Die Maxstraße als verkehrsberuhigtes Alpendorf? Augsburgs CSU probt den provinziellen Aufstand in der Schwabenmetropole
Man muss kurz innehalten und tief durchatmen. Die Augsburger CSU-Stadtratsfraktion hat die Schnappatmung für sich entdeckt. Sie fordert mit dramatisch erhobener Ursel-Flederwisch-Stimme das sofortige Eingreifen des Oberbürgermeisters in der Maximilianstraße. Was ist geschehen? Am vergangenen Wochenende trafen sage und schreibe zwei absolute Ausnahmezustände aufeinander. Die Lange Kunstnacht lockte Kulturbegeisterte an. Gleichzeitig lief ein WM-Spiel. In jeder echten, pulsierenden Großstadt weltweit führt das zu folgendem Phänomen. Menschen strömen auf die Straßen, das Leben pulsiert, die Stadt atmet und ja, es wird voll und laut. Augsburg zeigt sich von seiner weltstädtischen Seite. Die Menschen feiern das urbane Leben.
CSU will Bürgersteige hochklappen
Doch für die Augsburger CSU-Fraktion ist das kein Grund zur Freude, sondern der blanke Horror. In einer Pressemitteilung, die vor provinzieller Spießigkeit nur so strotzt, wird der Untergang des Abendlandes an der Ulrichskirche heraufbeschworen. Autos schoben sich durch Menschenmengen. Die Situation sei angeblich völlig außer Kontrolle geraten. Fraktionschef Leo Dietz und sein ordnungspolitischer Sprecher Peter Schwab, der manchmal rechts von der AfD auftaucht, träumen offensichtlich von einer Maximilianstraße, die der totalen, klinisch reinen Friedhofsruhe gleicht. Ihr Idealbild scheint ein verkehrsberuhigtes Alpendorf zu sein, in dem ab 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden und Security-Kräfte mit der Lupe nach verirrten Fußgängern suchen.
Panikmache mit provinziellem Gemeckere?
Diese absolute Überregulierungswut ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Sie passt überhaupt nicht in eine moderne Großstadt wie Augsburg. Wer das urbane Leben liebt, der erträgt auch mal ein bisschen Trubel an einem lauen Sommerabend. Die CSU will das Wohnzimmer der Innenstadt lieber in ein verbarrikadiertes Hochsicherheitsdepot verwandeln. Statt die Lebendigkeit zu feiern, wird nach Verboten und Kontrollen geschrien. Das ist Kleingeistigkeit in Reinform, die einer selbstbewussten Schwabenmetropole unwürdig ist. Die Stadtverwaltung sollte sich von dieser Panikmache nicht anstecken lassen. Augsburg ist eine Großstadt, kein Sanatorium für Ruhesuchende. Ein solches provinzielles Gemeckere hätte man von einer Großstadtpartei wie die Augsburger CSU nicht erwartet. Nun führt sie sich auf wie eine lebensfeindliche AfD.
| Kann Eva Weber, die gestürzte OBin die CSU als Rache-Instrument gegen den neuen OB Florian Freund nutzen? |
Reine Pillepalle
Oder geht es um Rache für die gestürzte Oberbürgermeisterin aus ihrer Partei, die in der Maximilianstraße wohnt? Dort gibt es bei den Augsburger Sommernächten fröhliches Leben. Das kann die Gedemütigte natürlich nicht gut ertragen. Aber wir hätten nicht gedacht, dass sie in der Augsburger CSU noch so viel Einfluss hat, um hier mit einer meckernden Pressemitteilung gegen den neuen Oberbürgermeister loszuschlagen. Mit einem Thema, das reine Pillepalle ist.
| Kann Florina Freund auf die CSU als Unterstützer für seine Stadtregierung wirklich zählen? |
Unser Kommentar: Liebe Augsburger CSU, du musst dich entscheiden, mit wem du nun regieren willst: mit dem neuen Oberbürgermeister Florian Freund oder mit der gefallenen Oberbürgermeisterin Eva Weber? Und merkt euch bitte eins, liebe Augsburger CSU, solches unsinniges Gejammere gegen einen freundlichen und lebenslustigen Augsburger Oberbürgermeister hat die AfD besser drauf wie ihr.
Bericht und Fotos: Anton Spinn
Bericht und Fotos: Anton Spinn
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