Franz Fischer: Der Retter der Augsburger Kinolandschaft!

Augsburger  

Franz Fischer eröffnet in der Corona-Zeit ein Auto-Kino auf dem
Augsburger Messe-Gelände.

Große Aufregung in Augsburg: Franz Fischer ist mit seinen Kinos und dem Kaffeehaus Thalia in die Insolvenz gerutscht. Zu allem Übel wurde er auch noch von einer Krankheit niedergestreckt. Jetzt wird viel über Fischer und seine Partnerin Ellen Gratza geschrieben. Auch wenn er ein Mensch mit harten Ecken und Kanten ist, keinem Streit mit Augsburgs Kulturpolitikern aus dem Weg ging, wenn's sein musste, so wollen wir doch nicht vergessen, was er für die Augsburger Kino-Landschaft geleistet hat.

Franz Fischer hat sich als wahrer Visionär und Kulturengagierter erwiesen, der die Augsburger Kinolandschaft nachhaltig geprägt und gerettet hat. Seine Passion für das Kino begann früh, doch sein entscheidender Schritt zur Rettung eines Kulturbetriebs erfolgte im Jahr 1999, als er das damals ruhende Kino Schauburg in Lechhausen übernahm. Dieses traditionsreiche Haus, das zu schließen drohte, verwandelte er in einen lebendigen Ort des Films. Dafür würde es als "bestes Kino Deutschlands" ausgezeichnet.


Franz Fischer vor dem Thalia-Kino mit dem bekannten Schweizer Kabarettisten Emil,
der seinen Film persönlich präsentierte.

Ein Meilenstein seines Wirkens waren die „Tage des unabhängigen Films“, die er ab den frühen 2000er-Jahren mit einem engagierten Team in Augsburg etablierte. Besonders in der Zeit um 2005 bis 2012 gelang es ihm, die internationale Elite der Dokumentarfilmer nach Augsburg zu holen. Weltweiter Imagegewinn für die Schwabenmetropole. Namen wie Erwin Wagenhofer („We Feed the World“, 2005), Andres Veiel oder auch Nikolaus Geyrhalter („Unser täglich Brot“, 2005) bereicherten mit ihren Werken und persönlichen Anwesenheiten das Augsburger Kulturleben. 

Diese Festivals positionierten Augsburg auf der Landkarte des anspruchsvollen Kinos und schufen ein Publikum, das nach qualitativ hochwertigen, nicht-kommerziellen Produktionen verlangte. 

Mit diesem Film-Festival konnte er deutschlandweit Aufsehen erregen. Mit dem Schwerpunkt-Thema Afrika gelangte er bis in die Tagesschau. Das Kinderfilm-Festival war für die Augsburger Kinder immer ein großes und beliebtes Spektakel.

Besucher bei Tage des unabhängigen Films.

Sein ambitioniertestes Projekt startete im Jahr 2000, als Fischer mit dem Aufbau des Augsburger Kino Dreieck begann, einem einzigartigen Multiplex für anspruchsvolle Filmkunst. Nach der Renovierung des Thalia-Kinos kam drei Jahre später das Kaffeehaus hinzu. 

Bis 2015 entstand nach und nach mit dem Savoy und dem Mephisto ein Verbund aus drei Kinos in Augsburg, genannt das Kino-Dreieck.

Das Thalia ist eines der ältesten Kinos in Deutschland. Das Savoy am Schmiedberg  wurde nach dem Umbau noch nicht eröffnet.Das Mephiso wird auch für Lesungen und Konzerte genutzt. Dazu kam das besonders charmanten Open-Air-Kino „Lechflimmern“ im Familienbad, das jährlich im Sommer (üblicherweise von Juli bis August) ein einmaliges Freiluft-Kinoerlebnis an den Schwimmbecken bietet.

Die offizielle Eröffnung des Kino Dreieck-Komplexes markierte einen neuen Höhepunkt in Augsburgs Kinogeschichte. Fischer schuf damit nicht nur einen Überlebensraum für  Programmkinos, sondern etablierte eine lebendige Begegnungsstätte, die Mainstream und Nische, Tradition und Innovation vereint. Vor allem mit seinen Aktionen und Gästen konnte er sich lange gegen die beiden Multiplex-Kinos in Augsburg behaupten. Und immer wieder gab es Preise und Auszeichnungen fürs Filmprogramm.



Wer sich in der Kino-Branche etwas auskennt, der weiß, dass die Film-Verleihe auf die Zahl der Sitzplätze bei den Kino-Betreibern schauen, wenn sie umsatzstarke Filme, also Blockbuster, herausrücken. So ist manches Kino-Unternehmen zum Expandieren verdammt.

Auch in anderen Städten wie Neuburg an der Donau, in Ulm und in Ingolstadt übernahm Franz Fischer Kinos. Außerdem stieg er mit seinem Personal in die Bewirtung des Augsburger Familienbads und des Kulturhauses Abraxas ein. 

Durch seine beharrliche Arbeit von den späten 1990er-Jahren bis in die Gegenwart hat Franz Fischer sichergestellt, dass Augsburg eine vielfältige und qualitative Kinolandschaft besitzt. In einer Zeit, in der bundesweit unzählige Programmkinos schließen mussten, gelang es ihm durch unternehmerischen Mut und kulturelles Feingefühl, nicht nur ein Kino zu retten, sondern eine ganze Familie von Kinos aufzubauen. Sein Wirken war bis jetzt ein Geschenk für alle Filmbegeisterten in und um Augsburg und sicherte der Stadt Augsburg ein kulturelles Erbe, das weit über die Grenzen Schwabens ausstrahlt. 

Franz Fischer ist mit Ellen Gratza damit zurecht als „Retter der Augsburger Kinolandschaft“ in die Augsburger Stadtgeschichte eingegangen.

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