Blaulicht Party am Kö:
Wenn die Polizei den Subkultur-Club crasht
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| Auch im neuen Jahr 2026 hat der Augsburger City-Club viel vor. |
Eher so mittelgeil gelaufen für die Party-Crowd am Königsplatz. In der Bert-Brecht-Stadt gab es im City Club statt fetten Beats nämlich nur helles Blaulicht. Die Polizei Augsburg ist mit gefühlt halb Bayern eingerückt, um mal ordentlich durchzulüften. Insider vermuten eine Drogen-Razzia.
200 Beamte für 200 Gäste, das ist mal ein Betreuungsschlüssel, von dem Kindergärtner nur träumen können. In der Konrad Adenauer Allee 9 war so richtig Alarm-Stimmung, während die Beamten die Taschen der Gäste auf links gedreht haben.
Die Staatsanwaltschaft wollte wohl mal sehen, was in Augsburg so alles unter der Ladentheke wandert. Das Ergebnis der Aktion war jedoch eher überschaubar. Ein paar Päckchen verbotenes Zeug und zwei, drei Kids, die um die Uhrzeit eigentlich schon von der Mutti ins Bett gebracht gehören.
Im Netz geht es jetzt natürlich richtig rund, besonders auf der Plattform Reddit wird gelästert, ob dieser massive Aufwand nicht eher eine künstlerische Performance in Sachen Steuerverschwendung war. Die Polizei feiert sich trotzdem für den Schlag gegen die Szene, während die Clubber über die Verhältnismäßigkeit dieser Blaulicht Invasion am Kö den Kopf schütteln.
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| Der Augsburger City-Club am Kö hat sich bisher vor allem als Künstler-Kneipe mit viel Kultur hervorgetan. |
Kleiderordnung am Kö: Wenn die Polizei zum Striptease bittet
In der Bert-Brecht-Stadt Augsburg war am Wochenende ordentlich was los, aber leider nicht die Art von Party, die man sich wünscht. Dass bei 200 Gästen und 200 Beamten theoretisch jeder seinen eigenen persönlichen "Tanzpartner" in Uniform hatte, sorgt nicht nur in Augsburg gerade für reichlich Gesprächsstoff.
Wie liefen die Kontrollen ab?
Mussten sich einige Gäste vor der Polizei ausziehen? Gerüchte gibt's dazu. Offiziell bestätigt ist ein massenhaftes Ausziehen bisher nicht. Die Polizei spricht in ihren Berichten von "umfassenden Personenkontrollen". Das bedeutet in der Regel: Taschen leeren, Abtasten und Ausweise checken. Dass Gäste sich bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen, ist rechtlich eine sehr hohe Hürde. So etwas passiert normalerweise nur bei einem konkreten Tatverdacht gegen eine einzelne Person und dann in einem blickgeschützten Bereich.
Dennoch berichten Augenzeugen auf Plattformen wie Reddit von einer extrem einschüchternden Atmosphäre. Viele empfanden "das Durchwühlen privater Sachen und das stundenlange Festhalten als massiven Übergriff" auf ihre Privatsphäre.
Der Cirty-Club will mit der Anwältin Martina Sulzberger rechtlich gegen diese Razzia vorgehen.
| Reaktion von Die Linke auf die Razzia. CC ist die Abkürzung für City Club. |
Das sagen die anderen dazu:
Die Ballonfabrik: Aus der Ballonfabrik in der Austraße hört man deutliche Solidaritätsbekundungen. Dort sieht man den Einsatz als Teil einer Strategie, die alternative Kulturszene in Augsburg mürbe zu machen. Es wird befürchtet, dass solche "Show-Razzien" Gäste abschrecken und die Existenz der Clubs bedrohen.
Die Politik: Während die CSU den Einsatz als notwendiges Übel im Kampf gegen Drogen und für den Jugendschutz verbucht (schließlich wurden ja Betäubungsmittel und Minderjährige gefunden), bereitet die Opposition schon die Kritik-Messer vor. Die Linke und die Grünen fordern eine genaue Aufarbeitung der Verhältnismäßigkeit. Ein Aufgebot dieser Größe für einen Club, der eigentlich für sein Awareness-Konzept bekannt ist, hinterlässt bei vielen einen faden Beigeschmack.
Club-Management: Am Samstag, den 31.01.2026, kam es in den Räumlichkeiten des City Clubs sowie dem gesamten Haus in der Konrad-Adenauer-Allee 9 zu einem großangelegten Polizeieinsatz mit mehr als 200 Einsatzkräften. Den Ablauf und Umfang der Aktion verurteilen wir als Kollektiv und Betreiber*innen des City Clubs aufs Schärfste.
Gegen 20:40 wurde das Haus von mehreren Seiten von Einsatzkräften gestürmt. Gäste sowie Mitarbeitende wurden daraufhin über mehrere Stunden hinweg festgehalten, ohne dass ihnen hierfür eine Begründung genannt wurde. Ein Durchsuchungsbeschluss wurde den Mitarbeitenden an den Bars auch nach mehrmaligem Nachfragen zu keinem Zeitpunkt an dem Abend vorgelegt. Der Betreiber und eingetragene Geschäftsführer der blausky GmbH, welche den Club betreibt, erhielt erst am Ende des fünfstündigen Einsatzes einen Durchsuchungsbeschluss von der Staatsanwaltschaft.
Der Maßnahme lag der Vorwurf der Begehung von Straftaten im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln zu Grunde.
Sebastian Demmer, der Geschäftsführer, sagt hierzu: "Ich habe mit dem Konsum, Besitz oder der Weitergabe von Drogen nichts zu tun. Auch in unseren Räumlichkeiten wird der Konsum von illegalen Betäubungsmitteln nicht geduldet."
Als vollkommen unverhältnismäßig und besorgniserregend wurden von Seiten des Clubs die Bedingungen eingestuft, unter denen sich einige der anwesenden Personen wiederfanden: Mehrere Gäste mussten sich über längere Zeit im Außenbereich aufhalten und durften diesen trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht verlassen.
Besonders hervorzuheben ist, dass auch Stockwerke und Räume von Privatpersonen und Vereinen wie dem theter e.V. durchsucht wurden, welche nicht vom vorliegenden Durchsuchungsbeschluss erfasst waren und auch nicht der blausky GmbH zuzuordnen sind.
Demmer schildert den Ablauf wie folgt: "Ich habe mich direkt zu Beginn gegenüber einem Beamten als Geschäftsführer zu erkennen gegeben und angeboten, sämtliche Schlüssel zur Verfügung zu stellen. Trotz dieses Angebots wurden alle Räume gewaltsam geöffnet, wodurch ein riesiger, vermeidbarer Sachschaden entstanden ist."
Dieses Vorgehen wirft aus unserer Sicht erhebliche Fragen zur Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit des Einsatzes auf. Neben den psychischen Belastungen für Gäste und Mitarbeitende wird der Einsatz wohl auch gravierende wirtschaftliche Folgen haben. Am betroffenen Abend entstand durch den frühen Abbruch ein enormer Umsatzausfall. Am darauffolgenden Sonntag musste das Café geschlossen bleiben. Mitarbeitende sind unmittelbar vom Ausfall ihrer Arbeitszeit betroffen. Wie sich diese Situation langfristig auf den Betrieb auswirken wird, ist derzeit ungewiss. Als subkulturelle Institution, die – wie
viele andere Kulturstätten – unter den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen ohnehin schon ständig ums Überleben kämpfen muss, ist ein derart willkürlicher und gewaltvoller Einsatz eine außerordentliche, zusätzliche Belastung.
Wir möchten weiterhin Stellung beziehen zu den benannten "Beweismitteln" und "Festnahmen" im Pressebericht der Polizei: Es handelt sich bei den festgenommenen Personen weder um Mitarbeiter*innen, noch wurden Betäubungsmittel in den Räumlichkeiten des Clubs sichergestellt. Eine derart schwammige Darstellung der Tatbestände bestärkt ein Narrativ von Seiten der Polizei, den Einsatz zu rechtfertigen, ohne den tatsächlichen Umständen gerecht zu werden. Bei den sichergestellten Datenträgern handelt es sich unter anderem auch um unsere Kassensysteme und Kartenzahlungsgeräte sowie die privaten Handys derjenigen Kolleg*innen, die an diesem Abend Schicht hatten.
Als City Club Kollektiv möchten wir aber auch auf die positiven Aspekte des Abends hinweisen, soweit davon die Rede sein kann. Menschen, die draußen vor Ort waren, nahmen jene, die aus den Kontrollen rauskamen, in Empfang, es wurde sich umeinander gekümmert und Menschen, die unter Schock standen, soweit wie möglich – trotz mangelnder psychischer Betreuung von Seiten der Einsatzkräfte – von den Umstehenden aufgefangen. Eine spontane Kundgebung in Solidarität mit dem CC und linken Subkulturorten im Allgemeinen fand während des Einsatzes friedlich nahe des Hauses mit mehreren Dutzend Teilnehmenden statt. Mit Songs und Rufen in Richtung der Menschen, die im Haus festgehalten wurden, wurde so spontan Unterstützung signalisiert. Auch ein Crowdfunding wurde noch in der Nacht durch Lisa McQueen, Freundin des City Clubs und Vorständin des Schöne Felder e.V., ins Leben gerufen und von mehreren hundert Menschen unterstützt.
"So schlimm, schockierend und unverständlich diese Aktion gerade für uns ist, berührt es uns auch zutiefst, wie viel Solidarität und Unterstützung es in Augsburg und darüber hinaus für uns und diesen Ort gibt. Wir hätten nie gedacht, dass sich so schnell noch in der Nacht so viele Menschen für uns einsetzen, spenden, Beiträge auf Social Media teilen,… Das bestärkt uns auch darin, nicht aufzugeben, weiterzukämpfen für den City Club und die Subkultur in Augsburg. Jede Stadt braucht Räume, in denen sich Menschen vernetzen können, sich aufgehoben fühlen, austauschen und Kultur erleben dürfen – vor allem im Kontext immer stärker werdender ultra-konservativer und reaktionärer Tendenzen. Und am Ende zeigen Aktion wie diese auch: Es wird immer Menschen geben, die für genau diese Räume kämpfen!" – City Club / Svenja Tietze, Mitarbeiterin
SCHLECHTES AUGSBURG-BILD IN GANZ DEUTSCHLANDDer Vorwurf der Machtdemonstration
„Das stundenlange Festhalten von Gäst*innen, unnötige Gewalt und ein massiv überzogenes Polizeiaufgebot wirkten nicht deeskalierend, sondern wie eine gezielte Machtdemonstration. In diesem Moment geh
t es nicht mehr um Sicherheit, sonde rn um Einschüchter ung. [...] Er beschädigt das fragile Ökosystem urbaner Kultur. Die Stadt und die Staatsanwaltschaft schulden der Öffentlichkeit eine Erklärung, nicht nur juristisch, sondern gesellschaftlich. Denn Kulturorte sind keine Kulissen, die man beliebig betreten und verwüsten kann. Sie sind Rä ume des Vertrauens. Augsburg steht für eine vielfältige Kultursze ne.“ (Neue Szene Augsburg) Kritik an der Verhältnismäßigkeit
„Die bisherige Informationspolitik von Staatsanwaltschaft und Polizei halten wir für unzureichend. Vage Formulierungen wie ‚Drogen im niedrigen dreistelligen Bereich‘ sind nicht geeignet, einen derart massiven Einsatz zu begrü
nden. Der Eindruck drängt sich auf, dass hier ein Exempel statuiert werden sollte. Vergleichbare Razzien in Bayern kennen wir nahezu ausschließlich aus Clubs des linken oder progressiven Spektrums. Razzien in dieser Größenordnung sind uns aus anderen gesellschaftlichen Bereichen, wie Festzelten oder High-Society-Events, nicht bekannt.“ (Club und Kulturkommission Augsburg e.V.) Kritik an der Verhältnismäßigkeit
„Hintergrund des Einsatzes waren langjährige Berichte über offenen Drogenkonsum und Handel in dem linksalternativ geprägten Club. Laut Mitteilung wurde eine mittlere zweistellige Zahl von Ermittlungsverfahren wegen Besitzes oder Handels mit Drogen eingeleitet, eine genaue Zahl nannte das Polizeipräsidium nicht. Die Beamten durchsuchten über mehrere Stunden sämtliche 263 Anwesenden, mehrere mussten sich ausziehen. Die Polizei verteidigt die Maßnahme hingegen als notwendigen Schritt zur Bekämpfung der lokalen Drogenkriminalität und meldet Funde von Kokain und Amphetaminen.“ (Radio Augsburg / dpa)Die politische Dimension
„Die Razzia im Augsburger City-Club hat eine Debatte über die Verhältnismäßigkeit polizeilicher Maßnahmen in der Clubkultur entfacht. Während die Ermittler auf langjährige Beobachtungen der Drogenszene verweisen, sehen Kritiker in dem massiven Aufgebot von 200 Beamten ein politisches Signal gegen alternative Lebensräume. SPD und Grüne im bayerischen Landtag fordern nun eine lückenlose Aufklärung darüber, warum friedlich Feiernde stundenlang festgesetzt wurden. Es steht die Frage im Raum, ob hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde, um kurz vor der Kommunalwahl Stärke zu zeigen.“ (Süddeutsche Zeitung)
Fokus der bayerischen Justiz auf die Subkultur
„Augsburgs alternative Szene steht unter Schock. Die Bilder von vermummten Polizisten in einem Ort, der als Safe Space für die queere und linke Community gilt, wirken wie ein Rückfall in autoritäre Zeiten. Augenzeugen berichten von einer Atmosphäre der Angst, die weit über eine normale Kontrolle hinausging. Dass dabei auch Räume eines benachbarten Theaterensembles ohne klaren Beschluss durchsucht worden sein sollen, gibt dem Einsatz einen besonders bitteren Beigeschmack. Der Vorwurf der gezielten Schikane gegen eine missliebige Subkultur wiegt schwer und setzt die Stadtregierung unter Druck.“ (Der Spiegel)
Die polizeiliche Bilanz
„Nach der Großrazzia im Augsburger City-Club verteidigen die Sicherheitsbehörden ihr Vorgehen entschlossen. Man habe nicht willkürlich gehandelt, sondern auf Basis fundierter Ermittlungen gegen den organisierten Drogenhandel. Die Sicherstellung von Kokain und Amphetaminen im dreistelligen Grammbereich sowie zahlreiche eingeleitete Strafverfahren seien der Beweis für die Notwendigkeit des Einsatzes. Dass dabei ein hoher personeller Aufwand betrieben wurde, diene dem Schutz der Beamten und der Sicherung von Beweismitteln in einem unübersichtlichen Umfeld. Law and Order bleibe in Bayern ein hohes Gut.“ (Die Welt)
Zur lokalen Empörung
„In Augsburg kochen die Emotionen hoch. Rund um den Königsplatz formierte sich bereits während des Einsatzes spontaner Protest gegen die Polizeiaktion im City-Club. Viele Bürger fragen sich, warum ein etablierter Kulturort mit einer solchen Härte angegangen wird, während andere Orte des öffentlichen Konsums scheinbar unbehelligt bleiben. Die Clubbetreiber beklagen nicht nur Sachschäden durch gewaltsam geöffnete Türen, sondern einen immensen Vertrauensverlust. Für Augsburg als Stadt der Vielfalt und des Miteinanders ist dieser Vorfall eine Zerreißprobe, die noch lange nachwirken dürfte.“ (Münchner Merkur)
Zur gesellschaftlichen Relevanz
„Was im City-Club geschah, ist mehr als eine lokale Polizeimeldung. Es ist eine Parabel auf den Umgang des Staates mit seinen Freiräumen. Wenn junge Menschen sich in ihrer Freizeit nackt ausziehen müssen, weil sie am falschen Ort zur falschen Zeit getanzt haben, ist die Grenze zur Demütigung überschritten. Die Verhältnismäßigkeit ist der Anker unseres Rechtsstaates. Geht dieser verloren, wird aus Schutz Einschüchterung. Augsburg muss sich nun fragen, wie viel Freiheit seine Kulturorte noch atmen dürfen, bevor sie unter dem Sicherheitsbedürfnis der Behörden ersticken.“ (Die Zeit)
Die Augsburger CSU: "Razzia ist notwendiges Übel."
Lisa McQueen: Zwischen Brechtfestival und BlaulichtStadträtin Lisa McQueen von DIE PARTEI ist aktuell ohnehin die zentrale Figur im Augsburger Kulturclash. Erst vor wenigen Tagen sorgte ihre Ausladung vom Brechtfestival unter dem Motto „Alle – außer Lisa“ für einen handfesten Skandal. Das Kulturamt entzog ihr die Zusage für den Betrieb einer Bar im Festival-Zentrum, was viele als politisches Manöver im laufenden Wahlkampf werten.
Stadträtin Lisa McQueen (DIE PARTEI): "... ist klar, dass Kulturorte wie der City Club am Königsplatz nicht als Sündenböcke für eine verfehlte Drogenpolitik herhalten dürfen." Obwohl ein ganz frisches, exaktes Zitat von ihr zur Razzia im City Club noch in der Mache ist, lässt ihr Umfeld keinen Zweifel an ihrer Haltung. McQueen gilt als lautstarke Verteidigerin alternativer Räume. Ihre Unterstützer und Weggefährten sehen in der Razzia eine Fortsetzung der „Gängelung“, die sie gerade selbst beim Brechtfestival erfährt. Für McQueen ist klar, dass Kulturorte wie der City Club am Königsplatz nicht als Sündenböcke für eine verfehlte Drogenpolitik herhalten dürfen.
Die Linke: Wahlkampfmanöver statt Sicherheit
Die Partei Die Linke schlägt in dieselbe Kerbe. In der Augsburger Subkultur und in den Gremien der Partei wird die Razzia als „Show Veranstaltung“ abgestempelt.
Der Vorwurf: Man wirft der Stadtregierung und der Staatsanwaltschaft vor, mit dem 200 Mann starken Aufgebot kurz vor der Kommunalwahl Stärke demonstrieren zu wollen.
Die Kritik: Ähnlich wie bei früheren Einsätzen in der „Ganzen Bäckerei“ oder dem Hans Beimler Zentrum wird die Verhältnismäßigkeit angeprangert. Ein Aufgebot von einem Polizisten pro Gast wird als massive Einschüchterung der Szene gewertet.
O-Töne aus der Szene: DJ Alina Viktoria, die der linken Kulturszene nahesteht, machte ihrem Ärger auf Instagram bereits Luft. Sie sprach von „unverhältnismäßigen Maßnahmen“ und einem „gezielten Druck auf alternative Kulturorte“, der in Zeiten eines spürbaren Rechtsrucks besonders beunruhigend wirke.
Die Linke fordert eine lückenlose Aufklärung darüber, warum für die Suche nach Kleinstmengen an Betäubungsmitteln ein derartiger personeller Overkill notwendig war. In der Bert Brecht Stadt scheint der Graben zwischen der Clubkultur und den Ordnungsbehörden tiefer denn je zu sein.
"Gezielte Kriminalisierung!"Anna Rasehorn: "Völlig überzogen!"
Anna Rasehorn, SPD-Landtagsabgeordnete aus Augsburg, kritisierte aus ihrem Mutterschutz heraus den Polizeieinsatz im Augsburger City-Club sehr deutlich. In einer offiziellen Stellungnahme äußerte sie sich wie folgt:
„Dass bewaffnete Polizistinnen und Polizisten in einen Club stürmen, die Musik ausmachen und Gäste sowie Personal kontrollieren, ohne dass eine konkrete Gefahr vorlag, ist für mich nicht nachvollziehbar.“
Zudem bezeichnete Rasehorn das Vorgehen als „völlig überzogen“ und sprach von einer „Einschüchterung der Gäste“. Sie kritisierte, dass solche Kontrollen wie eine „gezielte Kriminalisierung von Nachtkultur und jungen Menschen“ wirken würden, die lediglich friedlich feiern wollten. Rasehorn betonte in diesem Zusammenhang, dass die Verhältnismäßigkeit bei solchen Kontrollaktionen gewahrt bleiben müsse und forderte eine politische Aufarbeitung des Vorfalls. Schutzmaßnahmen wie Rettungsdecken wurden nicht bereitgestellt. Darüber hinaus berichten Betroffene von schmerzhaften körperlichen Zwangsmaßnahmen und entwürdigenden Situationen. Eine psychologische Betreuung wurde trotz erkennbarer Belastung einzelner Personen nicht angeboten. Sämtliche im Haus anwesende Personen wurden einzeln kontrolliert und mussten sich bis auf die Unterwäsche und teils darüber hinaus Leibesvisitationen unterziehen, bevor sie das Gelände verlassen durften. Auch hierfür wurde den Betroffenen kein Grund genannt. Bei der Durchsuchung des Hauses wurden mehrere Räume verwüstet. Trotz der von Anfang an erklärten Kooperationsbereitschaft von Seiten des Teams und dem Angebot Schlüssel für alle Türen und Schlösser zu bekommen, wurde sich zu allen Stockwerken und Räumen gewaltsam Zutritt verschafft, teils mit Rammböcken.Das Augsburger Haus-Projekt Paradieschen erzählt aus eigener Erfahrung über die Razzia-Nacht:
"Hartes Vorgehen gegen unschuldige, feiernde Menschen"
Fünf Menschen unserer Gruppe, die dort im Café nichtsahnend für ein Getränk verabredet waren, wurden damit zu "Betroffenen der Maßnahme". Gemeinsam mit allen anderen Gäst*innen des Cafés und des Clubs wurden wir stundenlang festgehalten, durften weder trinken noch alleine auf die Toilette, Jacken anziehen oder Handys nutzen und wurden im Anschluss komplett durchsucht – inklusive Ausziehen.
Wir konnten somit hautnah (!) erleben, mit welcher Härte und Unverhältnismäßigkeit staatliche Organe gegen unschuldige, feiernde Menschen vorgehen – denn durchsucht wurde wirklich jeder einzelne Mensch, der sich an diesem Abend an diesem Ort aufhielt. Der Einsatz richtete sich aber nicht (nur) gegen diese Menschen. Er richtet sich gegen einen der zentralen Treffpunkte der subkulturellen Szene Augsburgs und ist damit auch als eine politische Botschaft gegen diese Szene zu verstehen.Augsburg braucht aber Räume wie den City Club, in denen sich (junge) Menschen treffen und feiern können, in denen sich Subkultur entfalten kann, in denen versucht wird, Diskriminierung entgegen zu wirken und ja, auch Orte, die sich klar gegen rechte, menschenfeindliche und (neo-)faschistische Strömungen positionieren.
Als Hausprojekt Pa*radieschen wollen auch wir einen diskriminierungssensiblen Begegnungs- und Kulturort jenseits von Konsum und Kommerz schaffen. Wir solidarisieren uns deshalb mit dem City Club und fordern die lückenlose Aufklärung der Umstände, unter denen es zu dieser Razzia kam.SCHLECHTES AUGSBURG-BILD
Riesiges Echo in ganz Deutschland zur ungewöhnlichen Polizei-Razzia im Augsburger City-Club

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Ein Video zu dieser Razzia ist hier zu sehen.(Screen-Shot) - - -
SOCIAL MEDIA STIMMEN ZUR RAZZIA
Vorwürfe der Kriminalisierung von Subkultur
„Es ist absolut erschütternd zu sehen, wie ein Ort, der für viele in Augsburg ein Safe Space ist, wie ein Schwerverbrecher-Nest behandelt wird. 200 Polizisten für ein paar Gramm Gras und Partygäste? Das steht in keinem Verhältnis. Während in den Festzelten am Plärrer das Komasaufen zelebriert wird, stürmt man hier mit Masken und Kameras einen Club. Das fühlt sich weniger nach Ermittlung und viel mehr nach einer gezielten Einschüchterung der alternativen Szene in unserer Bert-Brecht-Stadt an.“ (Nutzerkommentar via Instagram @cityclubaugsburg)
„Dass ein Kamerateam von Galileo dabei war, setzt dem Ganzen die Krone auf. Hier wurde auf dem Rücken von jungen Leuten, die einfach nur tanzen wollten, Content für eine Unterhaltungssendung produziert. Menschen stundenlang in der Kälte festzuhalten und sie zu zwingen, sich auszuziehen, während die Kamera läuft – das ist eine Demütigung mit Ansage. Wo bleibt da die Würde der Gäste? Augsburg sollte sich schämen, so ein Vorgehen der Behörden zuzulassen, statt Kulturorte zu schützen.“ (Nutzerkommentar via Facebook Augsburger Allgemeine)
„Wahlkampf auf Kosten der Clubkultur. Es ist kein Zufall, dass so eine Machtdemonstration kurz vor den Wahlen in einem linksalternativen Club stattfindet. Man will Stärke zeigen, trifft aber die Falschen. Wer denkt, dass man Drogenprobleme löst, indem man Gäste traumatisiert und Türen von unbeteiligten Theatervereinen eintritt, hat nichts verstanden. Diese Aktion hat nur eines bewirkt: Das Vertrauen in die Polizei bei einer ganzen Generation ist nachhaltig zerstört worden.“ (Nutzerkommentar via TikTok / Neue Augsburger Rundschau)
„Der City Club ist das Herz der Augsburger Subkultur. Diese Razzia ist ein Angriff auf uns alle. Es ist rührend zu sehen, wie schnell die Spendenaktion angelaufen ist und wie viele Leute bei der Spontan-Demo am Kö waren. Wir lassen uns unsere Freiräume nicht kaputtmachen, egal wie viele Einsatzwagen sie vor die Tür stellen. Augsburg bleibt bunt und alternativ, auch wenn man versucht, uns mit solchen Rambo-Methoden kleinzukriegen. Support your local club!“ (Nutzerkommentar via Instagram @neueszene)
Wird diese gefundene Menge durch die 200 Gäste geteilt, dann kommt nicht viel dabei raus. Es sieht sogar danach aus, dass kaum illegale Mengen an Cannabis vorhanden waren. Auf keinen Fall, das ist damit bewiesen, ist dieses Augsburger Künstler-Lokal am Königsplatz ein Drogendealer-Zentrum mitten in der Stadt. Ein Beobachter ironisch: "Sicherlich sind die Kosten für diese überdimensionierte Razzia etwas höher als die Kosten für diese 170 Gramm." Und noch eine wichtige Frage taucht jetzt auf: "Was sind das für schlecht Recherchen und Vorbereitungen für einen derartigen Misserfolg der Mega-Razzia? Reicht eine anonyme Nachricht schon? Ist hier überhaupt das richtige Personal im Einsatz?"- - -In Augsburg scheint eine Razzia die nächste zu jagen!
In Augsburg gab es in den letzten Jahren mehrere umfangreiche Polizeieinsätze und Razzien, die unterschiedliche Bereiche von der organisierten Kriminalität bis hin zur politischen Szene betrafen. Hier ist eine Übersicht der bedeutendsten Ereignisse:2026
- Bordell Colosseum (Januar): Verdacht auf Menschenhandel.
- AfD-Büro (Februar 2026): Verdacht auf Untreue bei Fraktionsgeldern.
2025
Organisierte Kriminalität und Waffenhandel (Herbst 2025): Im Rahmen von Ermittlungen gegen kriminelle Strukturen kam es im Stadtgebiet, insbesondere in den Stadtteilen Oberhausen und Lechhausen, zu koordinierten Durchsuchungen. Dabei wurden illegale Waffen und größere Mengen Bargeld sichergestellt.
Drogenhandel im öffentlichen Raum (Sommer 2025): Mehrfach führte die Polizei Augsburg Schwerpunktkontrollen und kleinere Razzien in Parkanlagen und bekannten Treffpunkten durch, um die offene Drogenszene zu bekämpfen.
2024
Alternative Szene / „Ganze Bäckerei“ (September 2024): Ein politisch stark diskutierter Einsatz betraf die Räumlichkeiten des Vereins „Ganze Bäckerei“. Die Durchsuchung stand im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Aktivisten aus der linken Szene. Kritiker warfen den Behörden damals Unverhältnismäßigkeit vor.
Wirtschaftskriminalität (Frühjahr 2024): Es gab mehrere Durchsuchungen in Augsburger Firmen und Privatwohnungen wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug im Zusammenhang mit Corona-Hilfen.
2023
„Letzte Generation“ (Mai 2023): Im Rahmen einer bundesweiten Razzia gegen die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ wurde auch eine Wohnung in Augsburg durchsucht. Der Vorwurf der Generalstaatsanwaltschaft München lautete auf Bildung einer kriminellen Vereinigung.
Illegales Glücksspiel (März 2023): In einer konzertierten Aktion nahmen Ermittler mehrere Shisha-Bars und Cafés in der Augsburger Innenstadt und in Pfersee unter die Lupe. Dabei wurden illegale Spielautomaten beschlagnahmt und Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung eingeleitet.
Gefälschte Impfpässe (Januar 2023): Anfang 2023 gab es noch Nachwirkungen der Pandemie-Maßnahmen. Razzien richteten sich gegen Personen und Arztpraxen, die in den Verdacht geraten waren, gefälschte Impfzertifikate ausgestellt oder genutzt zu haben.
Zeigen diese Einsätze, dass die Schwerpunkte der Augsburger Ermittlungsbehörden in den letzten Jahren vor allem auf der Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität, der Kontrolle des Rotlichtmilieus sowie der Überprüfung politisch aktiver Gruppierungen lagen?
Augsburgs OBin Eva Weber äußert sich endlich zur umstrittenen ungewöhnlich riesigen Polizei-Razzia im Augsburger Künstler- Lokal City-Club:
"Verhältnismässigkeit kritisch prüfen!"
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| Die Krone der OBin Eva Weber bekommt immer mehr Risse! |
Leider nur farbloses Blabla ohne Gefühl!
Unser Podcast zur umstrittenen Polizei-Razzia
Augsburger City-Club:
#verhältnismäßigkeit #stadtrat #augsburgcity




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