Die Nachricht vom Einstieg von AZ/Pressedruck beim Augsburg-Journal der Familie Schilffarth liest sich wie eine harmonische Familienzusammenführung, doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich eine Zäsur für die Medienlandschaft in der Schwabenmetropole Augsburg.
Wenn der Medien-Gigant der Familie Holland aus Lechhausen, die Mediengruppe Pressedruck, mit 51 Prozent die Mehrheit am Augsburg Journal Verlag übernimmt, ist das weit mehr als nur eine digitale Starthilfe. Es ist die finale Konsolidierung eines Marktes, der ohnehin kaum noch Nischen bot.
Die strategische Einordnung
Hier wird kein Partner auf Augenhöhe gesucht, sondern eine Überlebensstrategie für ein traditionelles Gesellschaftsmagazin gewählt. Die Mediengruppe Pressedruck, die mit der Augsburger Allgemeinen bereits eine fast monopolartige Stellung innehat, schließt mit diesem Investment eine der letzten Lücken in ihrem Portfolio.
Das "People-Magazin" Augsburg Journal war bisher das bunte Korrektiv zur eher nüchternen Tageszeitung. Nun wandert dieses Korrektiv unter das Konzerndach.
Digitale Zukunft als Vorwand: Das Narrativ der "digitalen Wege" ist der Standardcode für Kosteneffizienz.
Pressedruck/AZ verfügt über die technologische Infrastruktur, die sich ein kleiner Familienverlag kaum noch leisten kann.
Anzeigenmarkt:
Für Werbekunden in Augsburg bedeutet dies weniger Auswahl. Wer lokal werben will, kommt an den Kombi-Angeboten des Großverlags bald nicht mehr vorbei.
Der "Augsburg Journal Reporter" wird hierbei als Reichweiten-Hebel für den Mittwochmarkt fungieren.
Der Insider-Blick auf die "Villa Media" im martini-park
Dass Anja Marks-Schilffarth und ihr Vater Walter Kurt Schilffarth offiziell an Bord bleiben, ist ein klassisches Signal zur Beruhigung der Stammleserschaft und der lokalen Prominenz.
Ein People-Magazin lebt von persönlichen Kontakten und dem Vertrauen der lokalen Elite. Würde man die Führung sofort austauschen, verlöre das Blatt seine Seele.
Dennoch ist klar: Wer 51 Prozent hält, bestimmt die kaufmännische Richtung. Die Unabhängigkeit, die ein familiengeführter Verlag über sechs Jahrzehnte ausmachte, ist faktisch beendet.
Fazit
Diese Augsburger Medien-Verschmelzung ist ein wirtschaftlich logischer, aber publizistisch bedauerlicher Schritt.
Die Medienvielfalt in Augsburg schrumpft weiter
Während man nach außen die "Freude" über den Besuch der Chefs betont, weiß jeder Branchenkenner, dass solche Übernahmen oft in einer Zentralisierung von Verwaltung, Vertrieb und mittelfristig auch Inhalten münden.
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Unsere Meinung dazu: Lest in Zukunft noch mehr die kostenlosen Augsburger Internet Zeitungen, daz (die Augsburger Zeitung) und Neue Augsburger Rundschau ... ohne viel Werbung und daher freier in der Berichterstattung.
PS: Der Kreis schließt sich: Walter Kurt Schilffarth hat als Journalist einst bei der AZ angefangen.
Karikatur: AI und AL

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