Verlässlichkeit gegen Einheitsbrei - 25 Jahre Shopping-Tempel City Galerie in Augsburg


Fetisch Konsum.
(Bild: AI und AL, inspiriert von echter Werbung für die City-Galerie)



Pro: 25 Jahre City Galerie in Augsburg, und immer noch da

25 Jahre im Einzelhandel zu überleben ist heutzutage eine Leistung. Der Onlinehandel hat schon ganz andere Kaliber zum Aufgeben überredet, die City Galerie in Augsburg steht immer noch. Im Gegensatz zum Schwabencenter. Und die City-Galerie zählte 2025 rund 27.000 Besucher pro Tag. 

Das schaffen manche Innenstädte nur am verkaufsoffenen Sonntag mit Bratwurststand.  

Der größte Trumpf: alles unter einem Dach. Rund 100 Läden, ein Multiplex-Kino, Kaffee, und das trocken, wenn Augsburg draußen mal wieder so tut, als wäre jeder Monat April. Wer mit der Familie kommt, schickt Kinder, Partner und Oma in verschiedene Läden und trifft sich später ohne Suchtrupp wieder. 

Die Lage passt auch: zehn Gehminuten vom Rathaus entfernt, kleine Wanderung durch das schöne Lechviertel. Auch mit Busanbindung, dem 35er, dazu Parkplätze im eigenen Parkhaus für alle, die partout mit dem Auto fahren müssen. 

Und die Geschichte erst. Die City-Galerie steht im Textilviertel, auf dem Gelände der ehemaligen Neuen Augsburger Kattunfabrik (NAK). Wo früher Stoffe bedruckt wurden, werden heute Stoffe verkauft, nur tragen die Kunden sie jetzt selbst nach Hause. Statt Webstühlen gibt es Anprobekabinen, statt Fabrikschloten Rolltreppen. Strukturwandel mit Stil.

Ja, solche Zentren gibt es überall, bis nach Warschau. Aber das ist auch eine Qualität: Man findet sich zurecht und weiß, was man bekommt. Verlässlichkeit hat ihren Charme.

Alles Gute zum Jubiläum.o

Contra: 25 Jahre Einheitsbrei

25 Jahre, und man fragt sich: Wann wird ein Einkaufszentrum eigentlich erwachsen? Die City Galerie in Augsburg, beim Vogeltor, ist ein Konsumtempel nach Schema F. Zara, H&M, New Yorker und Saturn sind Ankermieter, die man aus jeder Fußgängerzone zwischen Flensburg und Garmisch kennt. 

Wer die Augen schließt, steht ebenso gut in Kassel, in Bottrop oder in Warschau, wo dasselbe Rezept ebenfalls kocht. Augsburg-Flair? Fehlanzeige. 

Dazu kommt das Prinzip Einkaufszentrum: Man baut es so, dass man die Uhrzeit vergisst. Nach zwei Stunden weiß man nicht mehr, ob Dienstagmittag oder Samstagabend ist. Das ist natürlich Absicht, denn wer die Zeit vergisst, kauft mehr.

Auch für die Altstadt ist so ein Magnet nicht nur ein Segen. Was hier an Frequenz gebündelt wird, fehlt anderswo, und inhabergeführte Läden können sich Centermieten meist nicht leisten. 

Der kleine Buchladen hat dann Pech, die dritte Handyhüllen-Filiale dafür Platz.

Und die ehemalige Kattunfabrik? Auf dem Gelände einer traditionsreichen Textilfabrik steht nun ein Zentrum, in dem Geschichte eher selten Thema ist. 

Wer zwischen Rolltreppe und Modeketten nach Spuren sucht, braucht Geduld und gute Augen. Immerhin hält das tim die Erinnerung wach, nur eben woanders.

Zum Jubiläum wünscht man sich Mut: weniger Filialkopie, mehr Eigenes. Sonst feiern wir in fünf Jahren 30 Jahre Gleichförmigkeit.



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