| Wohin mit den Kindern? |
Können wir bitte einmal darüber sprechen, was Eltern in den Sommerferien eigentlich leisten?
Sechs Wochen Sommerferien. Viele Kitas schließen zusätzlich für zwei oder drei Wochen. Betreuung fällt aus, Kinder sind krank und trotzdem läuft der Arbeitsalltag weiter. Meetings finden statt, Projekte müssen fertig werden und Unternehmen erwarten Leistung.
Ich bin dreifache Mama. Meine jüngste Tochter ist gerade sechs Monate alt. Ich liebe meinen Beruf und ich liebe meine Kinder. Trotzdem kenne ich dieses Gefühl, ständig zwischen beiden Welten zu stehen.
Was mich beschäftigt: Wir sprechen in Deutschland viel über Fachkräftemangel. Wir diskutieren darüber, wie wir mehr Frauen in Führungspositionen bringen und qualifizierte Fachkräfte langfristig im Beruf halten. Gleichzeitig erwarten wir oft, dass Eltern Betreuungslücken irgendwie privat lösen. Als wäre das ausschließlich ihre Aufgabe.
| Sandra Haas, |
Viele Mütter kehren früher in den Beruf zurück, als sie es sich eigentlich wünschen. Nicht immer, weil sie das möchten, sondern weil finanzielle Verpflichtungen, Karrierewege oder der Arbeitsplatz kaum eine andere Wahl lassen.
Gleichzeitig haben sich die finanziellen Rahmenbedingungen für viele Familien verändert. Beim Elterngeld gelten heute niedrigere Einkommensgrenzen als noch vor einigen Jahren. In Bayern erhalten Familien mit Kindern, die seit dem 1. Januar 2025 geboren wurden, weder Familiengeld noch Krippengeld. Das verändert für viele Familien die Möglichkeiten, selbst zu entscheiden, wie sie die ersten Lebensjahre ihres Kindes gestalten möchten.
Ich frage mich deshalb: Reden wir eigentlich genug darüber, was Vereinbarkeit wirklich bedeutet?
Für mich beginnt sie nicht mit Homeoffice. Und sie endet nicht beim Obstkorb.
Sie beginnt dort, wo Familien verlässliche Strukturen haben. Wo Betreuung nicht jeden Tag neu organisiert werden muss. Wo Eltern nicht ständig das Gefühl haben, sich zwischen Familie und Beruf entscheiden zu müssen.
Vielleicht sollten wir aufhören, Vereinbarkeit als Privatsache von Eltern zu betrachten – und anfangen, sie als Standortfaktor für unsere Wirtschaft zu verstehen.
Ein Beitrag von Sandra Haas
Gründerin von "Kinderlachen" in Augsburg
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