Frevel und Frohsinn: Duo mit feuriger Musik löst geballte Euphorie aus!

Fabio und Hauke als Musik-Duo Frevel und Frohsinn.


Umjubelt wie Gladiatoren, wie Helden der Musik, laufen Fabio Esposito und Hauke Iven Marquard im großen Märchenzelt auf der Wiese beim Kulturhaus, dem Publikum zuwinkend, ein. Ringsum sitzen dichtgedrängt die erwartungsvollen Zuschauer, die lautstark dem hereinkommenden Duo applaudieren. In der Mitte des Zeltes, ein hohes Tipi, prasselt ein offenes Feuer aus dicken Holzscheiten. Die Funken stieben hoch, tanzen zum Loch des Zeltes hinaus, in die Nacht.

Die beiden Musiker, bunt gekleidet als Gaukler, verbeugen und setzen sich. Hauke greift nach seiner Geige, Fabio schnappt sich seine Gitarre. Fabio übernimmt die Moderatoren-Rolle und erklärt mit einer guten Portion Schalk in der Stimme: «Wir haben zwei Programme, eins für Kinder, eins für Erwachsene, wie heute Abend. Das wird dann natürlich heftiger und deftiger!» Es sieht aus, als würden die gelbroten Flammen des Lagerfeuers aus Vorfreude über eine heiße Nacht, etwas höher züngeln. Das verleiht den Umsitzenden heiter-dämonische Gesichter - mit viel Erwartungsverlangen.

Und dann hauen Fabio und Hauke einen Knaller nach dem anderen raus. Natürlich im Folkrock-Stil übermütiger Gaukler. Fabio erzählt in seinen Liedern von Frauen, die durch Vorurteile als Hexen verbrannt werden, vom abenteuerlichen Leben auf den Mittelalter-Märkten und von diversen Leidenschaften zwischen Frauen und Männern. Seine Stimme ist mal zart, wenn es um romantische Liebe geht, mal rau und laut, wenn Dramatik im Text angesagt ist, wenn es um giftige Eifersucht, ausbrechende Wirtshaus-Schlägereien oder blutige Kämpfe geht. Mit viel Spaß verbindet Fabio die Lieder durch witzige Worte. Mal sind es alte Gaukler-Sätze, die immer wieder zünden, wie er selbst erläutert, mal sind es spontane Sprüche, die das Publikum erheitern. Diese Sprüche, die aus Fabio hervorsprudeln sind originell, ironisch oder sarkastisch und stets treffend.

Immer schneller und schneller

Die Lieder, deren Texte von Fabio geschrieben wurden, haben Titel wie «Vom Glück geküsst», «Narzisst», «Liebe oder nicht» und «Tanzt Leute». Viele neue Stücke sind dabei. «Einige alte haben wir aufgefrischt», erklärt uns Fabio, der bei manchen auch davon erzählt, wie sie entstanden sind. Es ist Hauke mit seiner Geige, der eine riesige Bandbreite von Gefühlen in die Musik des Duos einbringt. Seine Geigentöne lassen beim Liebeslied die Herzen schmelzen, bei der brennenden Hexe werden sie wild und beim Gauklerdasein auf dem Mittelaltermarkt hüpfen sie unternehmungslustig umher. Und wenn Haukes Geigenbogen immer schneller und schneller über die Saiten streicht, die Finger übermütig auf dem Griffbrett hin und her hüpfen, dann geht das Publikum voll mit. Oha, da staunt die kunstvoll geschnitzte Schnecke an der Geige über das Wahnsinnstempo. Die mitgerissene Zuschauerschaft feuert den aufspielenden Geiger zur Höchstleistung an. Da wird getrampelt, gepfiffen und gejubelt.

Mir persönlich gefällt es sehr gut, wenn Fabio das Lied «Tabu», das von anrüchigen Dingen handelt, im badensisch-schwäbischen Singsang-Dialekt bringt. Damit klingen selbst frevelhafte Begriffe nicht so hart. Fabio, der Sohn eines Italieners aus Salento und einer Mutter aus Ungarn, kam vor 25 Jahren aus der Stadt Offenburg, die dicht an der Grenze zu Frankreich im badischen Teil von Baden-Württemberg liegt, nach Augsburg und wohnt hier in einem Künstlerhaus am rauschenden Hettenbach, wo er auch sein Tonstudio eingebaut hat. Völlig klar, dass Fabios unbremsbares Temprament durch seine Eltern tief in den Genen sitzt. Im Haus am Bach, durch den bunten und lebendigen Augsburger Stadtteil Oberhausen, lebt auch der Theater-Mann Fritz, der mir am Eingang des Märchenzelts, in der Pause des Konzerts davon erzählt, wie er Fabio vor über 20 Jahren in die mittelalterliche Welt der Gaukler und Troubadoure hineinlotste.

Ich liebe mein Leben und meine Zeit», singt Fabio in seinem Song «Ich habe gelebt», wenn er von seinen Erlebnissen als umherreisender Gaukler erzählt. Das ist das Lied, das er bei seiner Beerdigung hören will. Er hat es schon aufgenommen und gespeichert. «Wenn es dann beim Abspielen mit der Technik nicht klappt, sing ich es zur Not selber», lacht Fabio ins Publikum. Zuzutrauen wäre es ihm, denn nicht nur ich halte einen Typ wie ihn für unverwüstlich.

Träumerische Wohlfühl-Garantie

Volles Zelt, romantisches Feuer und tolle Musik.

Beim Konzert von «Frevel und Frohsinn» im Märchenzelt ist es Nacht geworden und die Sterne blicken in der Pause gutgelaunt auf uns herab. Fabio und Hauke mischen sich unters schwatzende Publikum und unterhalten sich über ihre kommenden Pläne, Termine und den Inhalt der gebrachten Lieder. Bis es nach der Pause weitergeht, stellt Matthias, der Herr des Märchenzelts, weitere Holzscheite in die Feuerschale, damit die Flammen wieder höher züngeln und genügend Licht spenden, um die Musiker nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Was natürlich dem Konzert einen besonderen Anstrich verleiht, denn die Gesten und die Mimiken des Gitarristen und des Geigers sind überaus sehenswert. Während Fabio seine Liedtexte ab und zu mit verdrehten Augen oder lustigen Grimassen betont, macht mir Hauke mehr einen heiter-schwebenden aber durchaus kraftvollen Eindruck, wenn nötig. Hauke taucht voll in die Musik, in die gesamte Stimmung ein, spiegelt sie mit seinem Sound und spinnt uns, das gesamte Publikum, damit in einen gemeinsamen Musik-Kokon, mit träumerischer Wohlfühl-Garantie. Unter dem Motto: «Schließet die Augen und lauschet fein!»

Während die Lieder in meinen Ohren Wohlgefallen auslösen, denke ich an die Einladung zu dieser Premiere: «Höret, höret, Frevel und Frohsinn laden ein zu Spiel und Tanz, zu Klang und Kurzweil. Mit Geige, Gitarre und wohlgesetztem Gesang erwecken die beiden Spielleute Worte voll Tiefgang. Die beiden Musikanten bringen mit ihrem Gute-Laune-Sound eure Hüften zum Schwingen, eure Füße zum Wippen, eure Finger zum Schnipsen, eure Augen zum Strahlen und eure Herzen zum Lächeln und so manch tiefsinnigen Text in ein faszinierendes, klingendes, schwingendes Gewand. Wenn diese beiden Ausnahmemusiker alles geben, wenn sie die verschiedensten mittelalterlichen Musikstile zu einer aufregenden und einzigartigen Mixtur mixen, wenn wir beim Zuhören dieses umwerfende Gefühl von uralt bis brandneu erlebt, dann ist das neue Duo Frevel und Frohsinn ganz nah.»

Feurige Musik von Hauke und Fabio am heißen Feuer im Märchen-Tipi.

Nicht mehr aufhören wollen

Für mich ist dann das Lied, das vom einsamen Mann im Mond erzählt, der das muntere und verrückte Treiben der Menschen auf der Erde etwas neidisch beschreibt, einer der Höhepunkte des Konzerts. Dieses Lied hat nicht nur Ohrwurm-Charakter, sondern hat auch hundertprozentige Mitsing-Qualität beim Refrain: «Auf der Erde ist es schön, da kann man feste feiern ...» Ich kann mir bestens eine tausendköpfige Menge vor der Bühne des Duos «Frevel und Frohsinn» bei einem kommenden Konzert vorstellen, die das lautstark mitsingen und am liebsten nicht mehr damit aufhören wollen.

Am Samstag, den 31. Oktober 2026, feiert Fabio sein 30-jähriges Bühnenjubiläum. Das wird bestimmt super. Bin ich mir sicher. Inzwischen hat er eine sehr große Fan-Gemeinde. Seit 22 Jahren ist er als Gaukler auf unzähligen Mittelaltermärkten unterwegs. Dabei wurde er schon auf dem berühmten Kaltenberger Ritterturnier zum Gauklerkönig gewählt. Berühmt ist dabei seine Nummer mit der Gurke im Mund, die ein Besucher mit dem zischenden Säbel Stück für Stück verkleinert. Als Gaukler ist Fabio meistens solo, wie der Mann im Mond. Die Vergrößerung zum Duo durch Geiger Hauke, mit dem er nun ein reines Konzertprogramm präsentiert, halte ich für einen riesigen Gewinn. Das ist ein ganz tolles Tour-Programm, das immer und überall aufgeführt werden kann.

Das Publikum im vollen Zelt, ich natürlich auch, belohnt das Duo «Frevel und Frohsinn» mit stark anschwellendem Beifall und fordert verzückt mit stehender Ovation und geballter Euphorie: «Zugabe, Zugabe, Zugabe!»


Bericht: Arno Loeb

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