Karl Marx schaut bei Fritz Koelle „böse“

Ausstellung im Augsburger Höhmannhaus mit Bronzen und Zeichnungen

Das künstlerische Werk des Bildhauers Fritz Koelle (geb. 1895 in Augsburg und gest. 1953 in Probstzella) gilt es – unabhängig seiner wechselnden politischen Einstellungen – zu würdigen. Und diese Würdigung ist in der Ausstellung zum 125. Geburtstag des Künstlers im Grafischen Kabinett im Höhmannhaus (kuratiert von Sarah Klein) geglückt. 

Wohl Zeit seines Lebens hat Fritz Koelle (er hatte an der Münchner Akademie studiert, war Mitglied der Münchner Secession) um Anerkennung gerungen. Schon sein Frühwerk dokumentiert die Beschäftigung mit der Arbeiterklasse und man spürt den Kunstwerken seine Empathie für diese Menschen ab.

Beeindruckend die „Hanna“ im Eingangsbereich des Höhmannhauses. Nachdem Koelle 1925 die Malerin Elisabeth Karmann (1890 – 1974) aus St. Ingbert (Saarland) geheiratet hatte, richtete er seinen Fokus auf Berg- und Hüttenleute in ihrer sozialen Wirklichkeit.

Einen Bronzeguss des „Hockenden Bergarbeiters“ (1929/30) erwarb die Städtische Galerie am Lenbachhaus. Mit der Machtergreifung durch die Nazis änderte Koelle seine politische Einstellung, galt ohnehin nicht als entartet. Ablesen lässt sich dies auch an seinem dem Regime angepassten Werk.

Sein Bildnis des SA-Sturmbandführers Horst Wessels (1940) gibt davon ein bronzenes Zeugnis. Auch gehörte er zu jenen Künstlern, die seit 1937 jährlich auf der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst in München vertreten waren. Dennoch gelang ihm nicht der große Durchbruch. Es kann später auch die Erkenntnis eines Irrtums gewesen sein, die ihn veranlasst hatte, nach 1945 in die KPD, später SED, einzutreten. War es Opportunismus, Gesinnungswandel oder vielleicht doch die Einsicht, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben?

Koelles im Höhmannhaus ausgestellte Figur „Inferno“ für das KZ-Denkmal in Dachau, fand keine Anerkennung. Ein katholischer Juror soll entschieden dagegen gestimmt haben. Neben „Inferno“ steht die eher normal wirkende Gestaltung eines Dachau-Häftlings, der auch ein Kriegsheimkehrer sein könnte, die dann als Skulptur vor dem ehemaligen KZ aufgestellt wurde.

Was nach 1945 signifikant für Koelles Arbeiten ist, entspricht der DDR-Realität. In diesem Staat bekam er endlich die Berufung zu einer Professur an der Staatlichen Kunsthochschule für Werkkunst in Dresden und der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee.

Koelles Wunsch nach Lob und Wertung hat wohl sein sich den politischen Gegebenheiten jeweils anpassendes Verhalten geprägt. Leider galt das später sogar für seine „Karl Marx“-Bronze, die den DDR-Parteivorsitzenden Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl missfiel. Marx schaue zu „böse“ lautete das Votum.

Dass im Augsburger Stadtteil Herrenbach eine Straße nach Fritz Koelle benannt ist, hat oft Kritik hervorgerufen. Doch an Fritz Koelle, der nicht allein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Wendehälsen dieser Generation zählte, darf aufgrund seines bedeutenden Werkes durchaus mit einem Straßennamen erinnert werden.

 Fritz Koelle starb am 4. August 1953 im Interzonenzug von München nach Berlin, in Probstzella, jener Stadt, in der DDR-Flüchtlinge bis zum Mauerbau 1963 stets aufatmeten, denn nach Probstzella begann für sie die Freiheit. 

Sybille Schiller



Kunstsammlungen und Museen im Grafischen Kabinett, Augsburg, Maximilianstraße 46


Ausstellungsdauer:
bis 22. November 2020 
geöffnet Di bis So 10 bis 17 Uhr 
Eintritt frei




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