| Kalnder für das Jahr 1567, in Augsburg gedruckt. |
In Augsburg wurden schon im 16. Jahrhundert diverse Kalender gedruckt. Der abgebildete Einblattkalender für das Jahr 1567 wurde wohl von der Druckerei Ulhart herge3stellt und "ist einem yegklichen wol zu verstehn, ob er schon nicht lesen kan: Merck nur auff der Zaichen bedeutung".
Im gesamten 16. Jahrhundert lassen sich in Augsburg insgesamt etwa 35 verschiedene Druckherren nachweisen. Die Branche war damals jedoch sehr dynamisch, weshalb viele Werkstätten oft nur über eine Generation bestanden oder Namen durch Heirat und Übernahme wechselten. In den Jahren um 1567 gab es eine Phase der Konsolidierung, in der meist zwischen 8 und 12 Druckereien gleichzeitig aktiv waren.
Augsburg war damals nach Mainz und Straßburg eine der wichtigsten Metropolen für den deutschsprachigen Buchdruck. In Augsburg begann die Ära des Buchdrucks bereits sehr früh, nur wenige Jahre nach der Erfindung durch Johannes Gutenberg in Mainz.
Der erste nennenswerte Drucker in Augsburg
Das Jahr 1468 markiert den offiziellen Beginn der Augsburger Druckgeschichte. Günther Zainer war der erste namentlich bekannte Drucker, der sich in Augsburg niederließ. Zainer stammte ursprünglich aus Reutlingen und erhielt am 12. März 1468 das Bürgerrecht in Augsburg. Sein erstes datiertes Werk war eine Ausgabe der „Meditationes vitae Christi“ des Bonaventura, die noch im selben Jahr fertiggestellt wurde.
Augsburg bot einst ideale Voraussetzungen für das neue Handwerk, weshalb es sich rasant zur führenden Druckermetropole entwickelte. Finanzkraft: Reiche Handelsfamilien wie die Vorfahren der Fugger stellten das nötige Kapital für die teuren Pressen und den Papierankauf bereit.
Papierherstellung: Durch die vielen Lech-Kanäle gab es in und um Augsburg bereits zahlreiche Papiermühlen. Handelswege: Die Stadt lag an den wichtigsten Routen nach Italien und in den Norden, was den Export der schweren Bücher erleichterte.
Von Günther Zainer 1468 bis zu Philipp Ulhart im Jahr 1567 war es ein weiter Weg, In diesen knapp 100 Jahren stieg die Zahl der Werkstätten massiv an. Während Zainer noch prachtvolle Bibeln für den Klerus und das Bildungsbürgertum druckte, war die Druckerei Ulhart bereits Teil einer harten politischen und religiösen Auseinandersetzung.
| Marke des Druckers Philipp Ulhart. |
Die wohl bedeutendste und bekannteste Druckerei in diesem Zeitraum war jedenfalls die von Philipp Ulhart (dem Älteren). Ulhart war einer der produktivsten Drucker Augsburgs. Er war bekannt für seine Beteiligung an der Reformation und druckte zahlreiche Schriften von Martin Luther, oft auch unter Pseudonymen oder mit gefälschten Druckorten, um der Zensur zu entgehen.
Die Täuferbewegung in Augsburg war eine der radikalsten und zugleich tragischsten Episoden der Stadtgeschichte, Philipp Ulhart spielte dabei eine Schlüsselrolle, da er ihr wichtigster Drucker war.Die Täufer lehnten die Kindstaufe ab und forderten eine strikte Trennung von Kirche und Staat, Für den Rat der Stadt Augsburg war dies purer Aufruhr, da die Einheit der Bürger durch diese "Wiedertäufer" gefährdet schien. Die "Märtyrersynode" (1527): Augsburg wurde zum Treffpunkt der wichtigsten Täuferführer aus ganz Europa. Viele von ihnen wurden kurz darauf hingerichtet oder vertrieben. Ulhart druckte ihre Schriften oft heimlich, während die Verfolgungen bereits in vollem Gange waren.
Hans Denck und Ludwig Hätzer: Diese beiden intellektuellen Köpfe der Täufer lebten zeitweise in Augsburg. Ulhart druckte für sie die erste deutsche Übersetzung der Propheten des Alten Testaments aus dem Hebräischen, noch bevor Luther damit fertig war. Ein technologisches und theologisches Meisterwerk aus Augsburg!
| Augsburg im 16. Jahrhundert. |
Das Drucken dieser Werke war ein Spiel mit dem Feuer. Auf die Verbreitung von Täuferschriften stand im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Ulhart entging diesem Schicksal oft nur, weil er keine Namen auf die Titelblätter setzte. Er wurde jedoch mehrfach verhört, behauptete aber stets, er habe nur Aufträge ausgeführt, ohne den ketzerischen Inhalt im Detail zu prüfen. Seine Bedeutung für die Augsburger Wirtschaft schützte ihn vermutlich vor dem Schlimmsten.
| Druck-Erzeugnis von Ulhart. |
P.S.: Der abgebildete Kalender zählt zu der Sammlung von Einblattdrucken in der Bayerischen Staatsbibliothek. Diese umfasst etwa 20.000 Drucke vom 15. bis 20. Jahrhundert, darunter frühneuzeitliche Flugblätter und über 300 Einblattdruck-Kalender mit Schwerpunkt auf dem 15. und 16. Jahrhundert. Die Sammlung ist eine der größten in Europa.
Bericht über die Augsburger Druckkunst, verfasst von Ulrich Hohoff (Uni-Bibliothek Augsburg), ist hier zu lesen.
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