| Fahrradfahrer sollten in Augsburg gefahrlos unterwegs sein können. (Dieses Bilde wurde von KI Gemini gestaltet |
Wir bekamen eine Mitteilung der Bürgeraktion des Augsburger Stadtteils Pfersee:
Irrlichternde Planungen am Beispiel Pfersee
Der Vertrag zum Augsburger Radentscheid bindet die Stadt noch bis Juli 2026. Ob und wie er danach fortgeführt wird, ist derzeit völlig offen. Ebenso unklar ist, ob die verschiedenen Radverkehrsplanungen der Stadt überhaupt untereinander, oder gar mit anderen Fachplanungen, abgestimmt sind.
Unser Eindruck: Sie sind es nicht.
Derzeit existieren zeitgleich mindestens drei unterschiedliche Planungsgrundlagen zum Radverkehr:die Radverkehrs-Netzplanung des Büros Kaulen (2015)
der derzeit in Aufstellung befindliche Mobilitätsplan
das Radvorrangroutennetz (2025), das bereits deutlich hinter dem Zeitplan zurückliegt – und ohne Formulierung von Ausbaustandards
Statt sich zu ergänzen, ignorieren sich diese Konzepte. Eine verbindliche Priorisierung oder eine übergeordnete Steuerung ist nicht erkennbar.
Besonders deutlich wird dieses Problem im Stadtteil Pfersee.
Der Kaulen-Plan von 2015 baut im Wesentlichen auf zwei Fahrradstraßen:
eine im Süden (bereits umgesetzt) und eine im Norden (seit 2005 geplant, aber bis heute nicht realisiert).
Der Mobilitätsplan übergeht diese Achsen komplett. Zwar erkennt er Handlungsbedarf im Bereich Stadtteilzentrum und Bahnhof, dafür ignoriert er die klaffende Radnetzlücke um den Westfriedhof und hieft für den Radverkehr ausgerechnet die abgasgeschwängerte Bürgermeister-Ackermann-Straße als neue Hauptachse auf’s Podest.
Das Radvorrang-Routennetz wiederum setzt nur auf die bestehende Fahrradstraße vom Sheridan-Areal über die Schießstätten- und Rosenaustraße in die Innenstadt.
Mögliche Radvorrangroute trifft auf Haltestellenplanung
Laut Nahverkehrsplanung ist im Bereich der Einmündung Schießstätten-/Rosenaustraße mit zusätzlichen Bushaltestellen zu rechnen, die mit der Radvorrangroute an einem neuralgischen Punkt kollidieren. Offenbar ist dieser Umstand im Tiefbauamt schon aufgefallen. Denn während dem Bauausschuss im Dezember für die Einmündung Schletterer-/Rosenaustraße ein Detailplan präsentiert wurde, begnügte man sich gleichzeitig für die Schießstättenstraße mit einem Stadtplanausschnitt.
Wir halten als Ausbaustandard für Radvorrangrouten eine Radwegbreite für erforderlich, die mindestens das Überholvorgänge oder sicheres Nebeneinanderfahren von Eltern und Kindern ermöglicht. Heißt, beidseits ca. mindestens 3 m breite Radwege, wo sollen da noch behindertengerechte Haltestellen mit Wartehäuschen Platz finden?
Linie-6-Lückenschluss: losgelöst von allen Fachplanungen
Vollends irritierend ist, dass der sogenannte „provisorische“ Lückenschluss der Straßenbahnlinie 6 vom Bahnhofswestportal bis zur Luitpoldbrücke offenbar völlig unabhängig von allen drei Radverkehrsplanungen umgesetzt werden soll.
Dabei hätte dieser Abschnitt massive Auswirkungen auf die wichtigste Radverbindung aus Pfersee in die Innenstadt.
Der Kaulen-Plan sieht die Pferseer Straße samt Unterführung ausdrücklich als Radhauptverbindung Richtung Innenstadt vor – entsprechend der politischen Entscheidung, den Radverkehr nicht durch den neuen Bahnhofstunnel zu führen.
Tatsächlich wird die Pferseer Straße dafür bislang aber nicht ansatzweise ertüchtigt.
Besonders problematisch ist die neue Gleisführung im Bereich der Kreuzung Pferseer-/Rosenaustraße.
Die Straßenbahngleise schwenken dort nahezu bis an die nördliche Gehsteigkante aus. Für stadtauswärts fahrende Radfahrer entsteht dadurch eine massive Gefährdungssituation.
Dabei wäre diese Lösung planerisch keineswegs zwingend.
Nach § 15 BOStrab dürfen Kurvenradien und Entwurfsgeschwindigkeiten ausdrücklich an die jeweilige Straßenraumnutzung und die städtebauliche Situation angepasst werden. Kleinere Radien und geringere Geschwindigkeiten sind also rechtlich und technisch zulässig.
Mit anderen Worten: Die aktuelle Gleisgeometrie ist keine technische Notwendigkeit – sondern eine planerische Entscheidung zulasten der Radverkehrssicherheit.
Mit geringeren Kurvenradien könnte die Straßenbahn kostensparend in die bestehenden Gleise der bereits auf Tempo 30 reduzierten Pferseer Straße einschwenken. Das würde beiden Verkehrsträgern gerecht.
Aus Gründen des Lärmschutzes ist Tempo 30 auch für die Rosenaustraße zu erwarten.
Fazit der Bürgeraktion Pfersee:
In Augsburg werden derzeit mehrere Radverkehrsstrategien parallel verfolgt, ohne sie sauber miteinander zu verzahnen. Im Ergebnis entstehen neue Konflikte, neue Gefahrenstellen und neue Zielwidersprüche.Für Außenstehende entsteht der Eindruck:
Entweder fehlt der Stadt die zentrale Steuerung ihrer eigenen Verkehrsplanung – oder sie wird nicht wahrgenommen.
Beides ist kein akzeptabler Zustand.
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