
Unter dem Titel Celebrating Fashion zeigt das Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) ab dem 17.04.2026 erstmals in einer musealen Ausstellung einzigartige Couture-Kleider des Münchner Labels Talbot Runhof.
Das international erfolgreiche Duo gehört zu den wenigen deutschen Modeschöpfern, die mit ihren Kreationen über viele Jahre hinweg auf der Pariser Fashion Week vertreten waren. Zwischen 2006 und 2019 präsentierten Talbot Runhof dort mehr als zwei Dutzend Kollektionen – gefeiert von der internationalen Modepresse. Insgesamt 25 Shows machten deutlich, wofür ihre Entwürfe stehen: opulente Eleganz, handwerkliche Präzision und die Fähigkeit, besondere Momente sichtbar zu machen. Anfang 2026 hatte das tim die Übernahme der Couture-Modelle von den Shows in Paris in die eigene Sammlung bekannt gegeben.
tim-Museumsdirektor Dr. Karl Borromäus Murr: „Mit der Übertragung ihrer Pariser Sammlung an das tim geht das bedeutende Modeschaffen von Johnny Talbot und Adrian Runhof in das kulturelle Erbe Bayerns ein. Wir freuen uns sehr, dass wir nun in einer großen Ausstellung mehr als 100 dieser einzigartigen Kleider für Besucherinnen und Besucher des tim ästhetisch erlebbar machen können.“
Im Zentrum der Arbeit von Talbot Runhof steht die Idee von Mode als Ausdruck des Feierns. „Feste schaffen Freiräume jenseits des Alltags – Räume für Sinnlichkeit, Emotion und Gemeinschaft. Genau diese Atmosphäre übersetzen die Designer in ihre Kreationen und wir als Museumsmacherinnen und -macher in eine opulent inszenierte Ausstellung“, so Murr.
Johnny Talbot: „Diese Retrospektive erfüllt uns mit großer
Dankbarkeit. Sie zeigt uns, dass unsere Vision und Leidenschaft
Menschen über viele Jahre hinweg erreicht und inspiriert haben.“ Adrian Runhof ergänzt: „Zu sehen, dass unsere Arbeiten sorgfältig
bewahrt und konserviert werden, gibt uns das Gefühl, dass Mode über
den Moment hinaus Bestand haben kann – auch als kulturelles
Zeugnis für kommende Generationen.“ Charakteristisch für die
Entwürfe von Talbot Runhof sind raffinierte Draperien,
minimalistische Schnitte, außergewöhnliche Silhouetten sowie
kraftvolle Farben, Schwarz-Weiß-Kontraste und florale oder
grafische Muster.
Inspiration finden die beiden Designer nach eigenen Aussagen in Musik, Film, Kunst, gesellschaftlichen Entwicklungen und inspirierenden Persönlichkeiten. „Ihre Haltung ist offen, empathisch und verantwortungsbewusst: Talbot Runhof feiern Vielfalt und hinterfragen Konventionen – mit Stil und ohne moralischen Zeigefinger“, analysiert Murr.
Die Ausstellung „Celebrating Fashion“ im tim beleuchtet die kreativen Quellen des Designerduos, ihre unverwechselbare Designsprache und ihre besondere Rolle in der internationalen Modewelt.
Murr: „Besucherinnen und Besucher erwartet in der Ausstellung eine inspirierende Feier der Eleganz. Die Mode von Talbot Runhof lädt dazu ein, Schönheit zu erleben, Individualität und Selbst bewusstsein auszudrücken und das Leben zu feiern. Frei nach dem Motto von Hollywood-Diva Mae West, die meinte, zu viel von einer guten Sache könne wundervoll sein.“
Begleitend zur Ausstellung hat das tim
buchbare Gruppenführungen für Erwachsene und Führungen für
Schulklassen (ab der 7. Jahrgangsstufe) im Angebot. Zudem finden an
allen geöffneten Sonn- und Feiertagen öffentliche Führungen
sowie an ausgewählten Terminen Kuratoren-Führungen statt. Als
besondere Highlights bietet das tim Führungen mit den beiden
Designern selbst sowie mit „Experts“ aus dem Hause Talbot
Runhof an. Diskussionsveranstaltungen und spannende Vorträge runden
das Begleitprogramm zur Ausstellung ab.
Infos und Anmeldungen unter: www.timbayern.de 
Führungsangebote
Gruppenführungen für Erwachsene:
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Kosten: 80,- Euro pro Gruppe zzgl. Eintritt (max. 25 Personen pro Gruppe)
Gruppenführungen für Schulklassen ab
der 7. Jahrgangsstufe:
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Kosten: 50,- Euro pro Gruppe inkl. Eintritt (max. 25 Personen pro Gruppe)
tim-Buchungszentrale für Gruppenführungen:
Telefon (0821) 81001-50 oder
buchung@timbayern.de 
Öffentliche Führungen
an allen
geöffneten Sonn- und Feiertagen
Erkunden Sie im Rahmen einer Führung die Ausstellung CELEBRATING FASHION – Talbot Runhof in Paris. Erleben Sie erstmals in einer Ausstellung einzigartige Couture-Kleider des Münchner Designer-Duos Johnny Talbot und Adrian Runhof. Beide zählen zu den international renommiertesten deutschen Modemachern und präsentierten ihre Kollektionen von 2006 bis 2019 auf der Pariser Fashion Week. Prominente Persönlichkeiten weltweit tragen ihre Roben auf Galas und roten Teppichen. Die Entwürfe von Talbot Runhof vereinen raffinierte Draperien, präzise Schnitte und ausdrucksstarke Materialien zu einer unverwechselbaren Designsprache. Die Ausstellung im tim macht über 100 dieser Kleider eindrucksvoll erlebbar.
Beginn: jeweils 14.00 Uhr / Dauer: ca. 1,5 Stunden
Teilnahmegebühr: 5,- Euro zzgl. Eintritt – Teilnehmerzahl begrenzt.
Bitte vorab anmelden! Telefon (0821)
81001-526 
Öffentliche Kuratoren-Führungen an folgenden Donnerstagen:
25. Juni 2026
09./23. Juli 2026
20. August 2026
10. September 2026
01. Oktober 2026
Bei dieser Führung nehmen Sie die Macherinnen und Macher von CELEBRATING FASHION mit auf eine spannende Tour durch die Ausstellung. Erfahren Sie aus erster Hand alles zur Entstehung der Ausstellung, Auswahl der Exponate und Inszenierung der Kleider. Die Kuratorinnen und Kuratoren erzählen über Ihre abwechslungsreiche Arbeit und bieten einzigartige Einblicke in ihre Tätigkeit.
Beginn: jeweils 16.30 Uhr / Dauer: ca. 1,5 Stunden
Teilnahmegebühr: 7,- Euro zzgl. Eintritt – Teilnehmerzahl begrenzt.
Bitte vorab anmelden! Telefon (0821) 81001-526

Öffentliche Führungen mit den Designern Johnny Talbot / Adrian Runhof an folgenden Donnerstagen:
21. Mai 2026
13. August 2026
22. Oktober 2026
Johnny Talbot und Adrian Runhof – die beiden Münchner Fashion-Designer gehören mit ihrem gleichnamigen, international renommierten Label zu den bedeutendsten Modehäusern Deutschlands. Mehr als zwei Dutzend Male waren Sie mit ihren Kreationen auf der Pariser Fashion Week präsent. Gefeiert vor den Augen der Weltpresse machten ihre 25 Shows deutlich, wofür ihre beeindruckenden Entwürfe stehen: Opulente Eleganz, handwerkliche Präzision und die Kunst, besondere Momente sichtbar zu machen. Stars weltweit tragen ihre Roben auf Galas und dem roten Teppich.
In dieser besonderen Führung mit Johnny Talbot und Adrian Runhof haben Sie die Möglichkeit, die beiden Designer persönlich kennen zu lernen. Bei der Tour durch die Ausstellung erfahren Sie, woraus die beiden ihre Kreativität schöpfen, was sie motiviert und wie sie arbeiten.
Beginn: jeweils 16.30 Uhr / Dauer: ca. 1,5 Stunden
Teilnahmegebühr: 10,- Euro zzgl. Eintritt – Teilnehmerzahl begrenzt
Bitte vorab anmelden! Telefon (0821)
81001-526
Öffentliche Führungen mit Experts aus
der
TALBOT RUNHOF Family an folgenden Donnerstagen:
30. April 2026 mit Oliver Gerbitz, Marketing Director
07. Mai 2026 mit Nadine Geissler, Senior Brand Manager
28. Mai 2026 mit Stephan Heering, Art Director
02. Juli 2026 mit Sorana Puie, PR Director
30. Juli 2026 mit Veronica Codrea, Product Manager
27. August 2026 mit Monika Albrecht-Vonrüti, Former COO
Marketing Director, Senior Brand Manager oder Art Director: Wie funktioniert das Fashion-Business? Wie wird aus faszinierender künstlerischer Arbeit und atemberaubenden Kleider-Kreationen von Designern wirtschaftlicher Erfolg? Diese und mehr spannenden Fragen können Sie während einer Führung durch die Ausstellung CELEBRATING FASHION nachspüren. „Experts“ aus der TALBOT RUNHOF – Family tauchen beim gemeinsamen Rundgang mit Ihnen durch die Schau ein in die glitzernde und gleichzeitig enorm herausfordernde Welt der internationalen Modebranche.
Beginn: jeweils 16.30 Uhr / Dauer: ca. 1,5 Stunden
Teilnahmegebühr: 7,- Euro zzgl. Eintritt – Teilnehmerzahl begrenzt
Bitte vorab anmelden! Telefon (0821)
81001-526
Begleitende Vortragsreihe zur Ausstellung an folgenden Donnerstagen:
21. Mai 2026
Von der Vision zum Material für Mode
Martin Leuthold, Textildesigner, St. Gallen
Herausragende Kreationen der
Modedesignerinnen und -designer bedürfen innovativer Stoffe und immer wieder neuer Textildesigns. Martin Leuthold arbeitete über
40 Jahre als Textildesigner und Kreativchef beim bekannten
Sankt Galler Textil-Unternehmen “Jakob Schlaepfer”. Er entwickelte Stoffe aus atemberaubender Qualität für die bedeutendsten
Modedesigner der Welt. Talbot Runhof arbeitete häufig mit den
Geweben und Spitzen, die sie bei Jakob Schlaepfer bezogen. Martin
Leuthold gibt Einblicke in sein kreatives Schaffen und die technisch
hochkomplexen Gewebe und Stickereien.
09. Juli 2026
Die Bühne der Mode: Die Modenschau
zwischen Kontinuität und Wandel
Marie Helbing M.A., TU
Dortmund / LWL-Industriemuseum
Seit mehr als 100 Jahren dient die Modenschau Designerinnen und Designern sowie Unternehmen als temporäre Bühne. Die Präsentation bildet den Höhepunkt eines kreativen Schaffensprozesses, dessen Ergebnisse zweimal jährlich einer breiten Öffentlichkeit werbewirksam vorgeführt werden. Die einst intimen Vorstellungen neuer Moden in Materialität, Farbe und Schnitt sind heute medialen Großereignissen gewichen.
Der Vortrag gibt Einblicke in die
Geschichte der Modenschau von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Der Fokus liegt auf inszenatorischen
Veränderungen, modegeschichtlichen Zusammenhängen sowie
zeitspezifischen Einflüssen.
CELEBRATING FASHION
Talbot Runhof in Paris
17.04. - 25.10.2026
23. Juli 2026
Celebrate (in) Fashion: Inwertsetzungsprozesse von Anlassmode
Dr. Ina Hagen-Jeske, Universität Augsburg
Was macht Kleidung zu wertvoller Mode
und welche Zuschreibungsprozesse verbergen sich da hinter? Diese
Fragen stehen im Zentrum des Vortrags von Ina Hagen-Jeske, die am
Beispiel des Münchener Modelabels Talbot Runhof die
vielfältigen Inwertsetzungsprozesse von (Anlass-)Mode analysieren wird. Angefangen mit dem Designprozess, der teils
aufwändigen Herstellung von Materialien, über die Präsentation
der Objekte auf Mode- bzw. Couture-Schauen, in (digitalen wie analogen) Verkaufsräumen bis hin zur Berichterstattung über
berühmte Trägerinnen und schließlich durch die Musealisierung der
Kleidungsstücke, werden Stationen jener Zuschreibungs- wie Aufwertungsprozesse in den Blick genommen. Im Zentrum steht dabei die
These, dass es sich hierbei nicht nur um monetär messbare
Parameter handelt, sondern um ein Geflecht aus symbolischen
Zuschreibungen und kulturellen Praktiken, die letztlich den Wert
eines Kleidungsstückes bestimmen.
01. Oktober 2026
Luxus – kann das weg?
Dr. Karl Borromäus Murr, Direktor des tim
Luxus. Bereits der Begriff weckt eine Fülle von Assoziationen: kostspieliger Zierrat, Übermaß und Verschwendung ebenso wie Wohlstand, Komfort, demonstrativer Konsum und prestigeträchtige Statussymbole. Gehört Luxus zu den entbehrlichen oder zu den unverzichtbaren Bestandteilen von Kultur? Ausgehend von kulturhistorischen und philosophischen Perspektiven geht der Vortrag dem Phänomen Luxus nach, das der Philosoph Theodor W. Adorno als das Bemühen beschreibt, „der Sklaverei der Zwecke zu entfliehen“.
Beginn: jeweils 18.30 Uhr / Dauer: ca. 1,5 Stunden
Teilnahme gratis.
Bitte vorab anmelden! Telefon (0821)
81001-526
Begleitpublikation zur Ausstellung
Celebrating Fashion – Talbot Runhof in Paris
Herausgegeben von/Edited by Karl Borromäus Murr & Michaela Breil
ISBN 978-3-9821727-7-4
Preis: 29,- Euro
Die Begleitpublikation ist im Museumsshop des tim erhältlich oder kann per Mail unter kasse@timbayern.de bestellt werden.
FLOWER TOWEL by TALBOT RUNHOF X TIM
Flower-Power für zuhause! Begleitend
zur Ausstellung CELEBRATING FASHION haben Talbot Runhof und das
tim ein exklusives Geschirrtuch mit floralen Mustern aufgelegt. Das
Dessin ist in spiriert durch die Kleiderkollektion „Flowers never
fail you“ von Talbot Runhof aus dem Jahr 2018, die das tim
inzwischen in seine Sammlung aufgenommen hat. Die Museumsweberei des
tim pro duziert die hochwertigen Jacquard-Tücher in
unterschiedlichen Farben. So sind neben einer Schwarz-Weiß-Variante auch Versionen in Himmelblau, Pink und
Frühlingsgrün verfügbar. Das Handtuch besteht aus 100 %
Baumwolle und ist im Museumsshop des tim erhältlich. Preis: 18,50 Euro. 
CELEBRATING FASHION – Talbot Runhof in Paris
Ein thematischer Rundgang durch die Ausstellung
Die Ausstellung präsentiert erstmals eine Auswahl der Modedesigns der Münchner Modemarke Talbot Runhof. Die beiden Designer Johnny Talbot (*1964) und Adrian Runhof (*1963) zählen mit ihrem Label zum erlesenen Kreis der bedeutendsten deutschen Modemarken, die internationale Strahlkraft besitzen. Mehr noch: Das auf hochwertige Damenmode spezialisierte Unternehmen gehörte zwischen den Jahren 2006 und 2019 zum exklusiven Reigen der internationalen Modelabels, die ihre neuesten Entwürfe zweimal jährlich auf der Pariser Fashion Week präsentierten. In dieser Zeit kleideten Talbot Runhof mit ihren Roben eine ganze Reihe von Weltstars ein, welche die Kreationen made in Munich getragen haben oder heute noch tragen. Dabei akzentuiert die Mode von Talbot Runhof immer die feminine Individualität der emanzipierten modernen Frau. Und bisweilen nutzten die beiden Designer ihre Mode, um auf mutige Weise politisch wie gesellschaftlich Stellung zu beziehen.
Über die Jahre haben Talbot Runhof eine unverwechselbare Designsprache entwickelt, die ausgefallene Stoffe und außergewöhnliche Materialien mit feinsten Schnitten sowie höchster Schneiderkunst verbindet – Designs, die oft aus den ebenso raffinierten wie subtilen Drapierungen von Johnny Talbot hervorgehen.
Alle Kreationen von Talbot Runhof
dienen vor allem einem Zweck: mit einem ausgefallenen Kleid das
Leben in besonderen Momenten zu feiern. Der Ausstellungstitel
Celebrating Fashion versteht sich deshalb im doppelten Sinne:
Zum einen feiert die Schau die exzellente Mode der beiden Designer. Zum anderen rückt sie die
feierlichen Momente in den Mittelpunkt, anlässlich dessen die Mode getragen wird: gleich ob auf einer Gala, einer Cocktailparty,
einem Ball oder auf dem roten Teppich. Die Kulturgeschichte des
Festes sieht in der Feier ein wichtiges „Moratorium des All tags“
(Odo Marquard), das dem werktäglichen Allerlei den
festlich-außergewöhnlichen Moment entgegensetzt, der erst dem
Leben insgesamt eine tiefere Bedeutung verleiht. Mode stellt
für Talbot Runhof niemals eine bloße Äußerlichkeit dar, sondern
eine wichtige kulturelle Form des gesellschaftlichen Miteinanders,
die unser Leben auf vielfältige Weise bereichert und ihm
dadurch Sinn stiftet.
Feiern: Ein Aussetzen des Alltäglichen
Von Anbeginn der Modegeschichte kommt der menschlichen Kleidung die symbolische Aufgabe zu, Persönlichkeiten bei zeremoniellen Anlässen in ihrer Bedeutung herauszuheben. Dabei gehören Feierlichkeiten zu den besonderen Gelegenheiten, in denen sich Menschen ästhetisch in Szene setzen. Der tiefere Sinn von Feierlichkeiten liegt darin, dass sie als „Moratorium des Alltags“ (Odo Marquard) fungieren, das erlaubt, das Einerlei des Werktages auszusetzen, um das Leben in seinem Überfluss zu feiern.
Talbot Runhof entwerfen ihre Mode genau für solche herausgehobenen Augenblicke, für Hochzeiten, Opernbesuche, Ballveranstaltungen, Gala-Abende, Cocktail-Empfänge, Preisverleihungen oder Red-Carpet-Events. Der Ehrgeiz der beiden Designer richtet sich darauf, mit ihrer Mode die jeweilige Persönlichkeit der Trägerin zur Wirkung zu bringen. Damit unterwerfen sie ihre Kreationen dem Dienst der einzukleidenden Frauen, die mit einem besonderen Kleid ihren einzigartigen Charakter sinnlich zur Sprache bringen. Wertvolle Stoffe, edle Materialien und raffinierte Schnitte wirken zusammen, um das gewünschte Erscheinungsbild für den Festmoment zu erschaffen.
Die Shows der Pariser Fashion Week
erfreuen sich der Öffentlichkeit einer global verbreiteten
Modepresse. Talbot Runhof nutzten deshalb diese Öffentlichkeit
wiederholt, um mittels ihrer Mode gesellschaftliche oder
politische Kommentare zu adressieren. So wandten sie sich in ihrer Herbst-/Winter-Kollektion von 2013/14 mit dem Titel „Corduroy
skirts are a sin“ gegen die Diskriminierung homosexueller
Menschen. Die Kollektion From Russia with Love im Frühjahr/Sommer 2015 kommentierte ironisch die völkerrechtswidrige Annexion der
Krim. Die Show im Februar 2017 wiederum nahm unter dem Titel
„Lie to me“ den besonderen Umgang Donald Trumps mit der
Wahrheit aufs Korn. Subtiler kommunizieren Kollektionen, die Frauen
mit maskulinen Schnitten, betonten Schulterpartien oder männlich
konnotierten Kleidungsstücken wie etwa Hosenanzügen oder
Frackmänteln ausstaffieren, die allesamt ein selbstbewusstes und
selbstbestimmtes Frauenbild in einer modernen Welt
unterstreichen.
Auf dem Laufsteg: Mode in Bewegung
Die Geschichte der Modenschau als performative Veranstaltung reicht bis ins 19. Jahrhundert. Anfangs trugen Assistentinnen oder Verkäuferinnen die Kreationen der Designer, etwa Charles Frederick Worth, der seine Frau in Paris präsentierte, um Aufmerksamkeit zu erregen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzten Modehäuser auf Schauspielerinnen, um ihre Entwürfe im gesellschaftlichen Umfeld zu zeigen, während auch Damen der Halbwelt neue Designs populär machten. Im 20. Jahrhundert etablierten sich feste Modeschauen in Paris und London, bei Designern wie Paul Poiret, Lucile oder Paquin, wobei Lucile als erste Designerin ihre Models als eigene Persönlichkeiten bekannt machte. Kaufhäuser und später Filme trugen die Shows weiter in die Öffentlichkeit. 1943 fand in New York die erste Fashion Week statt, initiiert von Eleanor Lambert. Internationale Events wie der Wettkampf von Versailles 1973 führten zu Starkult bei Designern und Models. Couture- und Prêt-à-porter-Shows, von Dior bis Mary Quant, begeistern bis heute weltweit.
Design, das Einzigartigkeit schafft
Die Modeschöpfungen von Talbot Runhof
vereinen verschiedenste Designelemente, die sich zu überzeugenden Entwürfen fügen. Der Designprozess beginnt mit der
Auswahl der Stoffe, deren einzigartige Qualität das
Erscheinungsbild des zu schaffenden Kleides maßgeblich bestimmt.
Zur Vielfalt der Designs tragen nicht selten gemusterte Stoffe
bei, gleich ob sich Talbot Runhof für geometrische, Schwarz-Weiß-,
oder für florale, Tier- und Naturmuster als Textildruck oder
Jacquard-Gewebe entscheiden. Während bei anderen Designern die
Modezeichnung am Anfang eines Entwurfes steht, ist es für
Talbot Runhof das kunstvolle Drapieren des Stoffes an einer Schneiderpuppe, das der Formfindung dient. Hierbei entsteht die Idee für die
Art und Weise, wie sich das künftige Kleid an den Körper der
Frau anschmiegen soll. Die Physis der jeweiligen Stoffe erlaubt unterschiedlichste Faltenwürfe und Geometrien, die das
Erscheinungsbild maßgeblich definieren. Beim Drapieren entsteht
schließlich auch die Idee für den zum Einsatz kommenden Schnitt, wofür Talbot Runhof ebenso subtile wie reduzierte Varianten finden,
welche die Silhouette des entstehenden Kleides entscheidend
bestimmen.
Momente des Wandels – Talbot Runhofs neuer Kurs
Im Jahr 2019 zogen sich Talbot Runhof
bewusst aus den Präsentationen der Pariser Fashion-Week zurück. Die beiden Designer entschieden sich für eine
Neuausrichtung ihres Unternehmens. Diese Entscheidung war
getrieben von dem Wunsch, dass die beiden Designer noch stärker als bisher die Bedürfnisse ihrer Kundinnen adressieren wollten.
Informellere Begegnungen mit den möglichen Käuferinnen vor
Ort ersetzen jetzt die großen Defileen der Pariser Jahre. Dazu kam
die bewusste Entscheidung, bei der Herstellung der Kollektionen
konsequent auf regionale Wertschöpfungsketten zu setzen. Über all
die Jahre ist es den beiden Designern gelungen, ihr Unternehmen
unabhängig von großen Geldgebern zu halten. Zuletzt begannen Talbot
Runhof, die bildende Kunst als Inspirationsquelle für ihr
Modedesign zu entdecken. So ließen sich die Münchner Modeschöpfer anregen wie etwa von dem Münchner Künstlerduo Mehmet
und Kazim und zuletzt von dem spanischen Künstler David Magán.
Kurzbiografien von Johnny Talbot und
Adrian Runhof
Johnny Talbot
Geboren am 23. Juli 1964 in Nashville, Tennessee (USA)
Schon früh kam Johnny Talbot mit der Welt der Mode in Berührung. Seine Mutter arbeitete als Schneiderin und fertigte unter anderem Bühnenkostüme für bekannte Country-Stars wie Dolly Parton und June Carter Cash.
Nach der High School studierte Talbot
an der Vanderbilt University in Nashville und machte seinen
Abschluss als Electrical Engineer. Einer seiner ersten beruflichen
Stationen führte ihn nach Washington, D.C., wo er
Softwareprogramme für das Pentagon und das U.S. Naval Research Cen
ter entwickelte. 
Mit 24 Jahren bewarb er sich bei Radio Free Europe und zog dafür nach München. Mehrere Jahre arbeitete er als Programmierer für den Sender. Während dieser Zeit lernte er Adrian Runhof kennen, der gerade an seiner ersten Kollektion arbeitete. Auch Talbot begann eigene Entwürfe zu entwickeln. Gemeinsam mit Runhof präsentierte er seine erste Kollektion Myrna Getz in Paris, wo der renommierte New Yorker Department Store Henri Bendel auf ihn aufmerksam wurde. Talbots größte Inspiration liegt bis heute in den Materialien selbst. Er steckt, drapiert und experimentiert, bis sich Form und Idee intuitiv ergeben. Auch seine Leidenschaft für Musik und Film prägt die Ästhetik der Marke. Besonderes Augenmerk legt er auf oft technisch anmutende Schnittentwicklungen: So schafft er Modelle, die mit minimalen Nähten und teilweise nur wenigen Schnittteilen – manchmal sogar nur einem einzigen – konstruiert sind.
Adrian Runhof
Geboren am 15. Mai 1963 in Mainz, aufgewachsen in Wiesbaden
Adrian Runhof wuchs in einer Familie von Modeunternehmern auf. Seine Mutter führte die von ihr gegründete Modemarke Amarotico, sowie das Modehaus Regina Moden in Wiesbaden, gemeinsam mit ihrem Ehemann. So kam auch Adrian Runhof schon früh mit Mode, Design, aber auch mit dem Vertrieb in Berührung. Nach dem Abitur zog Runhof nach München, um an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) Betriebswirtschaft zu studieren. Bereits während des Studiums sammelte er erste Berufserfahrung in einer Modeagentur im Vertrieb, arbeitete jedoch parallel an seiner eigenen Kollektion Never Never Adrian.
In dieser Zeit begegnete er Johnny Talbot. Beide entwickelten zunächst eigene Kollektionen, beschlossen jedoch dann, Ihre kreativen Energien zu bündeln. Gemeinsam mit Roland Müller-Neumeister gründeten sie das Label All About Eve und eröffneten eine erste kleine Boutique in der Nähe der Münchner Maximilianstraße. Nach dem Ausstieg von Müller-Neumeister wurde das Label 1999 in Talbot Runhof umbenannt.
Auch Adrian Runhof findet seine
Inspiration vor allem in den exklusiven Stoffen selbst. Auch seine
Leidenschaft für zeitgenössische Kunst lässt er in seine Entwürfe
einfließen – mal subtil durch kleine Details und Farbwelten,
mal deutlich sichtbar in Kooperationen mit aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern.



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