Offener Brief:
Geplantes Römermuseum und weitere noch länger unvollendete kulturelle Bauprojekte in Augsburg
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Museums- und Kulturfreunde,
zum zukünftigen Römermuseum in Augsburg möchte ich Sie zunächst einmal bitten, den unseligen Namen der ehemaligen JVA (!) aus allen Kommunikationen zu verbannen. Sie verbauen sich beim Festhalten an dieser Abkürzung, falls diese noch länger gebraucht werden sollte, wertvolle künftige Marketing Chancen. In anderen Sprachen (italienisch: prigione, struktura correzionale, englisch: correctional facility, jail-prison) klingt dieser nicht ganz so negativ, grausam und hart wie im Deutschen. Und wer wünscht sich als einen Ort für ein großartiges Museum wirklich jenen eines ehemaligen Gefängnisses, denn in Augsburg galt diese Ecke jahrzehntelang auch als ein extrem unbeliebtes Wohn- und Geschäftsquartier.
Welcher Investor, ob staatlich oder privat, den man ja für dieses Projekt unbedingt braucht, möchte seinen Namen oder sein Label gerne mit dem der JVA verknüpft haben, um nicht zu reden von den vielen möglichen und peinlichen Übersetzungsvarianten bei Google? Nennen wir das Gelände und das spätere Museum, weil es über dem römischen Forum liegt, ab sofort zum Beispiel 'Augsburger Forum'. Momentan fehlt ihm vor allem eines: der „große schöne Wurf“. Man muss sich zudem darüber im Klaren sein, dass ein Investor sich kaum vom späteren Mieter vorschreiben lässt, von welchem Architekten seine Investition gebaut wird. Und lassen Sie sich bitte nicht wieder von künstlich herunter berechneten Planungskosten blenden! Was erst nach 2030 und später fertig werden könnte, kann erheblich viel mehr kosten. Wenn das Investoren- oder GmbH Modell wirklich kommen sollte, sind das jedoch zunächst Kosten des Investors, erst danach Mietkosten der Stadt. Über die diversen und sich wahrscheinlich noch oft ändernden Mietkosten konnte jedoch am 11.12.2025 im Vorweg nicht abgestimmt werden?
Augsburg hätte es bestimmt verdient, ein größeres bayerisches Römermuseum mit einem Park, einem Hotel und einer Freilicht-Arena-Bühne zu bekommen. Alle anderen Römerstädte Europas – etwa Trier, Köln, Aalen (!) und vor allem Nimes in Frankreich (vergleichbar mit Augsburg) – besitzen seit langem sehr anspruchsvolle römische Museen. Wenn Augsburg trotz finanzieller Unterstützung des Landes Bayern als „Bayerisches Römermuseum“ nur ein verstecktes Museum im engeren Stadtzentrum bekommen sollte, dann ist dies kein gutes Äquivalent für seine formidable Augustus-Gründung, sprich ein eher kleines Römer Museum!

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