Wie das Staatstheater Augsburg mit der VR-Brille mein Wohnzimmer eroberte!

Unsere Autorin mit VR-Brille des Staatstheaters Augsburg.
Beim Betrachten des "Sandmanns".
(Foto: lima423)



Neulich hatte ich einen Theatertermin der besonderen Art: kein Anstehen an der Garderobe, keine Parkplatzsuche, dafür eine VR-Brille auf der Nase. Das Staatstheater Augsburg schickt die Bühne jetzt per Post direkt nach Hause. Ein Selbstversuch zwischen Hochkultur und Heimeligkeit sowie meiner Neugierde auf Neues.


Gleich vorweg: Theater ist ein Gemeinschaftserlebnis. Allein vor der virtuellen Bühne ist es zwar hochspannend, doch mit einer Gruppe Gleichgesinnter wäre der Spaßfaktor sicher noch höher ausgefallen. Trotzdem: Diese digitale Reise, die für mich mit einem Paketversand vor ein paar Tagen begann, war eines der spannendsten Kulturerlebnisse der letzten Jahre.

Dresscode: Zwischen Pyjama und Abendgarderobe


Ich erinnerte mich an eine Studienfreundin, die sich selbst für Opernübertragungen im Fernsehen immer schick anzieht. Mein Tipp für das perfekte VR-Erlebnis: Schaffen Sie Atmosphäre. Ein passendes Outfit, ein kühler Drink mit oder ohne Alkohol vorab und – ganz wichtig – ein Drehstuhl. Letzterer ist kein Luxus, sondern überlebenswichtig, um in der 360-Grad-Welt nicht den Anschluss zu verlieren. Es geht allerdings auch ohne.

Wenn Marionetten lebendig werden


Auf dem Spielplan stand E.T.A. Hoffmanns Grusel-Klassiker »Der Sandmann«. Regisseur Florian Moch (Text & Puppenbau) ist hier etwas Außergewöhnliches gelungen. Er lässt das Augsburger Ensemble mit den legendären Marionetten der Augsburger Puppenkiste verschmelzen.
Die darstellerische Leistung ist grandios. Julius Kuhn spielt den Nathanael mit einer beängstigenden Intensität, während Katja Sieder den Spagat zwischen der vernünftigen Clara und der starren Puppe Olimpia perfekt meistert. Akustisch gekrönt wird das Ganze durch die Erzählstimme von Mechthild Großmann. Mit ihrem markanten, tiefen Timbre zieht sie den Zuschauer unweigerlich in den Sog des Wahnsinns. Auch Andreas Ströbl, Stefan Schmieder und die Stimme von KS Klaus Müller tragen zur unheimlichen Dichte bei.



Inklusion als digitaler Standard


Besonders beeindruckend ist das Engagement in Sachen Barrierefreiheit. Die Audiodeskription, gesprochen von Ute Fiedler nach einem Konzept von Claudia Böhme, ist exzellent und macht das Stück auch für Menschen mit Sehbehinderung uneingeschränkt empfehlenswert. Das ist modernes Theater, das niemanden ausschließt. Sie können das Stück auch mit Gebärdensprache bestellen, sowie mit deutschen oder englischen Untertiteln.

So funktioniert das VR-Theater


Damit Sie wissen, was Sie erwartet, hier die technischen Eckdaten:
Exklusives Format: Das Stück wurde vom Staatstheater Augsburg extra für die VR-Brille produziert. Es ist also kein einfacher Mitschnitt, sondern ein echter Theaterfilm (Dauer: 35 Minuten).

Flexibilität: Man kann das Video mit einer geliehenen oder der eigenen VR-Brille ansehen.
Für Schulen: Mit speziellen Schulkoffern wird der Deutschunterricht zum interaktiven Highlight.
Mehr Infos unter: Diese Produktion ist über den vr@home-Versand und über das Streaming auf die eigene VR-Brille verfügbar.


Ein Zukunftsmodell für alle – Jetzt bestellen!


Das Staatstheater Augsburg bietet hier ein Rundum-Sorglos-Paket an, das High-Tech und Hochkultur direkt an Ihre Haustür liefert. Es ist mutig, modern und ermuntert mich zur Wiederholung, egal ob Krimi (»Solo«), Ballett (»kinesphere«) oder Klassiker, das Repertoire ist beachtlich.

Infos & Bestellungen: Staatstheater Augsburg, Rathausplatz 1, 86150 Augsburg Web: www.staatstheater-augsburg.de/vr-theater
Mein Fazit: Kultur braucht keinen festen Sitzplatz, nur eine gute Brille und einen bequemen Drehstuhl!

Bericht: Lina Mann

Fotos, wenn nicht anders angegeben: Jan-Pieter Fuhr

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