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| Unsere Carla Kolumna verteilt eifrig Karten wie diese. Ihr Erfolg: Unverständnis bis offene Aggression |
Von Autofahrern, die ohne Berechtigung nur „kurz“ auf Behindertenparkplätze parken wollen.
"Inklusion" – spätestens seit 2012 ist dieser Begriff in den Medien allerorten zu finden. Inklusion wurde zu einem Kernthema gesellschaftlicher Auseinandersetzung und nicht nur durch die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung von 2008 zu einem Postulat für Umdenken und tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Doch wie sieht es denn bei uns vor Ort in Augsburg aus? Unsere Reportage will zeigen, dass inklusives Handeln nicht nur nach großen politischen Forderungen ruft, sondern dass auch mit kleinen Schritten Großes bewirkt werden kann. Angefangen beim „Shoppen“ oder beim „Nur mal schnell zur Bank gehen“. Hier geht es nämlich um Behindertenparkplätze.
Im letzten Jahr wurden nahezu 7000 Autofahrer verwarnt, weil sie unberechtigt auf Behindertenparkplätzen geparkt hatten. Dabei handelt es sich lediglich um einen Bruchteil der tatsächlichen Verstöße, da nur wenige überhaupt kontrolliert werden. Die deutliche Kritik des Behindertenbeauftragten an diesem respektlosen Verhalten ist daher mehr als nachvollziehbar. Manche Parkkontrolleure greifen inzwischen zu ungewöhnlichen Mitteln und hinterlassen Zettel mit der provokanten Botschaft: „Sie stehen auf meinem Parkplatz – wollen Sie auch meine Behinderung übernehmen?“
Gerade am Augsburger Hauptbahnhof sind leider viel zu oft einer der beiden Behindertenparkplätze oder gleich Beide unerlaubt besetzt. Weil häufig auch Autofahrer ohne Berechtigung dort „kurz parken“ wollen, bergen sie ein großes Konfliktpotenzial. „Spricht man als Betroffener mit Behinderung oder als deren Begleiter solche Falschparker an, werden diese oft frech oder aggressiv“, berichtet eine Betroffene. „Die Situation steht immer kurz vor einer Eskalation.“
Ja, wenn Menschen mit Behinderung Falschparkerinnen und Falschparker ansprechen, stoßen sie häufig auf besonders dreiste und unehrliche Rechtfertigungen. Aussagen wie „Ich war doch nur zwei Minuten hier“ oder „Ich musste nur kurz zum Bäcker“ sind dabei an der Tagesordnung. Genau das würden die Besitzerinnen und Besitzer eines Parkausweises oft selbst gern tun, wenn es ihnen denn möglich wäre. Doch das scheitert regelmäßig daran, dass die ausgewiesenen Parkplätze von Unbefugten blockiert werden. Wer weiter nachfragt, wird nicht selten beschimpft. Ein echtes Unrechtsbewusstsein fehlt vielen völlig, und wenn es doch vorhanden ist, schlägt es bei den Falschparkenden häufig in Aggression um.
Was wir brauchen, ist eine ebenso witzige wie spektakuläre Aktion, die nicht untergeht im täglichen Verkehrschaos. Ziel7 einer solchen Aktion sollte nicht nur sein, dass die Polizei und die Parküberwachung aus ihrer Lethargie gerissen werden, sondern auch der Öffentlichkeit klarzumachen, dass es kein Kavaliersdelikt ist, sich unberechtigt auf einen Behindertenparkplatz zu stellen, sondern eine Rücksichtslosigkeit gegenüber allen Menschen mit Behinderung.
In Regensburg hat der Inklusionsbeauftragte das schon einmal mit einer witzigen Aktion vorgemacht. Hier wurde kurzerhand der Spieß umgedreht und in der Stadt Rollstühle auf ganz normalen Parkplätzen geparkt, jeweils mit Zetteln dran, auf denen dann stand „Bin kurz zum Kaufland“, „Bin gleich wieder da“, „Bin nur kurz einen Kaffee trinken“. Die Aktion hat in ganz Bayern für große Aufmerksamkeit gesorgt. So etwas wäre für Augsburg auch großartig, oder?
Ihre Carla Kolumna

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