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| Cordula, Rapunzels Mutter und Torero José. |
Das Theater Fritz und Freunde zeigt mit
seinem neuen Stück „Rapunzel“, dass man für ein echtes
Märchen-Update keine Zauberkraft, sondern vor allem ordentlich
Rhythmus braucht.
Alles beginnt in Spanien mit einem stolzen Torero,
der seine Angebetete im farbenfrohen Blumenkleid wie ein
aufgeplusterter Pfau umwirbt. Er trägt ein passendes Outfit
mit breiter roter Bauchbinde und einem riesigen Sombrero, der den
scheinbar heldenhaften Stierkämpfer fast versteckt. Doch nach und
nach erkennt das Publikum, dass der wirbelnde Torero im Inneren eine
ängstliche Memme ist. Er will dies nur mit seinem imposanten
Verhalten verbergen. Zur Freude der Zuschauer landet die Rose
zwischen seinen Zähnen und stoppt so den Redefluss des Angebers.
Es kommt, wie es kommen muss. Cordula und José verlieben sich. Er
will sie heiraten, sie wird nach der Hochzeit schwanger. Wie viele werdende Mütter
bekommt sie Heißhunger auf alle möglichen Speisen. Eines Tages hat
sie Lust auf Feldsalat, auch Rapunzel genannt. Dieser wächst
reichlich im Garten der Tante. Das Kind wird geboren und auf den
Namen Rapunzel getauft. Durch einen Blitzschlag sterben die Eltern.
Die Tante, angeblich eine böse Zauberin, nimmt das Mädchen auf. Sie
versucht, Rapunzel als ordentliches Mitglied der Gesellschaft zu
erziehen. In der Pubertät wird Rapunzel nicht nur durch die Hormone
aufsässig. Sie entdeckt auch die magische Wirkung der Musik. Zuerst
erklingt ein simples Glockenspiel, dann folgt ein faszinierender
Rhythmus mit Gesang. Musik wird ihr neues Lebensziel.
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| José und die Tante, eine vermeintliche Zauberin. |
Fabio Esposito hat das Grimmsche Märchen modernisiert. Unsinnige
Brutalitäten sind verschwunden. Rapunzel wird nicht mehr in die
Wüste geschickt. Der Prinz erblindet nicht und irrt nicht hilflos
umher. Es bedarf auch keiner Tränen, um ein Wunder zu bewirken. Das
Original wollte Mädchen davor warnen, sich zu früh auf Männer
einzulassen. Deshalb das Wegsperren und die Bestrafung. Das war die
Moral einer längst vergangenen Zeit ohne sexuelle Aufklärung.
Bei Esposito im 21.
Jahrhundert nimmt das Leben eine menschenfreundliche Wendung. Die
Ziehmutter ist besorgt und reagiert wie viele Eltern, die Flausen im
Kopf ihrer Kinder befürchten. Sie will nur das Beste und will bei Rapunzel dafür sorgen, dass sie einen ordentlichen Beruf lernt.
Die Schauspielerinnen Annalena Lipp und Janina Maria Schmaus
verleihen ihren verschiedenen Rollen einen liebenswerten Charakter. Die Mutter
kontert das Anbaggern des Toreros mit Humor. Der Vater ist voller
Energie und Selbstdarstellung. Die Tante scherzt gerne und der Prinz
agiert mit hochgestochener Sprache ziemlich weltfremd. Das junge
Publikum kann sich ideal mit Rapunzel identifizieren. Sie will ihren
eigenen Weg gehen und sich ihren Traum erfüllen.
| Annalena Lipp als Rapunzel und Janina Maria Schmaus als Prinz. |
Mit enormer Spielfreude präsentieren die Darstellerinnen ein Stück voller Witz, berührender Romantik und feurigem Esprit. Besonders der Rap von Rapunzel bringt die Stimmung zum Kochen. Kein Wunder, der steckt bereits im Namen Rapunzel drin.
Fazit: Niemand vermisst den alten abgeschnittenen Zopf. Die
originell aufgepeppte Version von Esposito trifft genau den Nerv des
jungen Publikums. Kinder ab 3 Jahren können durchaus zuschauen, auch
wenn sich ihnen nicht jedes Detail sofort erschließt. Für
Schulkinder bis zur 4. Klasse ist die Aufführung ideal. Die neue
krasse Frisur der Erzählung kommt in Augsburg echt super an.
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| In der Mitte: Autor Fabio Esposito. |
Das Stück "Rapunzel" kann beim Theater Fritz und Freunde gebucht werden.
Bericht: Arno Loeb



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