Charly Hübner kam nach Augsburg ins Thalia-Kino: Hochstapler wider Willen!

Unser Berichterstatter Lee Eden mit dem Hauptdarsteller Charly Hübner und Regisseur Achim von Borries im Thalia-Kino. (V.l.n.r.) Nach der Augsburger Film Premiere von "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" im Thalia-Kino.


Filmkritik: "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße"

Wieder war ich für die Neue Augsburger Rundschau im Thalia Kino, dem Kino meines Herzens. Es ist kein Mainstream-Kino, sondern ein Ort, der abseits der Mainstream-Multiplexe etwas aus der Zeit gefallen scheint – doch genau dieser einzigartige Charme macht jeden Besuch zu einem Erlebnis.

Geht mehr ins Kino, vor allem ins Thalia!

Nun zum Film: Diese besondere Vorführung wurde durch die Anwesenheit des Hauptdarstellers Charly Hübner und des Regisseurs Achim von Borries zu einem Highlight.

Beide stellten sich den Fragen des Publikums und im Anschluss hatte ich das Vergnügen, noch ein schönes und offenes Gespräch mit ihnen führen zu können.


Die Story: Hochstapler wider Willen

Wolfgang Becker, der uns bereits mit der Ostalgie-Komödie „Good Bye, Lenin!“ einen modernen Klassiker schenkte, kehrt mit seinem leider letzten Werk, „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“, in sein liebstes Terrain zurück: die tragikomische Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte und dem menschlichen Drang, die Realität zu seinen Gunsten zu verbiegen.

Im Zentrum steht Micha Hartung (grandios verkörpert von Charly Hübner), ein chronisch klammer Berliner Videothekenbesitzer. Kurz vor dem 30. Jahrestag des Mauerfalls wird er von einem ehrgeizigen Journalisten kontaktiert, der Micha zum Drahtzieher der größten Massenflucht der DDR hochstilisiert.

Die vermeintliche Heldentat – das Sabotieren einer Weiche am Bahnhof Friedrichstraße, um einen Zug in den Westen zu leiten – war in Wahrheit ein dummer Zufall. Doch angelockt von Ruhm und dringend benötigtem Geld, stimmt Micha zu, die Lügengeschichte zu bestätigen.

Das daraus resultierende Lügengebäude wächst ihm schnell über den Kopf, nicht zuletzt, als er Paula (Christiane Paul) kennenlernt – eine Frau, die damals in dem Zug saß und ihm wegen seiner vermeintlichen Heldentat begegnet.

Das Fazit der Redaktion: Komödie mit melancholischem Kern

Becker gelingt es erneut, eine Geschichte voller Herz und Skrupel zu erzählen. Der Film ist mal witzige Satire, mal leises Liebesdrama und nie bösartig.

Die Komik entsteht aus Michas verzweifelten Versuchen, sein Kartenhaus aus Halbwahrheiten aufrechtzuerhalten, während ihn das schlechte Gewissen plagt.

Charly Hübner glänzt in der Rolle des Anti-Helden, dem man trotz seiner Selbstsucht einfach nicht böse sein kann. Er verleiht dem Hochstapler eine entwaffnende Verletzlichkeit und einen urdeutschen Charme. Die Chemie mit Christiane Paul ist warmherzig und bildet den emotionalen Ankerpunkt in all dem Geschichts-Chaos.

Im Filmsaal des Augsburger Thalia-Kinos unterhielten sich über den Film mit dem begeisterten Publikum der Hauptdarsteller Charly Hübner und Regisseur Achim von Borries, der im Sinne von Wolfgang Becker, der leider vor Fertigstellung des Films verstarb, diesen Streifen vollendet hat, mit der Moderation von Erwin Schletterer.



Die Stärken des Films:

Der Cast: Ein großartiges Ensemble (u.a. Daniel Brühl, Jürgen Vogel) liefert eine nuancierte Performance.

Der Film stellt auf ironische Weise die Frage: Was sind wir bereit zu glauben? Und wie funktioniert unsere Erinnerungskultur, die oft lieber Mythen als die schnöde Wahrheit zelebriert?

Wolfgang Beckers Handschrift: Es ist ein würdiges Vermächtnis – eine warmherzige Tragikomödie, die normale Menschen in außergewöhnliche Konflikte stürzt und sie trotzdem liebt.


Fazit

„Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ ist ein sehenswerter, vergnüglicher und versöhnlicher Film über die Macht des Geschichtenerzählens und die Sehnsucht nach Sinn und Anerkennung. Wer Beckers feinen Humor und seine empathische Betrachtung deutscher Befindlichkeiten mochte, wird auch diesen Film lieben.

Meine Bewertung: ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)


Bericht: Lee Eden


"Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" läuft im Thalia-Kino an weiteren Terminen. Info bei Lechflimmern.

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