| Ronald, Rapunzel und Umbra betrachten das kostbare Haar. (Foto: Jan-Pieter Fuhr) |
Rapunzel: Ein haariges
Kunterbunt-Abenteuer im Staatstheater Augsburg
Schnelle Kritik zur Premiere am
Samstag, 8. November 2025
Der Vorhang öffnet sich und
wir sind im Königreich Haarmenien. Ein Land voller haariger
Abenteuer. Links eine pinkfarbene Perückenfabrik, rechts ein
orangener Turm und in der Mitte zwei goldene Throne für das
Königspaar. Darin und dazwischen tummeln sich originelle, lustige
und verrückte Gestalten. Manche mit Riesenhaartrachten, mit
grellbunter Kleidung und mit skurrilen Macken. Einige
Slapstick-Effekte sorgen für auflockerndes Lachen in dem teilweise
sehr spannenden Theaterstück, das manchmal ziemlich unhaarmonisch
ist und gerade deshalb mit viel Spannung über den unbekannten
Ausgang eine packende Wirkung auf die kleinen und großen Zuschauer
ausübt. Ihnen gefällt der Kampfruf auf der Bühne: "Freiheit für Haare!"
Kein rettender Prinz, der am Zopf zu Rapunzel in
das Turmzimmer hochklettert, keine böse Hexe und kein Ehegatte, der für seine schwangere Frau speziellen Salat stiehlt. Stattdessen eine logische
Handlung, mit viel Aktualität, verfasst von Swaantje Lena Kleff. Ohne hoffnungsloses Herumirren in der Wüste, wie bei den
Grimms, wird das Stück aus fabelhafter Fantasy mit einer tüchtigen
Portion Realität gemixt. Das ist nicht nur witziger Klamauk, was die
drangsalierten Arbeiter in der engen Perückenfabrik, die merkwürdig
bewaffneten Lösegeld-Entführer und der alte König schauspielerisch in Bestform auf der Bühne abliefern. Nein, das ist schon optimale Sozialkritik wie
wir uns gerne helfende Medizin wünschen: Süß und wirkungsvoll!
Gegen übles Ausbeuterverhalten und für mehr Love Is In The
Hair!
Sarah Maria Grünig als Rapunzel ist ein richtiger
Wirbelwind. Wenn sich eine mit Humor und Optimismus am eigenen Haarschopf aus dem Turm befreien kann, dann sie.
Julius Kuhn als Azubi Ronald in
der Perückenfabrik: Der ist soooooo lieb, und wir verstehen gar
nicht, warum er auch noch tapfer sein muss. Mensch, Rapunzel, einen
besseren Origami-Ritter gibt es nicht!
Sebastian Müller-Stahl als Vorarbeiter Lutz / König August (alt) und Aktivist Johnny: Er zeigt uns beeindruckend genau wie Untergebene nach kurzem Aufbegehren wieder zu Stiefelleckern höherer Herrschaften werden.
Mirjana Milosavljević als Unternehmerin Malvina und Aktivistin Conny : Im eleganten Weiß die voll kapitalistisch orientierte Chefin, die sogar intime Emotionen gnadenlos für ihre geldgierigen Zwecke nutzt. Sie zeigt uns gekonnt den scheinheiligen Humanismus der Ausbeuter!
Isabel Tetzner als Königin
Auguste (jung) / Umbra und Arbeiterin Grit: Sie gibt den guten Geist für
Rapunzel und zwar sowas von lebendig!
Martin Esser als König August (jung) / Arbeiter Ingo und Aktivist Donny:
Ein Genuss von Schauspielkunst!
Das Bühnenbild von Thilo Reuther und die Kostüme von Miriam Schubach sind eine optische Attraktion. Logo, die Abteilung Maske, auch zuständig für Haare, Bärte und Perücken, hat sich bei diesem "haarigen Abenteuer" besonders reingehängt und präsentiert uns eine Superausstattung!
Ist das wirklich Familientheater für
Advent und Weihnachten? Warum denn nicht? Sollen unsere Kinder nicht
fragen, wo ihre Geschenke herkommen? Wurden sie mit
Kinderarbeit hergestellt?
Es ist das ideale Besinnungs-Stück für
die Zeit mit dem Weihnachtsbaum, dem Nikolaus und dem Christkind. Das
ist ja die Zeit in der wir uns alle ganz stark wünschen, dass das
Gute das Böse besiegt!
Natürlich begeisterter Applaus im
vollen Haus. Please, Kamm back!
(AL)
Hier weitere Aufführungs-Termine und mehr Information zu "Rapunzel - ein haariges Abenteuer" im Staatstheater Augsburg
Kommentare
Kommentar veröffentlichen