Wotan in Datschiburg: Der heroische Kampf um das Augschburgerische City-Schwäbisch!

Wolfgang "Wotan" Magg mit seinem neuesten Werk "Augschburg Chaos".


Wer hätte gedacht, dass der Retter des Augsburger Dialekts den Namen eines nordischen Gottes trägt? Wolfgang Magg, seines Zeichens Philologe und Verfasser herrlich boshafter Mundart-Texte, zieht seit 1976 unter dem Pseudonym „Wotan“ in einen fast schon mythologischen Kampf. Sein ehrenwerter Endgegner: Die drohende „Götterdämmerung in Datschiburg“ durch die Dominanz des Hochdeutschen und die schleichende „Bajuwarisierung“. Als selbsternannter philologischer Schutzgott bewaffnet er sich nicht mit Hammer oder Speer, sondern mit spitzer Feder und dem unverfälschten „Augschburger City-Schwäbisch“.

Mehr als nur "Glump" und "Huraglump"


Wotan hat eine klare Mission: Er will beweisen, dass die Mundart der Fuggerstadt ein höchst innovatives, urbanes Idiom ist, das sich ganz bewusst vom ländlichen Dialekt der Staudenregion abhebt. Das Augsburgerische ist direkt, derb und treffsicher. Wenn etwas nichts taugt, ist es schlicht ein „Glump“ – oder in der dramatischen, augsburgischen Steigerung ein „Huraglump“. Wer unglücklich in eine dreckige Pfütze tritt, landet im „Batschlach“, und wer sich zu sehr über die Obrigkeit ärgert, bekommt am Ende noch ein handfestes „Ranzapfeifa“ (Bauchweh). Diese lebensnahe Alltagssprache, so Magg, spiegelt die wahre Mentalität der Stadtbewohner viel besser wider als jede staubtrockene Wörtersammlung.


Wotan mit einem seiner ersten Werke: Ausmal-Gedichte für Kinder!


Weltliteratur, auf City-Schwäbisch vernuschelt


Dass Dialekt und Hochkultur keine Gegensätze sein müssen, beweist Magg auf denkbar originelle Weise. Er schnappt sich einfach die großen Klassiker von Bertolt Brecht, Franz Kafka oder Martin Luther und übersetzt sie eiskalt in seine geliebte Mundart. Beim Augsburger Brechtfestival verblüffte er das Publikum, indem er Brecht-Gedichte auf City-Schwäbisch geradezu herrlich „vernuschelte“. Das Ergebnis? Es klang ungemein echt, erdverbunden und – paradoxerweise – „sehr brechtisch“.
Auch vor der internationalen Bühne macht Wotan nicht Halt: In zweisprachigen Sammlungen stellt er das Augsburgerische provokant dem Lateinischen, Russischen, Türkischen oder Venezianischen gegenüber. Seine augenzwinkernde Begründung: Fremde Völker hätten sich ohnehin nur am originalen Augsburger Geist bedient, und er hole sich dieses Material nun lediglich rechtmäßig zurück.

Wotan sitzt im Museums-Hof vor einem Stapel Bücher aus seiner Schreibwerkstaat und greift in seinen Koffer voller eigener Werke.


Fritzi Hundekuchen teilt aus


Wenn er nicht gerade Weltliteratur verfremdet, schlüpft Magg für das Stadtteilmagazin ASO! gerne in die Rolle der „Fritzi Hundekuchen“. In seiner Dialektkolumne knöpft er sich stadtpolitische Aufregerthemen vor. Am liebsten die Stadtverwaltung selbst. Ein Paradebeispiel ist sein satirischer Frontalangriff gegen die Fällung von alten Bäumen am Herrenbachkanal. In feinstem Dialekt macht er sich über die angeführte Hochwassergefahr an einem regulierten Betonkanal lustig und entlarvt die sogenannte „Birgrbedeiligung“ als Farce, bei der der Bürger ohnehin nichts zu melden habe, wenn Polizei und Bagger anrücken.

Dialekt als Kitt der Gesellschaft


Bei all dem beißenden Spott verfolgt Wolfgang Magg ein zutiefst soziales und integratives Ziel. Für ihn ist die Mundart ein wichtiges Werkzeug der gesellschaftlichen Nachhaltigkeit. Dialekt schlägt Brücken zwischen den Menschen, baut Diskriminierung ab und ist Balsam für die seelische Gesundheit, weil jeder das Recht haben sollte, sich in seiner vertrauten Muttersprache auszudrücken. Niemand, fordert Wotan vehement, dürfe am Arbeitsplatz benachteiligt werden, nur weil er schwäbelt.

Neues vom Olymp: Das "Augschburg Chaos"


Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, darf sich auf den Winter freuen: Im Dezember 2025 erscheint Wotans neuestes Werk „AUGSCHBURG CHAOS“. Auf 88 Seiten versammelt er 390 satirisch aufgespießte Kurztexte und Sprüche im Idiom der Fuggerstadt. Das Buch ist quasi eine gedruckte Notfallapotheke gegen die sprachliche Gleichmacherei – und der beste Beweis, dass der Augsburger Dialekt noch lange nicht reif für die Götterdämmerung ist.

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Augschburg-Chaos / Wotan / 390 Sprüche auf 88 Seiten / mit 8 Abbildung von Wotan / Schmeichel-Umschlag / Audiabü Verlag / ISBN 9783000851162 / 18,00 Euro

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