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| Waldemar Hartmann hält statt einem Weizenbierglas ein Buch mit seinem Beitrag in der Hand. |
Der ehemalige Augsburger Wirt, Faschingsprinz und Sportreporter Waldemar Hartmann schrieb einen Beitrag für das Buch "Links-Deutsch, Deutsch-Links"
Es gibt Geschichten, die fangen am Tresen an und enden im ideologischen Schützengraben. Waldemar Hartmann, den die meisten als das personifizierte Weißbierglas des deutschen Sportjournalismus kennen, hat für das neue Wörterbuch des Reichelt-Verlags seine philosophische Tiefe ausgelotet. Bevor «Waldy» zum bayerischen Rundfunk-Urgestein wurde, schlug er in Augsburg seine Wurzeln. Vom Bassisten bei der Band von Roy Black zum Betreiber von «Waldy's Club» war es nur ein kleiner Sprung. In einem Interview über seine Aktivität als Faschingsprinz mit der Augsburger Monatszeitschrift nannte er sich Prinz Porno. Doch nun scheint er in der Welt der politischen Definitionen gelandet zu sein. In seinem Beitrag für das Werk «Links-Deutsch / Deutsch-Links» widmet er sich dem Begriff «rechts».
Hartmanns Analyse beginnt mit einer fast schon rührenden Kindheitserinnerung. Er zitiert seine Mutter mit dem Satz, dass rechts dort sei, wo der Daumen links ist. Diese Wirtshausweisheit dient ihm als Rampe für eine Abrechnung mit der modernen politischen Landschaft. Er beschreibt den Wandel eines Orientierungsbegriffs hin zum Schimpfwort. Es ist die klassische Erzählung eines Mannes, der sich selbst als unbewegten Fels in der Brandung sieht, während sich die Welt um ihn herum nach links weggedreht hat. Mit einer ordentlichen Portion Augsburger Direktheit, gelernt als Augsburger Macho-Faschingsprinz, stellt er fest, dass man heute fast schon «heroischen Mut» brauche, um sich als rechts zu bezeichnen.
Sarkastisch ließe sich anmerken, dass Hartmann hier das Kunststück vollbringt, die komplexe Geschichte der Sitzordnung in der Nationalversammlung von 1789 auf das Niveau einer Daumenregel herunterzubrechen. Er bedient sich dabei fleißig bei Franz Josef Strauß und dessen altem Credo, dass es rechts der CSU keine demokratisch legitimierte Partei geben dürfe. Dass Hartmann heute als «Rechter» gehandelt wird, verbucht er nicht als eigene Radikalisierung, sondern als Verschiebung der Koordinaten durch «die Linken». Für einen Mann, der jahrelang die Abseitsfalle erklärte, ist das eine bemerkenswerte taktische Analyse. Er sieht sich in einer «Mitte», die angeblich von der «Zivilgesellschaft» strafversetzt wurde.
Hinter diesem Projekt steht ein Duo, das in der Medienlandschaft polarisiert wie kaum ein anderes. Julian Reichelt, der ehemalige Bild-Chef und heutige NiUS-Frontmann, fungiert als Herausgeber und Zeremonienmeister dieses lexikalischen Exorzismus. Er versteht es meisterhaft, das Gefühl der «schweigenden Mehrheit» in klickstarke Schlagzeilen zu gießen. An seiner Seite agiert Pauline Voss, die stellvertretende Chefredakteurin von NiUS, welche die konzeptionelle Struktur des Buches verantwortet und den «linken Floskel-Wahnsinn» mit kühler analytischer Schärfe dekonstruieren will.
Die Liste der weiteren Autoren liest sich wie ein «Who is Who» der konservativ-libertären Gegenöffentlichkeit. Henryk M. Broder, das Enfant terrible der politischen Publizistik, steuert seine gewohnt scharfzüngigen Attacken bei. Die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis bringt den aristokratischen Glanz und eine Prise kompromisslosen Traditionalismus in die Debatte ein. Besonders pikant ist die Beteiligung von Wolfgang Kubicki. Dass ein amtierender Bundestagsvizepräsident der FDP in einem Werk mitschreibt, das das «linke Establishment» so frontal angreift, sorgt in Berlin für reichlich Diskussionsstoff. Harald Martenstein, der Meister der feinen Ironie, rundet das Ensemble ab und zeigt, dass Kritik am Zeitgeist auch ohne Schaum vor dem Mund möglich ist.
Das Buch selbst, wird von Kritikern oft als «Kampfschrift der neuen Rechten» oder als «polemisches Handbuch für den Kulturkampf» bezeichnet. Stimmen aus dem journalistischen Mainstream werfen dem Werk vor, genau das zu tun, was es der Gegenseite vorwirft. Die Instrumentalisierung von Sprache. Während das Buch vorgibt, linke Floskeln zu entlarven, schaffe es laut Kritikern eine eigene, hochgradig manipulative Terminologie. Der «Spiegel» oder die «Zeit» sehen in solchen Publikationen oft den Versuch, Begriffe wie «Demokratie» oder «Hassrede» umzudeuten, um die Grenze zum Rechtspopulismus zu verwischen. Es sei ein «Standardwerk für die Echokammer», in dem sich Autoren gegenseitig ihrer Rechtschaffenheit versichern.
Wer sich selbst ein Bild von Waldis politischem Kompass machen möchte, kann dies in den einschlägigen Buchhandlungen der Schwabenmetropole tun. Ob seine Daumenregel im heutigen politischen Diskurs als Navigationshilfe taugt, bleibt jedem Leser selbst überlassen.
Text: Arno Loeb

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