt werden.
Neubaugebiete
Bei aktuellen Bebauungsplänen wird für Neubaugebiete das Regenwassermanagement bereits berücksichtigt. Seit Jahrzehnten gibt es von Seiten der Stadtentwässerung die Vorgabe, Regenwasser von privaten Flächen nicht in den Kanal einzuleiten, sondern vor Ort zurückzuhalten und zu verdunsten oder zu versickern. Ausnahmen gibt es z.B. in Gebieten mit sehr hohem Grundwasserstand, bei undurchlässigen Böden oder im Bereich von Altlasten, wo eine Versickerung nicht möglich ist. Zudem werden standardmäßig Dachbegrünungen auf Flachdächern (z.T. auch mit Dachneigung) sowie die Verwendung wasserdurchlässiger Beläge festgesetzt, wo dies möglich ist. Übliche Maßnahmen zur Versickerung und Retention sind weiter die Entsiegelung von ehemaligen Gewerbeflächen bei Umwandlung zu begrünten Wohnquartieren, Festsetzung von Gründächern zur Regenwasserrückhaltung, Planung von Versickerungsflächen in Form von Mulden mit Rigolen sowohl für die Privatgrundstücke als auch für öffentliche Flächen. Zudem werden auf der Grundlage von Starkregenkartierungen Fließwege für einen unschädlichen Abfluss und für Retentionsflächen definiert. Konkrete Schutzmaßnahmen für Gebäude sind die Anhebung des Erdgeschoss oder Schwellen an TG-Einfahrten.Die in diesem Jahr aktualisierten Standardfestsetzungen zur Grünordnung in Bebauungsplänen sehen unter anderem als Standardtiefe für die Mindestüberdeckung 100 cm vor, was in aktuellen Bebauungsplänen so auch festgesetzt wird. Sie bietet damit im Vergleich zu älteren Bebauungsplänen vor einigen Jahren (z.T. nur 60 cm) ein deutlich höheres Volumen für Wurzelraum und zur Wasserspeicherung. In einigen aktuell in Erstellung befindlichen Bebauungsplänen ist zudem vorgesehen, dass über Tiefgaragen die Mindesthöhe der Substratüberdeckung etwas reduziert werden kann, wenn dafür auf der Tiefgaragendecke eine Retentionsdach eingebaut wird. Das Ziel ist es, Anreize für Investoren zu bieten, für eine höhere Wasserspeicherung und eine verbesserte Wasserverfügbar der Vegetation über der Tiefgarage zu sorgen.
In einigen aktuellen stadtplanerischen Projekten werden zudem gesonderte Regenwassermanagementkonzepte erstellt, welche auch Starkregenereignisse berücksichtigen. Beispiele hierfür sind die Wohnbauentwicklung Berliner Allee oder Bebauungsplan Nr. 291 „Nördlich des Kleiberweges und der Rossinistraße“ in Bergheim. Im vergangenen Jahr wurde zudem der Leitfaden „Klima und Stadtplanung Augsburg“ beschlossen, welcher der Verwaltung und externen Planungsbüros als Arbeitshilfe dient. In diesem sind u.a. die Themenbereiche Regenwassermanagement und Stadtklimatologie ausführlich enthalten.
Bestand
Die gesplittete Abwassergebühr ist ein Instrument, welches es noch nicht in jeder Kommune gibt. In Augsburg ist sie seit Jahren etabliert. Sie bietet auch in Bestandsgebieten einen zusätzlichen Anreiz für Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer Einleitungen von Niederschlagswasser in
Im vergangenen Jahr wurde zudem der Leitfaden „Klima und Stadtplanung Augsburg“ beschlossen, welcher der Verwaltung und externen Planungsbüros als Arbeitshilfe dient. In diesem sind u.a. die Themenbereiche Regenwassermanagement und Stadtklimatologie ausführlich enthalten. Bestand Die gesplittete Abwassergebühr ist ein Instrument, welches es noch nicht in jeder Kommune gibt. In Augsburg ist sie seit Jahren etabliert. Sie bietet auch in Bestandsgebieten einen zusätzlichen Anreiz für Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer Einleitungen von Niederschlagswasser in den Kanal abzukoppeln und stattdessen vor Ort zu versickern. Je geringer die angeschlossene Fläche, desto geringer fällt dieser Anteil der Abwassergebühr an.
Für eine städtische Satzung zum Verbot von Bodenversiegelung wäre eine politische Mehrheit im Stadtrat erforderlich. 5/6 Klimaschutz und Klimaanpassung spielen bei allen städtebaulichen Planungen eine große Rolle. Die Klimakartierung der Stadt Augsburg stellt eine wesentliche Grundlage für städtebauliche Planungen dar und ist besonders relevant zur Erhaltung von Frischluftschneisen, die nicht verbaut werden dürfen. Auch bei Nachverdichtungen innerhalb bereits dichter Bebauung ist die Klimakartierung relevant, um die klimatische Situation im Plangebiet und auch in der Nachbarschaft zu beurteilen und möglichst zu verbessern. Die Erarbeitung der städtebaulichen Planung wird ab der Bestandsaufnahme durch stadtklimatologische Untersuchungen (ich habe mich gemeinsam mit dem Baureferenten dafür eingesetzt, dafür eine weitere Stelle im Umweltamt einzurichten) begleitet. Als Maßnahmen kommen die Schaffung von zusammenhängenden öffentlichen Grünflächen, die Begrünung von Grundstücksfreiflächen und die Festsetzung resilienter „Klimabäume“ zur Begrünung von Straßen, Parks und privaten Grundstücken zum Einsatz. Die Gebäudestellung wird optimiert, beispielsweise hin zu überwiegend offenen Baustrukturen mit Lücken und Freiräumen zwischen Gebäuden. Zudem werden regelmäßig Dachbegrünung und zunehmend auch Fassadenbegrünung festgesetzt, die Kühlungseffekte auf das Umfeld haben. Die Energiekonzepte städtebaulicher Planungen bauen auf erneuerbaren Energien auf und beinhalten in unterschiedlicher Ausprägung Fernwärme, Nahwärmenetze, Wärmepumpen und Photovoltaik. Durch enge Vernetzung mit Nachbarquartieren, Nutzungsmischung, Ausbau attraktiver Fuß- und Radwege werden unnötige motorisierte Verkehre vermieden. Zudem werden zunehmend explizit klimafreundliche Mobilitätskonzepte bei städtebaulichen Konzepten erarbeitet, die beispielsweise Quartiersparkhäuser mit Sharing-Angeboten vorsehen.
Die Notwendigkeit der Renaturierung von Gewässern, um Hochwasserschutz und Artenvielfalt zu fördern, wird an vielen möglichen Stellen verwirklicht.
Mit dem Vorhaben Wertach Vital wurde die Renaturierung in der Verbindung von Hochwasserschutz und Naturraumschaffung in Teilbereichen des Flusses umgesetzt. Die Kommunen sind hier beim Ausbau von Gewässern erster und zweiter Ordnung in den Punkten Zuständigkeit und Finanzierbarkeit auf die Unterstützung des Freistaats Bayern angewiesen. Planung und Durchführung sind von den staatlichen Wasserwirtschaftsämtern zu erbringen.
Auch das Projekt Licca Liber zielt auf diese Verbesserungen ab und soll dem Lech seinen natürlichen Charakter so weit wie möglich zurückzugeben. Dieses Vorhaben ist in dem Bereich zwischen Staustufe 23 bis zum Hochablass bereits angegangen, das Wasserwirtschaftsamt ist bis zur Mündung in die Donau in der Planung. Einige Musterstrestrecken konnten bereits verwirklicht bzw. 6/6 genehmigt werden, auch diese kleineren Maßnahmen geben Raum, die Strukturen im Gewässerbett zu verbessern und natürliche Ufer mit einer höheren Artenvielfalt zu entwickeln. Baubestand und insbesondere die ursprünglich zur Nutzwasserversorgung künstlich angelegten Gewässer dritter Ordnung im Stadtgebiet, bieten teilweise nur geringe Möglichkeiten zu Aufweitungen und Begrünungen. In möglichen Bereichen werden hier bereits Maßnahmen zur Verbesserung von Struktur und Vielfalt umgesetzt. Auch die umfangreichen Aufdeckungen von überbauten Kanälen der letzten Jahre dienen diesem Ziel. Diese Veränderungen bedürfen jedoch immer gründlicher Vorbereitung inklusive der Finanzierungskonzepte.
Ich hoffe, die Ausführungen sind nachvollziehbar und Sie konnten einen Einblick in die Strukturen, Abläufe und Aufgabenbereiche der städtischen Verwaltung erhalten. Mein Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und die Grundlagen unseres Verwaltungshandelns darzulegen. Eine objektive Würdigung der geleisteten Arbeit der Verwaltung wäre in diesem Zusammenhang wünschenswert. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Reiner Erben
Berufsm. Stadtrat der Stadt Augsburg
Antwort der Baum-Allianz auf die Antwort von Umweltreferent Reiner Erben Augsburg, den 17.12.2025 per E-Mail an: umweltreferat@augsburg.de
Sehr geehrter Herr Erben,
haben Sie vielen Dank für Ihre ausführlichen Erläuterungen, die Sie uns im Schulterschluss mit dem Baureferat haben zukommen lassen und auf die wir Ihnen – im Hinblick auf den letzten Absatz Ihres Schreibens und vor allem Ihres Schlusssatzes – nochmals antworten. „Eine objektive Würdigung der geleisteten Arbeit der Verwaltung wäre in diesem Zusammenhang wünschenswert“, und dieser Satz von Ihnen hat nicht nur seine Berechtigung, sondern ist für die Baum-Allianz auch nachvollziehbar, kommt doch stets nur unsere Kritik bei den Ämtern der Stadt an, selten aber eine positive Rückmeldung. Doch genauso ist unsere Arbeit definiert. Die Baum-Allianz wie auch andere Umweltverbände meldet sich nicht zu Wort, solange politisch alles in geordneten Bahnen verläuft, Entscheidungen richtig getroffen und schnell umgesetzt werden.
Die Aufgabe der Umweltverbände und damit auch der Baum-Allianz ist es, allein dann die Hand zu heben, wenn im Umweltschutz und der Klimaanpassung etwas falsch läuft, entsprechende Maßnahmen in diesem Bereich entweder gar nicht erst getroffen, verschleppt oder aber nicht umgesetzt werden. Und um nichts anderes geht es der Baum-Allianz. Denn der Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen ist vor allem ein zeitlicher, der nur dann gewonnen werden kann, wenn kommunales Handeln rasch auf diesen reagiert und im Sinne des „Daseins- und Vorsorgeprinzips“ umsteuert. Einen von der Wissenschaft untermauerten Maßnahmenkatalog für dazu notwendige Änderungen haben viele Thinktanks im Auftrag der Bundesregierung und der Länder aber auch Kommunen eruiert.
An erster Stelle steht hier: ein verändertes Verständnis von nachhaltiger Stadtentwicklung, wie es die EU-Staaten in der „Neuen Leipzig-Charta“ 2020 in Fortschreibung der Charta von 2007 niedergeschrieben haben. Gefordert wird darin gleichrangig die produktive, die gerechte und die grüne Stadt. Und bei der grünen Stadt geht es um das Daseins- und Vorsorgeprinzip als Antwort auf den Klimawandel und hier wiederum ganz konkret um:
– einen ausgebauten für jeden Bürger bezahlbaren öffentlichen Verkehr bei gleichzeitigem Rückbau von öffentlichen Parkplätzen in den Innenstädten
– um Schaffung von neuem Wohnraum um den bestehenden Grünbestand herum und nicht ums Auto, dies bei gleichzeitigem Vorrang von
– Umwidmung, Aufstockung, Dachausbau und Nachverdichtung im Bestand sowie Leerstandaktivierung vor jedem Neubau – um Schaffung von zusätzlichen möglichst miteinander verbundenen neuen Grünflächen
– um Hitzereduzierung durch Entsiegelung
– um Biomassezuwachs von neu gepflanzten Bäumen vornehmlich an und um Gebäude herum und entlang von Straßen und Fahrradwegen
Untersuchungen des Zentrums Stadtnatur und Klimaanpassung an der TU München haben außerdem klar ergeben, dass sich, je größer der Grünanteil in einzelnen Stadtquartieren ist, die Hitzebelastung für deren Bewohner verringert. Mit 35 bis 40 Prozent Grünanteil in einem Stadtraum lässt sich der thermische Komfort um an die 10 Grad verbessern.
Was den Punkt der Hitzebelastung betrifft, möchten wir noch einmal konkreter auf Ihre Anmerkungen zum DUH-Hitzecheck und andere Punkte eingehen, die Sie in Ihrem Schreiben aufgeführt haben, die von der Baum-Allianz aber aus gutem Grund nicht geteilt werden können.
Die DUH, das haben wir extra noch einmal geprüft, hat in ihrem diesjährigen Hitzecheck 190 Städte mit über 50.000 Einwohnern untersucht. Deren bewohnte Fläche wurde wie schon letztes Jahr in 100 qm große Raster unterteilt, die jeweils nach 4 Indikatoren ausgewertet wurden: Versiegelung, Grünvolumen, Bevölkerungsdichte und Oberflächentemperatur. Neu hinzugekommen ist lediglich der „Hitzebetroffenheitsindex“, der diejenigen Stadtgebiete erfasst, in denen hohe Temperaturen, zu wenig Grün und dichte Versiegelung zusammenkommen und die dort lebenden Menschen extremer Hitzebelastung in den Sommermonaten Juni-August ausgesetzt sind. Der Darstellungsfehler im Hitzecheck des letzten Jahres wurde korrigiert.
Im vergangenen Jahr wurde zudem der Leitfaden „Klima und Stadtplanung Augsburg“ beschlossen, welcher der Verwaltung und externen Planungsbüros als Arbeitshilfe dient. In diesem sind u.a. die Themenbereiche Regenwassermanagement und Stadtklimatologie ausführlich enthalten. Bestand Die gesplittete Abwassergebühr ist ein Instrument, welches es noch nicht in jeder Kommune gibt. In Augsburg ist sie seit Jahren etabliert. Sie bietet auch in Bestandsgebieten einen zusätzlichen Anreiz für Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer Einleitungen von Niederschlagswasser in den Kanal abzukoppeln und stattdessen vor Ort zu versickern. Je geringer die angeschlossene Fläche, desto geringer fällt dieser Anteil der Abwassergebühr an.
Städtische Vorgaben für private Neubau- und Sanierungsvorhaben
Für Neubauten und bei wesentlichen Änderungen an der Gebäudeentwässerung ist generell neben der Baugenehmigung bzw. Freistellung durch das Bauordnungsamt auch eine Genehmigung nach der Entwässerungssatzung durch die Stadtentwässerung erforderlich. Hier wird auch die Verdunstung oder Versickerung des anfallenden unverschmutzten Niederschlagswassers zwingend vorgeschrieben. Abweichungen sind nur in absoluten Ausnahmefällen möglich und zu begründen.Für eine städtische Satzung zum Verbot von Bodenversiegelung wäre eine politische Mehrheit im Stadtrat erforderlich. 5/6 Klimaschutz und Klimaanpassung spielen bei allen städtebaulichen Planungen eine große Rolle. Die Klimakartierung der Stadt Augsburg stellt eine wesentliche Grundlage für städtebauliche Planungen dar und ist besonders relevant zur Erhaltung von Frischluftschneisen, die nicht verbaut werden dürfen. Auch bei Nachverdichtungen innerhalb bereits dichter Bebauung ist die Klimakartierung relevant, um die klimatische Situation im Plangebiet und auch in der Nachbarschaft zu beurteilen und möglichst zu verbessern. Die Erarbeitung der städtebaulichen Planung wird ab der Bestandsaufnahme durch stadtklimatologische Untersuchungen (ich habe mich gemeinsam mit dem Baureferenten dafür eingesetzt, dafür eine weitere Stelle im Umweltamt einzurichten) begleitet. Als Maßnahmen kommen die Schaffung von zusammenhängenden öffentlichen Grünflächen, die Begrünung von Grundstücksfreiflächen und die Festsetzung resilienter „Klimabäume“ zur Begrünung von Straßen, Parks und privaten Grundstücken zum Einsatz. Die Gebäudestellung wird optimiert, beispielsweise hin zu überwiegend offenen Baustrukturen mit Lücken und Freiräumen zwischen Gebäuden. Zudem werden regelmäßig Dachbegrünung und zunehmend auch Fassadenbegrünung festgesetzt, die Kühlungseffekte auf das Umfeld haben. Die Energiekonzepte städtebaulicher Planungen bauen auf erneuerbaren Energien auf und beinhalten in unterschiedlicher Ausprägung Fernwärme, Nahwärmenetze, Wärmepumpen und Photovoltaik. Durch enge Vernetzung mit Nachbarquartieren, Nutzungsmischung, Ausbau attraktiver Fuß- und Radwege werden unnötige motorisierte Verkehre vermieden. Zudem werden zunehmend explizit klimafreundliche Mobilitätskonzepte bei städtebaulichen Konzepten erarbeitet, die beispielsweise Quartiersparkhäuser mit Sharing-Angeboten vorsehen.
Die Notwendigkeit der Renaturierung von Gewässern, um Hochwasserschutz und Artenvielfalt zu fördern, wird an vielen möglichen Stellen verwirklicht.
Mit dem Vorhaben Wertach Vital wurde die Renaturierung in der Verbindung von Hochwasserschutz und Naturraumschaffung in Teilbereichen des Flusses umgesetzt. Die Kommunen sind hier beim Ausbau von Gewässern erster und zweiter Ordnung in den Punkten Zuständigkeit und Finanzierbarkeit auf die Unterstützung des Freistaats Bayern angewiesen. Planung und Durchführung sind von den staatlichen Wasserwirtschaftsämtern zu erbringen.
Auch das Projekt Licca Liber zielt auf diese Verbesserungen ab und soll dem Lech seinen natürlichen Charakter so weit wie möglich zurückzugeben. Dieses Vorhaben ist in dem Bereich zwischen Staustufe 23 bis zum Hochablass bereits angegangen, das Wasserwirtschaftsamt ist bis zur Mündung in die Donau in der Planung. Einige Musterstrestrecken konnten bereits verwirklicht bzw. 6/6 genehmigt werden, auch diese kleineren Maßnahmen geben Raum, die Strukturen im Gewässerbett zu verbessern und natürliche Ufer mit einer höheren Artenvielfalt zu entwickeln. Baubestand und insbesondere die ursprünglich zur Nutzwasserversorgung künstlich angelegten Gewässer dritter Ordnung im Stadtgebiet, bieten teilweise nur geringe Möglichkeiten zu Aufweitungen und Begrünungen. In möglichen Bereichen werden hier bereits Maßnahmen zur Verbesserung von Struktur und Vielfalt umgesetzt. Auch die umfangreichen Aufdeckungen von überbauten Kanälen der letzten Jahre dienen diesem Ziel. Diese Veränderungen bedürfen jedoch immer gründlicher Vorbereitung inklusive der Finanzierungskonzepte.
Ich hoffe, die Ausführungen sind nachvollziehbar und Sie konnten einen Einblick in die Strukturen, Abläufe und Aufgabenbereiche der städtischen Verwaltung erhalten. Mein Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und die Grundlagen unseres Verwaltungshandelns darzulegen. Eine objektive Würdigung der geleisteten Arbeit der Verwaltung wäre in diesem Zusammenhang wünschenswert. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Reiner Erben
Berufsm. Stadtrat der Stadt Augsburg
| Rote Karte für Augsburg. |
Antwort der Baum-Allianz auf die Antwort von Umweltreferent Reiner Erben Augsburg, den 17.12.2025 per E-Mail an: umweltreferat@augsburg.de
Sehr geehrter Herr Erben,
haben Sie vielen Dank für Ihre ausführlichen Erläuterungen, die Sie uns im Schulterschluss mit dem Baureferat haben zukommen lassen und auf die wir Ihnen – im Hinblick auf den letzten Absatz Ihres Schreibens und vor allem Ihres Schlusssatzes – nochmals antworten. „Eine objektive Würdigung der geleisteten Arbeit der Verwaltung wäre in diesem Zusammenhang wünschenswert“, und dieser Satz von Ihnen hat nicht nur seine Berechtigung, sondern ist für die Baum-Allianz auch nachvollziehbar, kommt doch stets nur unsere Kritik bei den Ämtern der Stadt an, selten aber eine positive Rückmeldung. Doch genauso ist unsere Arbeit definiert. Die Baum-Allianz wie auch andere Umweltverbände meldet sich nicht zu Wort, solange politisch alles in geordneten Bahnen verläuft, Entscheidungen richtig getroffen und schnell umgesetzt werden.
Die Aufgabe der Umweltverbände und damit auch der Baum-Allianz ist es, allein dann die Hand zu heben, wenn im Umweltschutz und der Klimaanpassung etwas falsch läuft, entsprechende Maßnahmen in diesem Bereich entweder gar nicht erst getroffen, verschleppt oder aber nicht umgesetzt werden. Und um nichts anderes geht es der Baum-Allianz. Denn der Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen ist vor allem ein zeitlicher, der nur dann gewonnen werden kann, wenn kommunales Handeln rasch auf diesen reagiert und im Sinne des „Daseins- und Vorsorgeprinzips“ umsteuert. Einen von der Wissenschaft untermauerten Maßnahmenkatalog für dazu notwendige Änderungen haben viele Thinktanks im Auftrag der Bundesregierung und der Länder aber auch Kommunen eruiert.
An erster Stelle steht hier: ein verändertes Verständnis von nachhaltiger Stadtentwicklung, wie es die EU-Staaten in der „Neuen Leipzig-Charta“ 2020 in Fortschreibung der Charta von 2007 niedergeschrieben haben. Gefordert wird darin gleichrangig die produktive, die gerechte und die grüne Stadt. Und bei der grünen Stadt geht es um das Daseins- und Vorsorgeprinzip als Antwort auf den Klimawandel und hier wiederum ganz konkret um:
– einen ausgebauten für jeden Bürger bezahlbaren öffentlichen Verkehr bei gleichzeitigem Rückbau von öffentlichen Parkplätzen in den Innenstädten
– um Schaffung von neuem Wohnraum um den bestehenden Grünbestand herum und nicht ums Auto, dies bei gleichzeitigem Vorrang von
– Umwidmung, Aufstockung, Dachausbau und Nachverdichtung im Bestand sowie Leerstandaktivierung vor jedem Neubau – um Schaffung von zusätzlichen möglichst miteinander verbundenen neuen Grünflächen
– um Hitzereduzierung durch Entsiegelung
– um Biomassezuwachs von neu gepflanzten Bäumen vornehmlich an und um Gebäude herum und entlang von Straßen und Fahrradwegen
Untersuchungen des Zentrums Stadtnatur und Klimaanpassung an der TU München haben außerdem klar ergeben, dass sich, je größer der Grünanteil in einzelnen Stadtquartieren ist, die Hitzebelastung für deren Bewohner verringert. Mit 35 bis 40 Prozent Grünanteil in einem Stadtraum lässt sich der thermische Komfort um an die 10 Grad verbessern.
Was den Punkt der Hitzebelastung betrifft, möchten wir noch einmal konkreter auf Ihre Anmerkungen zum DUH-Hitzecheck und andere Punkte eingehen, die Sie in Ihrem Schreiben aufgeführt haben, die von der Baum-Allianz aber aus gutem Grund nicht geteilt werden können.
Die DUH, das haben wir extra noch einmal geprüft, hat in ihrem diesjährigen Hitzecheck 190 Städte mit über 50.000 Einwohnern untersucht. Deren bewohnte Fläche wurde wie schon letztes Jahr in 100 qm große Raster unterteilt, die jeweils nach 4 Indikatoren ausgewertet wurden: Versiegelung, Grünvolumen, Bevölkerungsdichte und Oberflächentemperatur. Neu hinzugekommen ist lediglich der „Hitzebetroffenheitsindex“, der diejenigen Stadtgebiete erfasst, in denen hohe Temperaturen, zu wenig Grün und dichte Versiegelung zusammenkommen und die dort lebenden Menschen extremer Hitzebelastung in den Sommermonaten Juni-August ausgesetzt sind. Der Darstellungsfehler im Hitzecheck des letzten Jahres wurde korrigiert.
Die untersuchten Städte sind, wie Sie sagen, sehr unterschiedlich, doch die Untersuchungskriterien – und -methoden nach den 4 genannten Indikatoren sind für alle die gleichen. Auch die jeweilige geografische Lage der Städte, sogar ihre Bauweise wurde mitberücksichtigt. Denn es macht einen Unterschied, ob sie im heißen süddeutschen Raum oder im kühleren Norden küstennah liegen, ob sie über viel alte und dicht nebeneinanderstehende Bausubstanz verfügen oder wenig bis gar keine.
Die Analyse basiert zudem auf umfangreichen Satellitendaten von 2019- 2024, jeweils zwischen 12 und 13 Uhr aufgenommen, die zusammen mit der Potsdamer Luftbild Umwelt Planung GmbH ausgewertet wurden.
Dass Augsburg bei diesem Hitzecheck eine Rote Karte erhalten hat, obwohl es zwischen zwei Flüssen liegt, über einen relativ großen alten Baumbestand und im Osten über den großen, unmittelbar an die Altstadt anschließenden und über das Stadtgebiet hinausreichenden Stadtwald mit einer enormen Kühlleistung verfügt, ist besonders besorgniserregend. Denn dies liegt, wie die Aufnahmen und erfassten Daten klar zeigen, am überdurchschnittlich hohen Versiegelungsgrad von Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie von Plätzen. An diesem validen Ergebnis lässt sich nicht rütteln.
Die Stadt Augsburg hat, auch das ist richtig, mehrere Gutachten zur Klimaanalyse und -anpassung in Auftrag gegeben. Doch wo sind konkret unter dem Strich die daraus resultierenden Maßnahmen, die beschlossen wurden und heute schon greifen? Was wurde bisher umgesetzt?
– Ein Hitzeaktionsplan ist erst vor wenigen Monaten erstellt und veröffentlicht worden. – Auch eine Solarinitiative, die die Bürger bei der Anschaffung einer Solaranlage finanziell unterstützt, wie sie München oder Königsbrunn schon vor Jahren ins Leben gerufen haben und deren aufgelegten Förderungen bereits wieder ausgelaufen sind, gibt es in Augsburg erst seit 2023 bis 2025 mit insgesamt 500.000,00 Euro.
– Sie selbst haben nach dem diesjährigen DUH-Hitzecheck gegenüber der AZ zugegeben, dass erste diesbezügliche Maßnahmen erst in den nächsten 2 Jahren ergriffen werden [https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/ hitzehoelle-augsburg-umwelthilfe-kritisiert-starke-flaechenversiegelung-102929477].
– Bäume, die unter die Baumschutzverordnung fallen, werden nach wie vor zugunsten einer Wohn- oder Gewerbebebauung gefällt – wir nennen hier aktuell für dieses Jahr als Beispiele nur: Joe Peña‘s in der Müllerstraße und den Erweiterungsbau der Urologischen Klinik in der Frischstraße.
– Wo bleibt die Neupflanzung von Alleen und die zusätzlichen Neupflanzungen von 300 Bäumen pro Jahr, die sich die jetzige Stadtregierung im Koalitionsvertrag von 2020 vorgenommen hat? Unser Baumstumpfmelder vermeldet aktuell die Anzahl von 3001 nicht nachgepflanzten Bäumen im Stadtgebiet. Erst seit diesem und letztem Jahr gibt es mehr Nachpflanzungen als Fällungen. Wobei ein gutes Drittel der Nachpflanzungen die ersten drei Jahre nicht überlebt, meist bedingt durch mangelnde Bewässerung.
– Und wo bleiben die zusätzlich neu gepflanzten Bäume an Straßen und in Parks für dringend mehr benötigte Biomasse und mehr -diversität?
– Wie viele öffentlichen Parkplätze in der Stadt sind schon umgewidmet worden, um dort stattdessen einen Baum zu pflanzen? Das ewige Argument des Einzelhandels, jeder fehlende Parkplatz bedeute weniger Bürger, die in die Stadt zum Einkaufen kommen, zählt nicht. Im Gegenteil wurde bereits durch mehrere Studien bewiesen, dass die Mehrheit der Bürger für mehr Klimaschutz und Bäume ist und lieber in stärker begrünten Städten einkauft, weil sie diese als angenehmer und einladender empfindet.
– Neupflanzungen wiederum hängen sehr stark vom Grad der Bodenversiegelung am gewählten Standort ab. Und auch hier sehen wir im Innenstadtbereich keine Verbesserungen: Fuggerstraße und Königsplatz sind auch hier nur zwei Beispiele, zu denen sich die Baum-Allianz mehrmals zu Wort gemeldet hat.
Uns ist sehr wohl bewusst, dass überall Versorgungsleitungen im Boden liegen, die dies erschweren. Aber diese können verlegt werden. Sowohl der Bund als auch der Staat Bayern stellen Fördermittel für die Entsiegelung zur Verfügung. Doch wo wurden in Augsburg, wenn irgendwo sowieso schon aufgegraben wurde, wie Sie richtig schreiben, zusätzliche Bäume gepflanzt?
– Und wo wurde bislang in der Innenstadt oder im sonstigen Stadtgebiet von Augsburg bereits entsiegelt und statt Asphalt z.B. Rasengittersteine angebracht? Und ist auch nicht bekannt, dass bei Gewerbe- oder Supermarktneubauten diese mittlerweile verpflichtend vorgeschrieben werden.
– Mehr als bitter ist auch der Umstand, dass die Stadtverwaltung entgegen den Erkenntnissen und Vorgaben der von ihr aufgegebenen Umweltgutachten für den Neubau des Universitätsklinikums einen Park samt umliegenden Biotopen, Ausgleichsflächen und einer für das Stadtklima wichtigen Frischluftschneise aktuell bebauen und damit versiegeln will, obwohl sie über eine alternative Baufläche für das Vorhaben verfügt.
Womit sie das „Vorsorgeprinzip“ für die Gesundheit der Augsburger Bürger und des Landkreises unnötigerweise gegen das ebenso zum Wohl der Bürger geltende Vorsorgeprinzip für mehr Grün ausspielt (und damit für mehr Gesundheit durch Kühlung, Luftqualität, Wassermanagement, Ruhe, Erholung und Biodiversität).
– Wo bleiben hier und anderweitig die Anstrengungen der Stadtverwaltung, das Netto-Null-Versiegelungsziel des Bundeslandes Bayerns laut Bayerischem Landesplanungsgesetz (von 2021) den Flächenverbrauch bis 2030 auf rund 5 ha pro Tag bis 2030 abzusenken, was mit einer solchen Vorgehensweise eher nicht erreicht werden kann. – Denn dieses Ziel bedeutet, dass bei allen privaten wie öffentlichen Neubauten, Umbauten und Nachverdichtungen grüne und blaue Infrastruktur im Sinne des „Daseins- und Vorsorgeprinzips“ der Neuen Leipziger Charta mit eingeplant werden muss.
– Was ist mit dem Stadtratsbeschluss, ab dem 01.01.2021 ein verbleibendes CO2-Emissions-Budget von 9,7 Millionen Tonnen (korrigiert und angepasst 2022 auf 13,1 Mill.) einzuhalten und bis 2035 „eine klimaneutrale Stadtverwaltung Augsburg anzustreben“? [https://www.augsburgerallgemeine.de/augsburg/augsburg-wie-viel-vom-augsburger-co-restbudgetist-noch-uebrig-id65516751.html]
– Eine Freiflächengestaltungssatzung oder Freiraumsatzung, wie sie München schon 1996 hatte und mit der sogar Kleinstädte wie Mindelheim oder Memmingen für jede Art von Bauvorhaben die grüne und blaue Mindestinfrastruktur verpflichtend festlegen, hat die Stadt Augsburg als drittgrößte Stadt in Bayern noch nie aufgestellt.
Die Analyse basiert zudem auf umfangreichen Satellitendaten von 2019- 2024, jeweils zwischen 12 und 13 Uhr aufgenommen, die zusammen mit der Potsdamer Luftbild Umwelt Planung GmbH ausgewertet wurden.
Dass Augsburg bei diesem Hitzecheck eine Rote Karte erhalten hat, obwohl es zwischen zwei Flüssen liegt, über einen relativ großen alten Baumbestand und im Osten über den großen, unmittelbar an die Altstadt anschließenden und über das Stadtgebiet hinausreichenden Stadtwald mit einer enormen Kühlleistung verfügt, ist besonders besorgniserregend. Denn dies liegt, wie die Aufnahmen und erfassten Daten klar zeigen, am überdurchschnittlich hohen Versiegelungsgrad von Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie von Plätzen. An diesem validen Ergebnis lässt sich nicht rütteln.
Die Stadt Augsburg hat, auch das ist richtig, mehrere Gutachten zur Klimaanalyse und -anpassung in Auftrag gegeben. Doch wo sind konkret unter dem Strich die daraus resultierenden Maßnahmen, die beschlossen wurden und heute schon greifen? Was wurde bisher umgesetzt?
– Ein Hitzeaktionsplan ist erst vor wenigen Monaten erstellt und veröffentlicht worden. – Auch eine Solarinitiative, die die Bürger bei der Anschaffung einer Solaranlage finanziell unterstützt, wie sie München oder Königsbrunn schon vor Jahren ins Leben gerufen haben und deren aufgelegten Förderungen bereits wieder ausgelaufen sind, gibt es in Augsburg erst seit 2023 bis 2025 mit insgesamt 500.000,00 Euro.
– Sie selbst haben nach dem diesjährigen DUH-Hitzecheck gegenüber der AZ zugegeben, dass erste diesbezügliche Maßnahmen erst in den nächsten 2 Jahren ergriffen werden [https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/ hitzehoelle-augsburg-umwelthilfe-kritisiert-starke-flaechenversiegelung-102929477].
– Bäume, die unter die Baumschutzverordnung fallen, werden nach wie vor zugunsten einer Wohn- oder Gewerbebebauung gefällt – wir nennen hier aktuell für dieses Jahr als Beispiele nur: Joe Peña‘s in der Müllerstraße und den Erweiterungsbau der Urologischen Klinik in der Frischstraße.
– Wo bleibt die Neupflanzung von Alleen und die zusätzlichen Neupflanzungen von 300 Bäumen pro Jahr, die sich die jetzige Stadtregierung im Koalitionsvertrag von 2020 vorgenommen hat? Unser Baumstumpfmelder vermeldet aktuell die Anzahl von 3001 nicht nachgepflanzten Bäumen im Stadtgebiet. Erst seit diesem und letztem Jahr gibt es mehr Nachpflanzungen als Fällungen. Wobei ein gutes Drittel der Nachpflanzungen die ersten drei Jahre nicht überlebt, meist bedingt durch mangelnde Bewässerung.
– Und wo bleiben die zusätzlich neu gepflanzten Bäume an Straßen und in Parks für dringend mehr benötigte Biomasse und mehr -diversität?
– Wie viele öffentlichen Parkplätze in der Stadt sind schon umgewidmet worden, um dort stattdessen einen Baum zu pflanzen? Das ewige Argument des Einzelhandels, jeder fehlende Parkplatz bedeute weniger Bürger, die in die Stadt zum Einkaufen kommen, zählt nicht. Im Gegenteil wurde bereits durch mehrere Studien bewiesen, dass die Mehrheit der Bürger für mehr Klimaschutz und Bäume ist und lieber in stärker begrünten Städten einkauft, weil sie diese als angenehmer und einladender empfindet.
– Neupflanzungen wiederum hängen sehr stark vom Grad der Bodenversiegelung am gewählten Standort ab. Und auch hier sehen wir im Innenstadtbereich keine Verbesserungen: Fuggerstraße und Königsplatz sind auch hier nur zwei Beispiele, zu denen sich die Baum-Allianz mehrmals zu Wort gemeldet hat.
Uns ist sehr wohl bewusst, dass überall Versorgungsleitungen im Boden liegen, die dies erschweren. Aber diese können verlegt werden. Sowohl der Bund als auch der Staat Bayern stellen Fördermittel für die Entsiegelung zur Verfügung. Doch wo wurden in Augsburg, wenn irgendwo sowieso schon aufgegraben wurde, wie Sie richtig schreiben, zusätzliche Bäume gepflanzt?
– Und wo wurde bislang in der Innenstadt oder im sonstigen Stadtgebiet von Augsburg bereits entsiegelt und statt Asphalt z.B. Rasengittersteine angebracht? Und ist auch nicht bekannt, dass bei Gewerbe- oder Supermarktneubauten diese mittlerweile verpflichtend vorgeschrieben werden.
– Mehr als bitter ist auch der Umstand, dass die Stadtverwaltung entgegen den Erkenntnissen und Vorgaben der von ihr aufgegebenen Umweltgutachten für den Neubau des Universitätsklinikums einen Park samt umliegenden Biotopen, Ausgleichsflächen und einer für das Stadtklima wichtigen Frischluftschneise aktuell bebauen und damit versiegeln will, obwohl sie über eine alternative Baufläche für das Vorhaben verfügt.
Womit sie das „Vorsorgeprinzip“ für die Gesundheit der Augsburger Bürger und des Landkreises unnötigerweise gegen das ebenso zum Wohl der Bürger geltende Vorsorgeprinzip für mehr Grün ausspielt (und damit für mehr Gesundheit durch Kühlung, Luftqualität, Wassermanagement, Ruhe, Erholung und Biodiversität).
– Wo bleiben hier und anderweitig die Anstrengungen der Stadtverwaltung, das Netto-Null-Versiegelungsziel des Bundeslandes Bayerns laut Bayerischem Landesplanungsgesetz (von 2021) den Flächenverbrauch bis 2030 auf rund 5 ha pro Tag bis 2030 abzusenken, was mit einer solchen Vorgehensweise eher nicht erreicht werden kann. – Denn dieses Ziel bedeutet, dass bei allen privaten wie öffentlichen Neubauten, Umbauten und Nachverdichtungen grüne und blaue Infrastruktur im Sinne des „Daseins- und Vorsorgeprinzips“ der Neuen Leipziger Charta mit eingeplant werden muss.
– Was ist mit dem Stadtratsbeschluss, ab dem 01.01.2021 ein verbleibendes CO2-Emissions-Budget von 9,7 Millionen Tonnen (korrigiert und angepasst 2022 auf 13,1 Mill.) einzuhalten und bis 2035 „eine klimaneutrale Stadtverwaltung Augsburg anzustreben“? [https://www.augsburgerallgemeine.de/augsburg/augsburg-wie-viel-vom-augsburger-co-restbudgetist-noch-uebrig-id65516751.html]
– Eine Freiflächengestaltungssatzung oder Freiraumsatzung, wie sie München schon 1996 hatte und mit der sogar Kleinstädte wie Mindelheim oder Memmingen für jede Art von Bauvorhaben die grüne und blaue Mindestinfrastruktur verpflichtend festlegen, hat die Stadt Augsburg als drittgrößte Stadt in Bayern noch nie aufgestellt.
Spätestens seit 1979 ist anerkannt, weil wissenschaftlich bewiesen, dass der
Klimawandel – und die damit einhergehenden Folgen menschengemacht sind.
Was man dagegen machen kann und muss, ist seitdem ebenfalls bekannt.
Für Augsburg zeigen das in wegweisender Form die zu Ende der 80-iger und
Anfang der 90-iger erschienenen „Ökologischen Schriften“ in drei Bänden. Danach ist allerdings nicht mehr viel geschehen, was die Umsetzung
notwendiger Klimaanpassungsmaßnahmen durch die Stadtverwaltung betrifft.
Und so bleibt es beim Fazit unseres Offenen Briefes und all unseren darin
vorgetragenen Punkten: Die Stadt Augsburg ist nicht schnell und engagiert genug im Umweltschutz und bei den Klimaanpassungsmaßnahmen.
Mit diesem Urteil sind wir als Umweltverband außerdem nicht allein, auch die anderen in Augsburg engagierten Umweltgruppen teilen dieses Urteil, wie wir aus deren Briefwechsel mit Ihrem Referat sehr wohl wissen. Und: Wie es nicht zuletzt Ihr eigener Bericht „Umsetzung des Klimawandel-Anpassungskonzepts für die Stadt Augsburg (KASA), Stand März 2025“ deutlich zeigt.
Von einem Umdenken und Umsteuern in Richtung eines „Daseins und Vorsorgeprinzip“, wie es die erste sowie die erneuerte Leipziger-Charta für die Städte fordern, ist dort nichts zu finden. Stattdessen wird dort auf S. 10 gesagt, dass: „Klimaschutz und Klimaanpassung keine kommunalen Pflichtaufgaben sind – daher fehlende reguläre Ressourcen – beschränkte personelle und finanzielle Ressourcen (inkl. Fachpersonalmangel) – begrenzen insbesondere investive Maßnahmen wie Straßenraumumgestaltungen oder Anpassung von Gebäuden“ Und Ihr Fazit auf S. 14 lautet: – „Der Großteil der KASA-Maßnahmen, -Leitprojekte und weiteren Bausteine laufen oder werden zumindest in Teilaspekten durchgeführt.
– Jedoch sind deutlich höhere finanzielle und personelle Ressourcen notwendig um Klimaanpassung in Augsburg umfassend und ausreichend zügig voranzubringen.“ Zum Schluss sei uns noch erlaubt, anzumerken, dass es der Baum-Allianz nicht um persönliche Angriffe gegen Sie oder andere Amtskollegen geht, sondern dass es sich hier allein um einen Brandbrief im Sinne der von uns aufgeführten, dringend notwendigen und schnellstens zu verfolgenden Klimaschutz-Aktionen aller städtischen Ämter handelt. Wir sind außerdem davon überzeugt, damit die gleichen Absichten zu verfolgen wie Sie. Daher bitten wir Sie auch, sich in Ihren letzten Monaten im Amt nochmals verstärkt für diese einzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Heike Fischer
im Namen des Vorstands der Baum Allianz Augsburg e.V.

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