Der Referatssessel ist gesichert: Tatjana Dörfler darf endlich Kultur machen
Großes Aufatmen im Augsburger Rathaus. Das Verwaltungsgericht hat entschieden, dass die Berufung von Tatjana Dörfler zur neuen Bildungs, und Kulturreferentin absolut wasserdicht ist. Die vorherige Klage des ehemaligen Kulturreferenten Jürgen Enninger und der Grünen entpuppte sich damit als juristischer Rohrkrepierer.
Die bunte Regierungskoalition aus gefühlt fast sämtlichen im Stadtrat vertretenen Parteien, reibt sich die Hände. Sie wirft den Verlierern vor, die politische Arbeit monatelang blockiert zu haben.
CSU-Fraktionschef Leo Dietz freut sich über die neue Klarheit, während die SPD ihre Kollegin ohnehin für die Idealbesetzung hält. Nun soll die Schlammschlacht enden, damit in der Schwabenmetropole Augsburg endlich wieder nur Kultur statt Theater um die Kultur stattfinden kann.
Rachsüchtiger Schachzug?
Wenn man das Augsburger Polittheater nach der Kommunalwahl 2026 betrachtet, drängt sich tatsächlich der Eindruck auf, als hätten wir es hier mit einem meisterhaften, leicht rachsüchtigen Schachzug der starken grünen Frauenriege zu tun.
Stellen wir uns die Szene vor: Nach 18 Jahren verliert die CSU die Vorherrschaft, und der SPD-Mann Florian Freund zieht als neuer strahlender Oberbürgermeister ins Rathaus ein. Und wen lässt er in der Kälte stehen? Ausgerechnet die Grünen, immerhin zweitstärkste Kraft im Stadtrat, bei denen stolze 7 von 11 Sitzen von Frauen besetzt sind. Noch schlimmer: Die CSU, der bisherige Koalitionspartner der Grünen, vollzieht geschmeidig und opportunistisch einen Seitenwechsel, um sich gemütliche Posten in der neuen "Startmehrheit" zu sichern.
Der Geist der Grünen
Die grünen Spitzenfrauen fanden sich plötzlich ohne jegliche Regierungsmacht auf den harten Oppositionsbänken wieder. Besonders bitter war das für Martina Wild, die nicht nur bei der OB-Wahl deutlich unterlag, sondern auch ihr Amt als Zweite Bürgermeisterin verlor und zudem in einer Kampfabstimmung um ein Referat scheiterte. Auch Verena von Mutius-Bartholy und ihre Kollegin Melanie Melitta Hippke büßten ihren bisherigen Einfluss komplett ein. Und über all dem schwebt natürlich der Geist der Augsburger Grünen-Matriarchin und Bundestagsabgeordneten Claudia Roth, die als unermüdliche Kämpferin für Vielfalt und Kultur in der Stadtgesellschaft eine echte Instanz ist.
Wie übt man nun Rache für diese politische Ausbootung, ohne wie eine Truppe "schlechter Verliererinnen" zu wirken, die lediglich verlorenen Posten nachtrauert? Man braucht einen sympathischen, moralisch unangreifbaren Stellvertreter.
Enninger wurde wegfusioniert
Auftritt: Jürgen Enninger. Der allseits beliebte, gut vernetzte grüne Kulturreferent genoss in der Kulturszene einen exzellenten Ruf. Er hatte sich gerade erst rührend öffentlich für queere Minderheiten eingesetzt und kurz vor der Neubesetzung seines Postens hatte die halbe Augsburger Kulturszene einen offenen Brief für seinen Verbleib im Amt unterschrieben. Doch die neue Koalition fusionierte sein Kulturreferat einfach mit dem Bildungsressort und setzte dort die SPD-Frau Tatjana Dörfler ein.
Die strategische Reaktion der grünen Frauen war genial: Man schickte Enninger als Gegenkandidaten vor und ermutigte ihn, juristisch gegen seine Abwahl vor dem Verwaltungsgericht zu klagen. Flankiert wurde das Ganze durch formelle Aufsichtsbeschwerden der grünen Fraktionsspitze bei der Regierung von Schwaben. Offiziell ging es natürlich nur um hehre Prinzipien wie das Grundgesetz, die "Bestenauslese" und die fehlende öffentliche Stellenausschreibung.
Juristischer Kampf
Inoffiziell war es jedoch ein meisterhaftes "Proxy-Manöver" (Stellvertreterkrieg) der grünen Frauen: Ein brillantes Störfeuer, das die neue Stadtregierung in ihren ersten Monaten maximal blockierte, Zeit kostete und den neuen OB Florian Freund sofort in die Defensive zwang. Die neue Rathaus-Koalition schäumte förmlich vor Wut und warf den Grünen vor, die Justiz für einen parteipolitischen "Rachefeldzug" zu missbrauchen. Das gefiel sicher auch der abgewählten OBin Eva Weber, die eine enge Freundschaft mit der ehemaligen Bürgermeisterin Martina Wild pflegte und noch pflegt. Die grünen Chefinnen konnten sich derweil genüsslich zurücklehnen: Der juristische Kampf wirkte nach außen wie die edle Verteidigung eines beliebten Kulturexperten und Rechtsstaatsprinzipien, war taktisch aber ein gezielter Schlag gegen das neue Bündnis.
Rachgericht warm serviert
Zwar hat das Verwaltungsgericht Augsburg Ende Juni 2026 im Eilverfahren schließlich zugunsten der Stadt und Tatjana Dörflers entschieden, aber die Botschaft der grünen Führungsfrauen war unmissverständlich angekommen: Man wirft uns nicht ungestraft aus dem Rathaus! Und da die Aufsichtsbeschwerde auch nach dem Gerichtsurteil munter weiterläuft, wird dieses feine kleine Rachegericht in Augsburg wohl noch eine ganze Weile warm serviert
Am Ende bleibt jedoch die Erkenntnis, dass das Augsburger Rathaus eben doch kein Tatort ist. Am Ende siegt hier nicht die spannendste Intrige, sondern ganz unspektakulär das Verwaltungsgericht.
Bericht: Jossip Mannsatt

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