Blaulicht Party am Kö:
Wenn die Polizei den Subkultur-Club crasht
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| Auch im neuen Jahr 2026 hat der Augsburger City-Club viel vor. |
Eher so mittelgeil gelaufen für die Party-Crowd am Königsplatz. In der Bert Brecht Stadt gab es im City Club statt fetten Beats nämlich nur helles Blaulicht. Die Polizei Augsburg ist mit gefühlt halb Bayern eingerückt, um mal ordentlich durchzulüften. Insider vermuten eine Drogen-Razzia.
200 Beamte für 200 Gäste, das ist mal ein Betreuungsschlüssel, von dem Kindergärtner nur träumen können. In der Konrad Adenauer Allee 9 war also richtig Alarm, während die Beamten die Taschen der Gäste auf links gedreht haben.
Die Staatsanwaltschaft wollte wohl mal sehen, was in Augsburg so alles unter der Ladentheke wandert. Das Ergebnis der Aktion war jedoch eher überschaubar. Ein paar Päckchen verbotenes Zeug und Kids, die um die Uhrzeit eigentlich schon von der Mutti ins Bett gebracht gehören.
Im Netz geht es jetzt natürlich richtig rund, besonders auf der Plattform Reddit wird gelästert, ob dieser massive Aufwand nicht eher eine künstlerische Performance in Sachen Steuerverschwendung war. Die Polizei feiert sich trotzdem für den Schlag gegen die Szene, während die Clubber über die Verhältnismäßigkeit dieser Blaulicht Invasion am Kö den Kopf schütteln.
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| Der Augsburger City-Club am Kö hat sich bisher vor allem als Künstler-Kneipe mit viel Kultur hervorgetan. |
Kleiderordnung am Kö: Wenn die Polizei zum Striptease bittet
In der Bert-Brecht-Stadt Augsburg war am Wochenende ordentlich was los, aber leider nicht die Art von Party, die man sich wünscht. Rund 200 Polizisten stürmten den City Club in der Konrad Adenauer Allee 9. Dass bei 200 Gästen und 200 Beamten theoretisch jeder seinen eigenen persönlichen "Tanzpartner" in Uniform hatte, sorgt in Augsburg gerade für reichlich Gesprächsstoff.
Wie liefen die Kontrollen ab?
Mussten sich einige Gäste vor der Polizei ausziehen? Gerüchte gibt's dazu. Offiziell bestätigt ist ein massenhaftes Ausziehen bisher nicht. Die Polizei spricht in ihren Berichten von "umfassenden Personenkontrollen". Das bedeutet in der Regel: Taschen leeren, Abtasten und Ausweise checken. Dass Gäste sich bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen, ist rechtlich eine sehr hohe Hürde. So etwas passiert normalerweise nur bei einem konkreten Tatverdacht gegen eine einzelne Person und dann in einem blickgeschützten Bereich.
Dennoch berichten Augenzeugen auf Plattformen wie Reddit von einer extrem einschüchternden Atmosphäre. Viele empfanden "das Durchwühlen privater Sachen und das stundenlange Festhalten als massiven Übergriff" auf ihre Privatsphäre.
| Reaktion von Die Linke auf die Razzia. CC ist die Abkürzung für City Club. |
Das sagen die anderen dazu:
Die Ballonfabrik: Aus der Ballonfabrik in der Austraße hört man deutliche Solidaritätsbekundungen. Dort sieht man den Einsatz als Teil einer Strategie, die alternative Kulturszene in Augsburg mürbe zu machen. Es wird befürchtet, dass solche "Show-Razzien" Gäste abschrecken und die Existenz der Clubs bedrohen.
Die Politik: Während die CSU den Einsatz als notwendiges Übel im Kampf gegen Drogen und für den Jugendschutz verbucht (schließlich wurden ja Betäubungsmittel und Minderjährige gefunden), bereitet die Opposition schon die Messer vor. Die Linke und die Grünen fordern eine genaue Aufarbeitung der Verhältnismäßigkeit. Ein Aufgebot dieser Größe für einen Club, der eigentlich für sein Awareness-Konzept bekannt ist, hinterlässt bei vielen einen faden Beigeschmack.
Club-Management: Das Team vom City Club hält sich aktuell noch mit einem detaillierten Statement zurück, da sie die rechtlichen Schritte prüfen. Sie betonen aber schon jetzt, dass sie den Jugendschutz ernst nehmen und mit den Behörden kooperieren, auch wenn sie vom Ausmaß der Razzia überrumpelt wurden.
Die Augsburger CSU: "Razzia ist notwendiges Übel."
Lisa McQueen: Zwischen Brechtfestival und BlaulichtStadträtin Lisa McQueen von DIE PARTEI ist aktuell ohnehin die zentrale Figur im Augsburger Kulturclash. Erst vor wenigen Tagen sorgte ihre Ausladung vom Brechtfestival unter dem Motto „Alle – außer Lisa“ für einen handfesten Skandal. Das Kulturamt entzog ihr die Zusage für den Betrieb einer Bar im Festival-Zentrum, was viele als politisches Manöver im laufenden Wahlkampf werten.
Stadträtin Lisa McQueen (DIE PARTEI): "... ist klar, dass Kulturorte wie der City Club am Königsplatz nicht als Sündenböcke für eine verfehlte Drogenpolitik herhalten dürfen." Obwohl ein ganz frisches, exaktes Zitat von ihr zur Razzia im City Club noch in der Mache ist, lässt ihr Umfeld keinen Zweifel an ihrer Haltung. McQueen gilt als lautstarke Verteidigerin alternativer Räume. Ihre Unterstützer und Weggefährten sehen in der Razzia eine Fortsetzung der „Gängelung“, die sie gerade selbst beim Brechtfestival erfährt. Für McQueen ist klar, dass Kulturorte wie der City Club am Königsplatz nicht als Sündenböcke für eine verfehlte Drogenpolitik herhalten dürfen.
Die Linke: Wahlkampfmanöver statt Sicherheit
Die Partei Die Linke schlägt in dieselbe Kerbe. In der Augsburger Subkultur und in den Gremien der Partei wird die Razzia als „Show Veranstaltung“ abgestempelt.
Der Vorwurf: Man wirft der Stadtregierung und der Staatsanwaltschaft vor, mit dem 200 Mann starken Aufgebot kurz vor der Kommunalwahl Stärke demonstrieren zu wollen.
Die Kritik: Ähnlich wie bei früheren Einsätzen in der „Ganzen Bäckerei“ oder dem Hans Beimler Zentrum wird die Verhältnismäßigkeit angeprangert. Ein Aufgebot von einem Polizisten pro Gast wird als massive Einschüchterung der Szene gewertet.
O-Töne aus der Szene: DJ Alina Viktoria, die der linken Kulturszene nahesteht, machte ihrem Ärger auf Instagram bereits Luft. Sie sprach von „unverhältnismäßigen Maßnahmen“ und einem „gezielten Druck auf alternative Kulturorte“, der in Zeiten eines spürbaren Rechtsrucks besonders beunruhigend wirke.
Die Linke fordert eine lückenlose Aufklärung darüber, warum für die Suche nach Kleinstmengen an Betäubungsmitteln ein derartiger personeller Overkill notwendig war. In der Bert Brecht Stadt scheint der Graben zwischen der Clubkultur und den Ordnungsbehörden tiefer denn je zu sein.
"Gezielte Kriminalisierung!"Anna Rasehorn: "Völlig überzogen!"
Anna Rasehorn, SPD-Landtagsabgeordnete aus Augsburg, kritisierte aus ihrem Mutterschutz heraus den Polizeieinsatz im Augsburger City-Club sehr deutlich. In einer offiziellen Stellungnahme äußerte sie sich wie folgt:
„Dass bewaffnete Polizistinnen und Polizisten in einen Club stürmen, die Musik ausmachen und Gäste sowie Personal kontrollieren, ohne dass eine konkrete Gefahr vorlag, ist für mich nicht nachvollziehbar.“
Zudem bezeichnete Rasehorn das Vorgehen als „völlig überzogen“ und sprach von einer „Einschüchterung der Gäste“. Sie kritisierte, dass solche Kontrollen wie eine „gezielte Kriminalisierung von Nachtkultur und jungen Menschen“ wirken würden, die lediglich friedlich feiern wollten. Rasehorn betonte in diesem Zusammenhang, dass die Verhältnismäßigkeit bei solchen Kontrollaktionen gewahrt bleiben müsse und forderte eine politische Aufarbeitung des Vorfalls.
Ein Video zu dieser Razzia ist hier zu sehen.(Screen-Shot) - - -In Augsburg scheint eine Razzia die nächste zu jagen!
In Augsburg gab es in den letzten Jahren mehrere umfangreiche Polizeieinsätze und Razzien, die unterschiedliche Bereiche von der organisierten Kriminalität bis hin zur politischen Szene betrafen. Hier ist eine Übersicht der bedeutendsten Ereignisse:2026
- Bordell Colosseum (Januar): Verdacht auf Menschenhandel.
- AfD-Büro (Februar 2026): Verdacht auf Untreue bei Fraktionsgeldern.
2025
Organisierte Kriminalität und Waffenhandel (Herbst 2025): Im Rahmen von Ermittlungen gegen kriminelle Strukturen kam es im Stadtgebiet, insbesondere in den Stadtteilen Oberhausen und Lechhausen, zu koordinierten Durchsuchungen. Dabei wurden illegale Waffen und größere Mengen Bargeld sichergestellt.
Drogenhandel im öffentlichen Raum (Sommer 2025): Mehrfach führte die Polizei Augsburg Schwerpunktkontrollen und kleinere Razzien in Parkanlagen und bekannten Treffpunkten durch, um die offene Drogenszene zu bekämpfen.
2024
Alternative Szene / „Ganze Bäckerei“ (September 2024): Ein politisch stark diskutierter Einsatz betraf die Räumlichkeiten des Vereins „Ganze Bäckerei“. Die Durchsuchung stand im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Aktivisten aus der linken Szene. Kritiker warfen den Behörden damals Unverhältnismäßigkeit vor.
Wirtschaftskriminalität (Frühjahr 2024): Es gab mehrere Durchsuchungen in Augsburger Firmen und Privatwohnungen wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug im Zusammenhang mit Corona-Hilfen.
2023
„Letzte Generation“ (Mai 2023): Im Rahmen einer bundesweiten Razzia gegen die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ wurde auch eine Wohnung in Augsburg durchsucht. Der Vorwurf der Generalstaatsanwaltschaft München lautete auf Bildung einer kriminellen Vereinigung.
Illegales Glücksspiel (März 2023): In einer konzertierten Aktion nahmen Ermittler mehrere Shisha-Bars und Cafés in der Augsburger Innenstadt und in Pfersee unter die Lupe. Dabei wurden illegale Spielautomaten beschlagnahmt und Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung eingeleitet.
Gefälschte Impfpässe (Januar 2023): Anfang 2023 gab es noch Nachwirkungen der Pandemie-Maßnahmen. Razzien richteten sich gegen Personen und Arztpraxen, die in den Verdacht geraten waren, gefälschte Impfzertifikate ausgestellt oder genutzt zu haben.
Zeigen diese Einsätze, dass die Schwerpunkte der Augsburger Ermittlungsbehörden in den letzten Jahren vor allem auf der Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität, der Kontrolle des Rotlichtmilieus sowie der Überprüfung politisch aktiver Gruppierungen lagen?


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