Gerüchte und Vemutungen: Wer wird unterm neuen OB Florian Freund Bürgermeister oder Referent?

 

Das große Augsburger Sesselrücken: Wer kriegt die guten Fensterplätze im Rathaus?

Nach der Stichwahl gleicht die Schwabenmetropole Augsburg einer Mischung aus einem Flohmarkt und einer sehr nervösen Folge von «Reise nach Jerusalem». In den Fluren des Rathauses werden Koffer gepackt. Es wird gefeilscht, und manch einer fragt sich, ob sein Bürostuhl morgen noch an derselben Stelle steht. Der neue Chef im Ring, Dr. Florian Freund von der SPD, will den Laden ordentlich durchlüften. Das bedeutet für viele Altgediente: Abgang durch die Hintertür oder Hoffen auf ein weiteres politisches Wunder.

​Räumungsverkauf bei Eva Weber und das grüne Aus

​Besonders geschäftstüchtig zeigt sich die scheidende Oberbürgermeisterin Eva Weber. In ihrem Büro findet offenbar eine Art vorgezogener Garagenverkauf statt. Das Klavier, das ihr Gatte einst für sie von der Aktion «Play Me, I’m Yours» erstanden hat, soll unter den Hammer. Man darf gespannt sein, was als Nächstes von ihr bei eBay landet. Vielleicht die Amtskette oder der goldene Hefter? Ob sie im Stadtrat künftig versucht, ihrem Nachfolger Florian Freund und ihrer CSU aus purer Rache ein Bein zu stellen, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist sie aber auch einfach froh, den ganzen Flohzirkus hinter sich zu lassen. Sie könnte ja in Zukunft, so ihre Fans, eine Lach-Coaching-Agentur betreiben.

​Für die Grünen sieht es derweil düster aus. Freund hat offenbar so gar keine Lust auf eine Fortsetzung der schwarz-grünen Kuschelrunde. Obwohl er die vielen neuen Radwege dieser Stadtregierung mit seinem roten Speichenflitzer auch gerne benutzt. Er plant wohl die grüne Null-Diät. Weder Bürgermeisterposten noch Referate sollen an die Öko-Fraktion gehen. 

Das dürfte Martina Wild hart treffen. Die bisherige Bürgermeisterin und Bildungsreferentin könnte bald sehr viel Zeit haben, um mit dem Lastenrad durch das bunte Augsburg zu kurven. Da hilft es auch wenig, dass Claudia Roth im Hintergrund die Stirn runzelt. Jetzt gilt die Parole ihrer Lieblingsband Ton Steine Scherben: »Keine Macht für Niemand»! Umweltreferent Reiner Erben hat Glück im Unglück: Das Millionendebakel aus der Coronazeit ist für ihn dann gelöst. Die Grünen hatten am Sonntag, dem 8. März 2026, zwar mehr Stimmen als die SPD geholt. Aber in der Politik gilt eben oft: Wer die Musik dirigiert, bestimmt, wer nicht mitspielen darf.

​Der sympathische Kronprinz und die Wander-Sozialistin

​Ein Name, der über allem schwebt, ist Frank Pintsch. Der CSU-Mann ist die personifizierte Allzweckwaffe. In Insiderkreisen flüstert man schon lange, dass Pintsch als heimlicher OB-Kandidat der CSU aufgebaut werde, falls es mit Eva Weber schiefgeht. Jetzt ist der Fall eingetreten. Pintsch gilt als absoluter «Bürgerversteher». Es ist so gut wie sicher, dass er der nächste zweite Bürgermeister wird. Er ist der Mann, der die CSU wieder in die Spur bringen soll. Und wer passt besser zu Freunds Losung «Augsburg wieder in Ordnung bringen» als der bisherige Ordnungsreferent?


​Währenddessen muss Volker Ullrich, der neue starke Mann der CSU, einst von OB Dr. Kurt Gribl fast aussortiert, die Scherben zusammenkehren. Auch wenn er durch seinen neuen Job in Bonn wenig Zeit hat. Jedoch hat er Übung mit Zeit-Management aus seiner Existenz als Bundestagsabgeordneter in Berlin. Ullrich wird alles daran setzen, dass die Christsozialen trotz der Niederlage mitbestimmen können. Vor allem bei der einträglichen Postenvergabe. Das geht natürlich auf Kosten von Leo Dietz. Der bisherige Fraktionsvorsitzende mit Knubbel-Frisur und Gastro-Engagement, wird politisch gesehen wohl in die Augsburger Wirkungslosigkeit, sprich Bayerischer Landtag, völlig abgeschoben. Er muss sich derzeit sogar gegen Angriffe aus der Jungen Union wehren. Das beschädigt seinen Ruf als junger «Macher» doch erheblich. Es gibt Leute bei der CSU, die behaupten, der olle Bernd Kränzle habe als Fraktionschef immerhin zwei OBs auf den Thron gehoben. 

​Ein echtes Highlight im Rathaus-Theater ist Mäggie Heinrich. Die frühere SPD-Frau ist ja bekanntlich mit großem Getöse zur CSU übergelaufen. Jetzt sitzt sie da als «politische Exilantin». Es wird spannend, wie sie zwischen ihren alten Genossen und den neuen Parteifreunden jongliert. Ihr beleidigter Wandertrieb sorgt jedenfalls für reichlich Gesprächsstoff in Haunstetten. Eine weitere politische Konvertitin, Christine Wilholm, die von den Linken zur SPD wechselte, hatte bei der Wahl leider Pech. Sie kommt nicht mehr in den neuen Stadtrat. Wer zu früh wechselt, den bestrafen die Wähler! 

​Generation AUX: Frische Luft und Gastro-Power

​Ein besonders spannendes Kapitel in Freunds neuer Augsburg-Regierung wird die Gruppierung Generation AUX. Die Truppe um Raphael Brandmiller hat das «neue Denken» ja quasi gepachtet. Mit Brandmiller und seinen zwei Power-Frauen im Stadtrat, Julia Engelsmann und Ana Babic, bringt die Liste ordentlich Schwung in die Bude. Freund wird sie kaum ignorieren können, wenn er die weber'sche «Wagenburg-Mentalität» wirklich beenden will. 

Ziemlich klar ist, dass an einem Sportreferenten, dem Kanugiganten Hannes Aigner mit seinen Stadträten Regina Stuber-Schneider, übrigens früher bei der CSU, Susanne Rößner und Hans Wengenmaier von den Freien Wählern für Freund kaum ein Weg, äh, Eiskanal, vorbeigeht. 

​Gerüchten zufolge könnte Freund den kleineren Parteien wie Generation AUX eine gewichtige Stellung anbieten. Vielleicht ein neu geschneidertes Referat für «Stadtbelebung und Innovation»? Da im Hintergrund der Truppe einige prominente Augsburger Gastronomen die Fäden ziehen, wäre ein Referat, das sich um das Nachtleben und die Attraktivität der Innenstadt kümmert, nur folgerichtig. Wer weiß. Hoffentlich wird Augsburg bald die erste Stadt mit einem offiziellen «Event-Referenten». Es wäre der Generation AUX auf jeden Fall zuzutrauen, dass sie das Rathaus erst einmal einer gründlichen Inventur in Sachen Coolness unterziehen.

​Neue Sterne und die Brandmauer zur AfD

​Ein weiterer Stern am SPD-Himmel ist Lara Hammer. Die Tierschutz-Expertin könnte in der neuen Regierung eine tragende Rolle übernehmen. Könnte sein, sie bekommt ein Referat, in dem sie sich als Zoo-Koordinations-Chefin um die zwei- und vierbeinigen Bewohner des Tiergartens der Schwabenmetropole Augsburg kümmern muss. Dass sie für Höheres vorgesehen ist, pfeifen die Spatzen bereits von den Dächern des Rathauses.

​Florian Freund muss derweil eine knifflige Taktik anwenden, um nicht als «OB von Gnaden der AfD» dazustehen. Freund wird aber versuchen, eine so breite Mehrheit aus CSU, SPD und Kräften wie die Generation AUX zu zimmern, dass er die Stimmen vom rechten Rand gar nicht erst zählen muss. Er wird die Brandmauer so hoch ziehen, dass sie selbst vom Perlachturm aus noch wie ein unüberwindbares Hindernis wirkt.

Kann OB Florian Freund mit frischem Schwung und Team den verflixten
Augsburger Knoten lösen?


​Frischer Wind durch die Kleinen?

​Sollte Freund die alten Strukturen aufbrechen, schlägt die Stunde weiterer kleiner Parteien. Für den Wohnungsbau stünde Bruno Marcon von «Augsburg in Bürgerhand» bereit. Im Kulturbereich der Brecht-Stadt könnte Iris Steiner von der FDP, die früher bei der CSU schon gegen Leo Dietz antrat, von der FDP für kulturelle Kreativität sorgen. Sie solle Theater-Beauftrage werden. Mit ihrem Charme könnte sie die Architekten-Honorare sicher stark nach unten drücken. Und für das Umweltreferat steht Roland Wegner, auch ein ehemaliges SPD-Mitgliedvon der V-Partei in den Startlöchern. Dann gibt’s halt leider nur noch vegane Wienerle im Augsburger Ratskeller zu den Empfängen.

Vielleicht setzt Freund die Linken Stadträte mit der OB-Kandidatin Elisabeth Wiesholler zum Thema Nahverkehr und Gesundheit ein? Dann haben die das Vergnügen, sich mit den Millionen-Nachzahlungen für das Corona-Impfzentrum herumschlagen zu dürfen. Ein echtes Willkommensgeschenk.

​Auch Dirk Wurmehemaliger Oberbürgermeister Kandidat von der SPD, ist wieder dick im Geschäft. Er könnte ein neues Referat für Familie und Jugend übernehmen. Das wäre ein kluger Schachzug, um soziale Kompetenz zu zeigen. Wenn einer familiär und jugendlich daher kommt, dann unser smarter Dirk. Währenddessen bleibt Finanzgenie Roland Barth wohl der Fels in der Brandung. Wer die Zahlen so im Griff hat, den schickt man nicht in die Wüste. 

Auch Baureferent Steffen Kercher sitzt dank seines Vertrags bis 2029 erst einmal fest im Sattel. Auch wenn es zuletzt zwischen Freund und ihm ein paar Misstöne gab. Das wird speziell mit der Finanzkatastrophe Staatstheater sicher ein spannendes Spiel in der Zukunft. Vielleicht schickt ihn Freund mit der Schaufel zu den Archäologen in die Theatergrube um einige Goldmünzen zu finden, damit die Theater-Schulden weniger werden?

Irgendwas mit Energie?

Womöglich kann Freund auch die humorvolle Stadträtin Lisa McQueen von der Partei DIE PARTEI irgendwie in sein regierendes Gesamtkonstrukt einbauen? In letzter Zeit hatte sie durch Gastronomie etwas Probleme mit der Stadt Augsburg. Da könnte Florian Freund ansetzen. Lisa wird darum zuständig für die Kaffeeversorgung bei den Stadtratssitzungen. Eine Referat für Humor und Satire wird es ja wohl nicht geben, oder? Und bei dem neuen Stadtrat Thorsten Frank von der Volt-Partei fällt uns auch nicht viel mehr ein als irgendwas mit Energie, vielleicht zuständig bei den Stadtwerken für Stromimporte aus ganz Europa?

​Man sieht also, im Augsburger Rathaus ist derzeit mehr Bewegung als auf der Maximilianstraße zur Sperrstunde. Während die einen noch den richtigen Akkord am Flohmarkt-Klavier suchen, polieren die anderen schon das Namensschild für den neuen Chefsessel.

Für eine Frage haben wir noch keine passende Antwort: Wer wird 3. Bürgermeister in Augsburg? Hier müsste eine Frau ran. Freund wurde ja durch ein Frauenteam im Wahlkampf betreut und gepusht. Er könnte natürlich mit einer Linken Wiesholler deutschlandweit Aufsehen erringen. Für die deutsche SPD gilt er sowieso schon als erfolgreiches Vorbild.

Eines ist sicher: Langweilig wird es in Augsburg in den nächsten sechs Jahren garantiert nicht. Wir bleiben für euch am Ball. Oder besser gesagt am Aktenordner. 

In diesem Sinne: Schauen wir mal, wer am Ende wirklich auf welchem Stuhl landet, wenn die Musik aufhört zu spielen.

Unseren herzhaften Kommentar zur neuen Herrschaft in Augsburg
verfasste der löbliche Chefredakteur Arno!

Wer darf bald mit dem kommenden Augsburger Oberbürgermeister Florian Freund
auf einen neuen schönen Posten anstoßen?


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