
Das blutige Ende eines Söldnerstars.Der Fall Sebastian Vogelsperger
Manchmal läuft es im Business einfach nicht rund, besonders wenn man sich mit den ganz Großen anlegt. Sebastian Vogelsperger, ein Haudegen wie er im Buche steht, durfte das im Jahr 1548 am eigenen Leib erfahren. In Augsburg wurde damals nicht lange gefackelt, als der Reichstag unter der ordentlichen Fuchtel von Kaiser Karl V. zusammenkam. Es ging um Hochverrat, französische Goldstücke und ein Urteil, das mehr nach politischer Abrechnung als nach Gerechtigkeit roch.
Der Job: Manager des Todes
Ein Söldnerführer Vogelsperger war im 16. Jahrhundert im Grunde ein freiberuflicher Kriegsunternehmer. Die Bedeutung dieser Männer kann man kaum überschätzen. Ohne sie bewegte sich kein Heer. Vogelsperger war kein kleiner Fisch, sondern ein Logistikgenie der Gewalt. Seine Aufgaben waren vielfältig. Er musste Männer anwerben, sie bei Laune halten und vor allem die Finanzierung sicherstellen. Ein Söldnerführer war gleichzeitig General, Buchhalter und Motivationscoach, wobei die Motivation meist aus der Aussicht auf Plünderungen bestand.
Diese Männer waren die Stars ihrer Zeit, aber ihr Schicksal hing an einem seidenen Faden. Sie verkauften die Schlagkraft ihrer Truppen an den meistbietenden Monarchen. Vogelsperger entschied sich für den König von Frankreich, was dem Kaiser natürlich sauer aufstieß. In einer Zeit, in der Loyalität eine Frage des Preises war, wurde ihm genau das zum Verhängnis.
Blut, Gold und juristische Spitzfindigkeiten
Wenn solche Heere aufeinandertrafen, floss das Blut literweise. Es war ein schmutziges Handwerk. Pikenierhaufen prallten aufeinander, Gliedmaßen flogen tief und das Schlachtfeld verwandelte sich in ein Schlachthaus. Vogelsperger war mittendrin und verdiente prächtig an diesem Elend. Doch 1548 in Augsburg war Schluss mit lustig.
Vogelsperger stand in den 1540er Jahren im Dienst der französischen Könige Franz I. und Heinrich II. Diese zahlten ihm hohe Summen in Gold (oft in Form von Sonnenkronen oder Écus), damit er in Deutschland Truppen für die französische Krone anwarb. Da Frankreich der Erzrivale von Kaiser Karl V. war, galt das Anwerben deutscher Soldaten für den „Erbfeind“ als Verrat am Reich.
Die Annahme französischer Gelder wurde ihm während des Augsburger Reichstags 1548 politisch und juristisch als Beweis für seine Illoyalität gegenüber dem Kaiser ausgelegt. Das „französische Gold“ klebte förmlich an seinem Ruf als Überläufer. Nach seiner Verurteilung und Hinrichtung in Augsburg wurde sein gesamtes Vermögen beschlagnahmt. Das Gold, das er durch seine Dienste verdient hatte, fiel somit an die Staatskasse bzw. an den Kaiser zurück.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Gold war das Schmiermittel, mit dem Vogelsperger seine Heere bewegte, aber die Herkunft dieses Goldes aus französischen Quellen lieferte Kaiser Karl V. den Vorwand, ihn als Exempel für Hochverrat hinrichten zu lassen.
Dr. Nikolaus Zyner, ein Jurist mit spitzer Feder und wenig Humor für Überläufer, bastelte das Todesurteil gegen Vogelsperger zusammen. Kaiser Karl V. brauchte ein Exempel, um den deutschen Adel und die Kriegsherren wieder auf Linie zu bringen. Vogelsperger wurde kurzerhand hingerichtet. Der Kopf rollte, während die Mächtigen in Augsburg ihre Weingläser hoben.
Es war ein höchst umstrittenes Verfahren, das eher einem politischen Mord glich als einem fairen Prozess. Wer damals für die falsche Seite die Klinge schwang, zahlte eben mit dem Hals.
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Zu dieser spannenden Geschichte gibts einen Vortrag im Augsburger Stadtarchiv:
Mittwoch, 25.02.2026, 19:00 Uhr
Vortrag, Kooperationsveranstaltung mit dem Historischen Verein für Schwaben e. V.
Referent: Hans-Joachim Hecker, Archivdirektor a. D., München
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